Unterstützung für Eva Herman "Ich würde sie selbstverständlich wieder einladen"

Mit heftiger Kritik hat der Zentralrat der Juden auf die Beifallsstürme für Eva Herman beim "Forum Deutscher Katholiken" reagiert. Forum-Vorsitzender Hubert Gindert hingegen verteidigt den Auftritt der umstrittenen Moderatorin.

Interview: Christoph Schäfer

sueddeutsche.de: Wer kam auf die Idee, ausgerechnet Eva Herman zum "Forum Deutscher Katholiken" einzuladen?

Verteidigt Hermans familienpolitische Vorstellungen: Forum-Vorsitzender Hubert Gindert

(Foto: Foto: privat)

Hubert Gindert: Auf die Idee bin ich gekommen, weil sie zum Thema "Kindererziehung in der Familie" aus meiner Sicht das Richtige sagt.

sueddeutsche.de: Sie teilen die Thesen von Frau Herman?

Hubert Gindert: Ich stimme ihr zu, wenn sie sagt, dass Kinder mindestens in den ersten drei Lebensjahren am besten in der Familie aufgehoben sind und dort erzogen werden sollten. Das erhöht die Bindungsfähigkeit und fördert optimal die emotionalen Eigenschaften, die in einem Kind erst mal entwickelt werden müssen.

sueddeutsche.de: Teilen sie auch die These von Frau Herman, die zu ihrem Rauswurf beim NDR führte? Laut NDR und Bild am Sonntag soll sie gesagt haben, dass "Werte wie Familie, Kinder und das Mutterdasein, die auch im Dritten Reich gefördert wurden, anschließend durch die 68er abgeschafft wurden."?

Gindert: Ich glaube, Frau Herman ist in den Medien verkürzt wiedergegeben worden. Meiner Ansicht nach hat sie damals gesagt: "Wir müssen in Deutschland vor allem das Bild der Mutter wieder mehr wertschätzen lernen, das leider ja mit dem Nationalsozialismus und der darauf folgenden 68er Bewegung abgeschafft wurde."

Ferner sagte sie, mit den 68ern wurde "damals eben auch das, was gut war, und das sind Werte, das sind Kinder, das sind Mütter, sind Familien, das ist Zusammenhalt" abgeschafft. Aus meiner Sicht kommt dabei insgesamt zum Ausdruck, dass auch die Nazis versucht hatten, diese Werte abzuschaffen. Und das liest sich dann schon anders.

sueddeutsche.de: Ihre Lesart unterscheidet sich diametral von allem, was bisher über Hermans Aussagen zu lesen war.

Hubert Gindert: Das ist mir bewusst. Ich glaube dennoch, Frau Herman wurde verkürzt wiedergegeben.

sueddeutsche.de: Und in diesem neuen Kontext teilen sie ihre Aussagen?

Hubert Gindert: Ja. Außerdem erklärte Frau Herman, nachdem die Kritik an ihr laut wurde: "Wenn ich mich missverständlich ausgedrückt haben sollte, entschuldige ich mich dafür." Das darf doch nicht total untergehen.

sueddeutsche.de: Hatten Sie erwartet, dass Frau Herman auf ihrer Veranstaltung so viel Applaus bekommt?

Gindert: Ich hatte schon mit Zustimmung gerechnet. Das, was sie zur Erziehung der Kinder in der Familie sagt, ist ja auch richtig. Deshalb würde ich sie zu einer solchen Thematik selbstverständlich auch wieder einladen.

sueddeutsche.de: Hessens Wirtschaftsminister Alois Rhiel sieht das offensichtlich anders: Aus Verdruss über Hermans Auftritt hat er die Schirmherrschaft über ihre Veranstaltung bereits im Vorfeld abgegeben...

Hubert Gindert: Ich bin traurig darüber, dass Politiker auf Druck der Medien so schnell in die Knie gehen. Und ich frage mich ernsthaft, was die Leute von diesen Politikern erwarten können, wenn mal echte Krisen auftreten.

Prof. Dr. Hubert Gindert ist Vorsitzender des "Forum Deutscher Katholiken" und Chefredakteur der katholischen Monatszeitschrift Der Fels.