Kommentar Die Unterhaltsreform kann nur der Anfang sein

Die Familienministerin will den Unterhalt für Trennungskinder neu ordnen.

(Foto: Juliane Liebermann/Unsplash)

Die Familienministerin will das Unterhaltsrecht reformieren. Gut so, aber reicht nicht. Damit es gerechter zugeht, sollten Väter länger Elternzeit nehmen.

Kommentar von Henrike Roßbach

Beschreiben getrennt lebende Mütter und Väter ihre Welt, gleicht das oft zwei Puzzleteilen, die kein Bild ergeben. Die Erzählungen der Mütter handeln von Vätern, die keinen oder zu wenig Unterhalt zahlen. Die nur an jedem zweiten Wochenende die Kinder übernehmen und nicht einmal dann zusätzlich einspringen, wenn die kleine Tochter unter der Woche Lungenentzündung hat und die Mutter auf Dienstreise muss. Die um jeden Cent feilschen und auch den Geigenunterricht abgegolten sehen mit ihrem Unterhalt.

Die Geschichten der Väter wiederum handeln von Müttern, die als Torwächterinnen den Zugang zu den Kindern regulieren. Die gar nicht wollen, dass die Väter die Hälfte der Betreuung übernehmen, weil sie dann keinen Unterhaltsanspruch mehr hätten.

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Die Familienministerin will Sorge- und Unterhaltsrecht flexibler machen. Väter sollen nicht mehr den vollen Unterhalt zahlen müssen, wenn Kinder viel Zeit bei ihnen verbringen.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) will nun zwischen diesen Welten eine Brücke schlagen. Dass Väter vollen Unterhalt zahlen müssen, auch wenn sie einen bedeutenden Teil der Kinderbetreuung übernehmen, findet sie ungerecht. In der Tat ist es wenig einleuchtend, dass ein Vater, der an zwölf von 30 Tagen seine Kinder bei sich hat, 100 Prozent Kindesunterhalt zahlen muss. Bislang ist das so. Nur beim Wechselmodell, wenn die Kinder zu gleichen Teilen beim Vater und der Mutter leben, fällt der Unterhalt weg. Sonst aber stellen sich unterhaltspflichtige Väter am besten, wenn sie sich möglichst wenig um ihre Kinder kümmern - ein absurder Anreiz.

Allerdings darf eine Reform kein schlichter Betreuungsrabatt für Väter sein. Wochenendväter etwa kommen auch auf ein Fünftel der Betreuungszeit. Kinder aber kosten vor allem im Alltag Geld, vom Babysitter in Notfällen bis zum Schneeanzug, vom Nachhilfeunterricht bis zu den Fußballschuhen. Ein Entgegenkommen beim Unterhalt ist sinnvoll, wenn Mütter und Väter nahe dran sind an halbe-halbe - nicht aber für jedes bisschen Zeit bei Papa. Hinzu kommt, dass viele Mütter gar keinen oder zu wenig Unterhalt bekommen. Oft können Väter nicht zahlen, manche aber wollen auch nicht. Vom Unterhaltsvorschuss wiederum holt sich der Staat derzeit erbärmliche 13 Prozent zurück.

Wenn Kinder geboren werden, bleiben bislang meist die Mütter länger zu Hause. Sie gehen häufiger in Teilzeit, das Ehegattensplitting befördert dieses Modell auch noch. Im Fall einer Trennung aber stehen die Frauen dann dumm da - mit ihren Teilzeitjobs, ihren ausgelassenen Karriereschritten und ihren Mini-Rentenanwartschaften. All das bildet der Unterhalt für die Kinder nicht ab.

Wenn die Ministerin das Unterhaltsrecht ändern will, muss sie auch an anderen Schrauben drehen. Eines immerhin hat sie angedeutet. Sie will ran ans Elterngeld - offenbar mit dem Ziel, dass Väter sich länger um ihre Kinder kümmern. Derzeit bleiben die meisten nur zwei Monate zu Hause, so viele wie nötig sind, um gemeinsam mit der Mutter den vollen Anspruch von 14 Monaten Elterngeld auszuschöpfen. Anscheinend brauchen Männer diese gesetzliche Vorgabe oft als Argumentation gegenüber ihrem Chef. Wenn aber Väter mindestens vier Monate zu Hause bleiben müssten, um zusammen mit der Partnerin 14 Monate Elterngeld zu bekommen, kann das ein erster Grundstein sein für eine gerechtere Aufteilung von Beruf und Familie, auch nach der Babyzeit und auch im Fall einer Trennung.

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