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Unruhen in China:Sicherheitskräfte schießen auf Tibeter

Die Proteste von Tibetern in Südwestchina weiten sich aus. Chinesische Sicherheitskräfte schossen nun auf Demonstranten und setzten Tränengas ein. Die Zahl der Opfer ist unklar - von bis zu sechs Toten ist die Rede. Tibetische Aktionsgruppen warnen vor einer weiteren Eskalation der Situation.

Bei Protesten von Tibetern in Südwestchina sind möglicherweise mehr Menschen ums Leben gekommen als bisher bekannt. Verschiedene exiltibetische Quellen berichteten am Dienstag von zwei bis vermutlich sogar sechs Toten und rund 30 Verletzten. Chinesische Sicherheitskräfte hätten am Montag in Luhuo im Autonomen Bezirk Garzê (Ganzi) der Tibeter in der Provinz Sichuan das Feuer auf demonstrierenden Tibeter eröffnet.

A Tibetan monk holds a flag as he takes part in a day-long hunger strike in New Delhi

Ein tibetischer Mönch im indischen Exil (Archivbild): Mit Hungerstreiks, Protestaktionen oder - im drastischsten Falle - Selbstverbrennungen versuchen Tibeter auf ihr Schicksal aufmerksam zu machen.

(Foto: REUTERS)

Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua bestätigte die "Zusammenstöße" mit einigen Dutzend Menschen, darunter auch Mönche. Ein Demonstrant sei getötet und fünf Polizisten verletzt worden. Die Proteste hätten sich entwickelt, nachdem in einem Flugblatt eine Selbstverbrennung angekündigt worden war. Die Menschenmenge habe eine Polizeistation mit Steinen und Knüppeln angegriffen.

Zu Unruhen kam es am Montag auch im benachbarten Bezirk Ngawa (Aba), wo Sicherheitskräfte Tränengas gegen tibetische Demonstranten einsetzten, wie die Organisation Free Tibet aus London berichtete. Aktionsgruppen riefen die chinesischen Behörden zur Zurückhaltung auf, um die Spannungen nicht zu verschärfen. In Luhuo sollen sich Tausende Tibeter an den Protesten beteiligt haben. "Mindestens zwei Tibeter wurden getötet", zitierte der US-Sender Radio Free Asia (RFA) einen im indischen Exil lebenden Mönch, der mit Beteiligten in Luhuo gesprochen habe.

Demonstranten hätten ein Ende der chinesischen Herrschaft über die Tibeter und die Rückkehr des Dalai Lama, ihres im indischen Exil lebenden religiösen Oberhauptes, gefordert. Dabei hätten sie chinesische Läden und Einrichtungen angegriffen und zerstört. "Als wir an der Polizeistation ankamen, eröffnete die Polizei das Feuer aus automatischen Waffen", zitierte der US-Sender einen Mönch, der dabei gewesen sei. "Sie setzten auch Tränengas ein, um die Menge aufzulösen."

Die in London ansässige Aktionsgruppe International Campaign For Tibet (ICT) berichtete von drei getöteten Tibetern, während das exiltibetische Parlament im indischen Dharamsala auf örtliche Quellen verwies, die sogar von sechs Toten gesprochen hätten. Die unterschiedlichen Angaben ließen sich nicht bestätigen. Die Spannungen dauern nach exiltibetischen Angaben an.

Rund 6000 Tibeter aus den benachbarten Kreisen hätten sich aus Protest am bekannten Draggo-Kloser versammelt, wo 32 Verletzte hingebracht worden seien, berichtete der US-Sender RFA. Nach verschiedenen Berichten trauen sich Tibeter nicht, ihre Verletzungen in Krankenhäusern behandeln zu lassen, weil sie ihre Festnahme befürchten müssten.

Die blutigen Zwischenfälle passierten am ersten Tag des neuen Jahres, das für die Chinesen nach ihrem traditionellen Mondkalender am Montag begonnen hat. Aus Protest gegen die chinesische Herrschaft hätten sich viele Tibeter geweigert, das chinesische Neujahrsfest zu begehen. Die Tibeter begrüßen das neue Jahr nach ihrem eigenen Kalender erst am 22. Februar.

© Süddeutsche.de/dpa/infu/mcs/gba

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