Süddeutsche Zeitung

Unruhen in Ägypten:Ashton bestätigt: Mursi geht es gut

Überraschendes Treffen beim Ägyptenbesuch: Zwei Stunden lang haben die EU-Außenbeauftragte Ashton und der gestürzte ägyptische Präsident miteinander gesprochen - es war Mursis erster offizieller Kontakt zur Außenwelt seit seinem Sturz.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton hat sich am Montagabend an einem unbekannten Ort mit dem gestürzten ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi getroffen. Ahston habe zwei Stunden lang mit Mursi gesprochen, teilte ihre Sprecherin Maja Kocijancic am Dienstag via Twitter mit. Ashton bestätigte Angaben der Armee, dass es Mursi gutgehe. Es war das erste offizielle Treffen des Ex-Präsidenten seit seinem Sturz durch das Militär am 3. Juli. Wo er festgehalten wird, blieb allerdings auch nach der Zusammenkunft geheim.

In einer Pressekonferenz sagte Ashton, Mursi habe Zugang zu Fernsehen und Zeitungen, so dass man über die aktuelle Lage in Ägypten habe sprechen können. Kommentieren wollte die Außenbeauftragte dies jedoch nicht näher, da sie nicht Mursis Meinung vertreten wolle.

Ziel von Ashtons Reise nach Kairo waren offiziell Gespräche mit den neuen Machthabern, darunter Übergangspräsident Adli Mansur und seinem Stellvertreter Mohamed ElBaradei sowie Armeechef Abdel Fattah al-Sisi und Außenminister Nabil Fahmi. Die EU-Chefdiplomatin unterhielt sich auch mit Vertretern der Mursi unterstützenden Islamisten sowie mit Mitgliedern der Bewegung Tamarod. Diese hatte mit Unterschriftensammlungen und Massendemonstrationen Mursis Sturz in Gang gesetzt.

Mursi-Anhänger rufen zu Massenprotesten auf

Für Dienstag haben die Mursi-Anhänger erneut zu einem "Marsch der Millionen" aufgerufen. Als Motto des Massenprotests gaben sie die Losung "Die Märtyrer des Staatsstreichs" aus, wie aus einer Erklärung der islamistischen Mursi-treuen Gruppen des Landes hervorging. Mit der Demonstration wollen sie sich für die Wiedereinsetzung des entmachteten Staatschefs einsetzen. Die Muslimbruderschaft wirft dem Militär einen Putsch gegen das erste frei gewählte Staatsoberhaupt in der Geschichte des Landes vor.

Seit Mursis Sturz am 3. Juli gibt es landesweit gewaltsame Proteste. Am Samstag war es dabei zu den bislang blutigsten Unruhen gekommen: Nach amtlichen Angaben wurden mindestens 80 Menschen getötet. Das Blutbad löste weltweite Besorgnis über die Entwicklung in Ägypten aus. Die US-Regierung verurteilte die jüngste Gewalt am Montag scharf. Zugleich rief sie die Übergangsregierung auf, die Rechte der Demonstranten zu schützen, wie es in einer Erklärung des Weißen Hauses hieß.

Der aus der islamistischen Muslimbruderschaft stammende Mursi war vor gut einem Monat nach Massenprotesten gegen ihn abgesetzt worden. Die Armee hält ihn an einem geheimen Ort fest, seit Freitag sitzt er offiziell in Untersuchungshaft. Ashton hatte wiederholt die Freilassung Mursis gefordert und bedauert, dass sie ihn nicht habe treffen können. Mursi wurde seit seinem Sturz durch das Militär nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen, offiziell erhielt er seitdem keinen Besuch. Die Armee erklärte, Mursi gehe es gut.

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dpa/AFP/sebi
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