Unruhen im Südsudan "Zweifel am Putschversuch"

Roman Deckert, Länderanlalyst bei der NGO Media in Cooperation and Transition (MICT)

Roman Deckert, Länderanlalyst Sudan/Südsudan bei der NGO Media in Cooperation and Transition (MICT)

(Foto: Jonas Groß)

"Präsident Kiir hat am Mittwoch seine Gesprächsbereitschaft mit Machar erklärt. Das gibt Hoffnung. Beobachter fragen sich, ob er entsprechenden internationalen Druck bekommen hat. Mittwochnachts war es in Juba relativ ruhig, vereinzelte Schüsse wurden gemeldet. Doch in anderen Teilen des Landes bricht die Staatsarmee auseinander. Betroffen sind vor allem Jonglei und Unity State, dem Gebiet mit der Hauptölförderung. Damit ist die volkswirtschaftliche Grundlage in Gefahr.

Man weiß nicht, was im Busch abgeht, wo nicht getwittert wird. Da ist das Schlimmste zu erahnen. Es herrscht Chaos, Angst, Leute werden vermisst. Es sind noch viele Opfer zu befürchten. Primär sind Kombattanten betroffen, aber vor allem in Juba sind bei den Schießereien Zivilisten ums Leben gekommen.

Viele Leitmedien schreiben vom Putschversuch von Machar. Doch von den internationalen Beobachtern und Analysten glaubt das kaum einer, zumindest bestehen sehr große Zweifel. Die offizielle Version eines Militärcoups muss stark hinterfragt werden.

"Machar war dabei, sich zu rehabilitieren"

Wichtig ist es dabei, den persönlichen Hintergrund der Protagonisten zu sehen. Kiir ist ursprünglich kein Politiker, sondern Soldat. Innerhalb des Rebellenapparats war er lange Jahre Geheimdienstchef, was auch gewisse Handlungsmuster erklärt. Sein Gegenspieler, Ex-Vizepräsident Machar, ist zwar auch ein Warlord, aber ein brillanter Redner und Stratege. Machar hat in England studiert und besitzt einen Doktortitel in Philosophie und strategischer Planung. Das ist ein Argument der Analysten: Ein so plumper Putschversuch seitens Machar ergibt keinen Sinn. Schon gar nicht, während der Präsident im Land ist. Machar war zudem gerade dabei, sich nach seiner Entlassung als Vizepräsident politisch zu rehabilitieren. Allerdings verspielt Machar mit seinem jüngsten Vorgehen seine relativ starke Stellung, zumindest im diplomatischen Bereich.

Es gab schon immer Machtkämpfe im Südsudan, viel Blut ist geflossen. Es ist auch vorstellbar, dass sie sich wieder zusammenraufen. Jetzt ist die Frage, wie ein Friedensprozess initiiert werden könnte - womöglich über den UN-Sicherheitsrat.

Deutschland hat sich stark engagiert

Am 28. November hat der Bundestag entschieden, sich für ein weiteres Jahr an der Mission im Südsudan (UNMISS) zu beteiligen. Über die Konsequenzen muss nun nachgedacht werden. Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren stark engagiert, ist einer der wichtigsten Geldgeber und hat das aufwändige Entwaffnungsprogramm mitfinanziert.

Wie man jetzt unter diesen Bedingungen weitermacht, wird sich zeigen müssen. Viele Helfer haben den Südsudan mühsam unterstützt und es kaum geschafft, Grundstrukturen aufzubauen. Nun droht alles zu zerbrechen."

Linktipps: Der Journalist André Surén wurde aus dem Südsudan evakuiert. Im Interview schildert er seine Eindrücke. Human Rights Watch hat im September 2013 einen Bericht über ethnische Konflikte und Gewalt veröffentlicht (PDF). Annette Weber hat den "Transformationsstau im Südsudan" analysiert (PDF). Auf ihrer Hompage informiert die UNMISS (United Nations Mission in the Republic of South Sudan) über ihren Einsatz und gibt Infos zum UN-Mandat. Arte hat den Aufbau des jüngsten Staates der Welt dokumentiert. BBC hat in einem Länderprofil die wichtigsten Fakten zusammengetragen.