Union verliert in Umfragen Seehofer: "Wir wollen Guttenberg zurück"

Dicke Freunde sind Guttenberg und Seehofer zwar nicht: Dennoch setzt sich der CSU-Chef uneigennützig für den einstigen Polit-Star ein - denn ohne Guttenberg verliert die Union die Wählergunst.

Der Schock war CSU-Chef Horst Seehofer ins Gesicht geschrieben, als er zum Rücktritt von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg Stellung nehmen musste. Sein Gesicht war blass, seine Stimme fahrig. "Das ist ein sehr schmerzlicher Schritt für die CSU", jammerte Seehofer.

CSU-Chef Horst Seehofer hofft auf eine Rückkehr von Karl-Theodor zu Guttenberg in die Politik: "Er ist einer von uns", sagte er über den Ex-Verteidigungsminister.

(Foto: dapd)

In der Tat, die Partei verliert ihren Hoffnungsträger und, was noch viel wichtiger ist, ihren Garanten für hohe Zustimmungswerte in der Bevölkerung. In einer aktuellen Umfrage, die nach dem Rücktritt erhoben wurde, wird sichtbar, was die Union stets befürchtet hat: CDU und CSU verlieren in der Wählergunst. Im aktuellen "Sonntagstrend" der Bild am Sonntag kommt die Union nur noch auf 33 Prozent - das ist ein Minus von zwei Prozentpunkten im Vergleich zur Vorwoche. Zuletzt erreichte die Union diesen Wert im November 2010.

74 Prozent der Deutschen sind demnach der Meinung, dass die schwarz-gelbe Koalition von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach dem Rücktritt Guttenbergs schlechter dasteht als zuvor. 61 Prozent erwarten, dass der Rücktritt Guttenbergs der Union bei den kommenden Landtagswahlen schaden wird. Eine Befürchtung, die auch die CSU für Bayern hegt. Erst Guttenberg hat die CSU aus ihrem Umfragetief geholt.

Und genau diese Popularität des 39-Jährigen war es auch, die Seehofer skeptisch von München aus beobachtet hat. Von Freundschaft konnte bei den beiden keine Rede sein. Zu groß war die Gefahr, dass Guttenberg schon bald Ansprüche auf den CSU-Vorsitz erhebt - und Seehofer als Ministerpräsidenten damit zum reinen Landespolitiker degradiert hätte. Doch soweit wird es nicht kommen. Im Herbst wählt die CSU ihren Chef. Bis dahin wird Guttenberg wohl noch nicht auf die politische Bühne zurückkehrt sein. Und Seehofer kann den Verlust für die Partei und die Politik beklagen. Denn schon bald wird es auch Umfragen geben, in denen die CSU in der Gunst der Wähler verliert.

So ist es wenig verwunderlich, dass mit der Rücktrittserklärung des Plagiats-Ministers sogleich Rufe nach seiner Rückkehr in die Politik laut werden. Dass Guttenberg wiederkommt, das steht für Horst Seehofer fest: "Ich kann für die CSU sagen: Er ist einer von uns, er bleibt einer von uns, und er wird eines Tages in der deutschen Politik wieder eine Rolle spielen," betone Seehofer in der Onlineausgabe der Bild am Sonntag. "Wir wollen ihn wiederhaben, und er hat das Zeug dazu."

Das finden auch Tausende Guttenberg-Anhänger. Sie sind am Samstag für ihn auf die Straße gegangen. Allein in Guttenberg, der Heimat des Ex-Verteidigungsministers, folgten nach Angaben des Veranstalters etwa 2000 Menschen dem Facebook-Aufruf, für ein Comeback des 39-Jährigen in die Politik zu demonstrieren. Auf ihren Plakaten waren Sätze zu lesen wie "Neid muss man sich erarbeiten" oder "Gutti war zu gut für Euch". Während CSU-Lokalpolitiker Gerhard Schneider von eine "Hexenjagd" sprach, kritisierte Guttenbergs Vater Enoch die "Häme und Selbstgerechtigkeit", mit der über seinen Sohn hergezogen worden sei.

In der Bild am Sonntag erneuerte Seehofer seine Kritik an CDU-Politikern, die Guttenberg öffentlich kritisiert hatten. "Für mich waren die Äußerungen unangemessen. Das ist nicht der Umgang, den man unter politischen Freunden miteinander haben sollte", sagte Seehofer. Er wolle mit der CDU-Vorsitzenden und Bundeskanzlerin Angela Merkel "in aller Gelassenheit und Klarheit über den Umgang innerhalb der Union reden".

Deutlichere Worte richtete Seehofer indes an die Opposition. Sie griff er scharf an für ihre rüde Befragung Guttenbergs im Bundestag: "In der Aktuellen Stunde im Bundestag hat es sehr überzogene Äußerungen gegeben, die von Wut, vielleicht sogar von Hass, begleitet waren. Da sind bei allem Recht zur Kritik viele aus der Opposition übers Ziel hinausgeschossen." Abgeordnete der Jungen Union kritisieren die Haltung von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) im Streit um die Guttenberg-Plagiate.

Guttenberg-Demo in München

"KT come back"