Mädchen und Jungen in Deutschland haben nach Ansicht des Kinderhilfswerks Unicef zunehmend ungleiche Zukunftschancen. In einem Unicef-Bericht zum Kindeswohl in Industrieländern belegt Deutschland Platz 25 von 37 und liegt im unteren Mittelfeld, wie die Organisation am Sonntag mitteilte. Platz 1 belegten die Niederlande, auf Platz 37 landete Chile.
Deutschland vergebe damit Zukunftschancen: „Wer heute nicht in die Teilhabe, die Bildung und die gesundheitliche Versorgung der jüngsten Generation investiert, schadet nicht nur den Kindern, sondern zahlt morgen einen hohen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Preis“, betonte Christian Schneider, Geschäftsführer von Unicef Deutschland.
Konkret kritisierte die Organisation die seit Jahren stagnierende Kinderarmutsquote „bei hohen 15 Prozent“. Auch die Einkommensungleichheit sei von einem Verhältnis von 1 zu 4,3 (2012) auf 1 zu 5,0 gestiegen. Somit verfügten Menschen im wohlhabendsten Fünftel der Bevölkerung heute über fünfmal so viel Einkommen wie Menschen im ärmsten Fünftel.
Im internationalen Vergleich sei auch der Abstand zwischen Jugendlichen aus sozioökonomisch benachteiligten und denen aus privilegierten Familien besonders groß. „Unter den Jugendlichen aus benachteiligten Familien erreichen nur 46 Prozent die grundlegenden Kompetenzen. In privilegierten Familien sind es dagegen 90 Prozent“, so Unicef. Weiter wies die Organisation auf gesundheitliche Folgen hin. Kinder aus besser gestellten Familien seien häufig auch gesünder. Jene aus benachteiligten Familien hätten hingegen ein höheres Risiko für Übergewicht oder schlechtere allgemeine Gesundheit. Vier von fünf Kindern aus dem wohlhabendsten Fünftel der Familien (79 Prozent) seien demnach in sehr guter gesundheitlicher Verfassung, bei den ärmsten Kindern (58 Prozent) nur gut jedes zweite.