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Ungerechtfertigte Vorwürfe an die EU:Heilpflanzenverbot in der EU?

2010 gab es heftige Proteste gegen die Richtlinie 2004/24/EG zur "Schaffung eines Gemeinschaftskodexes für Humanarzneimittel hinsichtlich traditioneller pflanzlicher Arzneimittel". Angeblich, so verkündeten viele Anhänger alternativer Heilverfahren, wollte die EU damit Heilpflanzen verbieten. Eine Petition an den Bundestag forderte, dies zu verhindern. Fast 120 000 Menschen unterzeichneten.

Doch die Richtlinie war nicht nur bereits 2004 verabschiedet worden. Sie ermöglicht darüber hinaus, dass traditionelle pflanzliche Arzneimittel in der EU in einem vereinfachten Verfahren zugelassen werden. Und gerade in Deutschland hatten auch vor der EU-Richtlinie bereits entsprechende Regulierungen existiert. Doch die Überzeugung vieler Menschen, dass die EU-Bürokraten ganz im Dienste von Lobbyisten etwa der Pharmaindustrie stehen, war offenbar so groß, dass sie die Fehlinformationen bereitwilligt glaubten.

Dabei hat sich die EU bestimmten paramedizinischen Verfahren gegenüber bislang sehr entgegenkommend gezeigt. Homöopathische und anthroposophische Mittel sowie Heilpflanzen können in der EU als Arzneimittel registriert werden, ohne dass ein Wirksamkeitsnachweis erbracht wurde.