Fall Skripal:Schlagabtausch im Weltsicherheitsrat

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Julia Skripal gehe es „von Tag zu Tag besser“, ließ sie mitteilen. (Foto: AP)

London und Moskau streiten über vergifteten Ex-Agenten. Dessen Tochter redet jetzt.

Erstmals hat sich die nach dem Giftanschlag auf sie und ihren Vater schwer erkrankte Julia Skripal in Großbritannien zu Wort gemeldet. "Ich bin vor über einer Woche aufgewacht und glücklich sagen zu können, dass es mir von Tag zu Tag besser geht", sagte die 33-Jährige am Donnerstag laut einer Mitteilung, die Scotland Yard verbreitete. Die Tochter des russischen Ex-Doppelagenten Sergej Skripal dankte allen, die zu ihrer Genesung beigetragen haben. Zugleich bat die 33-Jährige um Achtung ihrer Privatsphäre. Ihr Vater liegt weiter im Krankenhaus.

Der Anschlag mit dem chemischen Kampfstoff Nowitschok auf die beiden am 4. März im britischen Salisbury hat eine schwere diplomatische Krise zwischen Großbritannien, anderen europäischen Ländern und Russland ausgelöst. Am Donnerstag kam der UN-Sicherheitsrat in New York in einer von Russland beantragten Dringlichkeitssitzung zusammen, um sich mit dem Fall Skripal befassen. Dabei lieferten sich Russland und Großbritannien einen heftigen Schlagabtausch. "Wir haben unseren britischen Kollegen gesagt, dass sie mit dem Feuer spielen und das noch bereuen werden", sagte der russische UN-Botschafter Wassili Nebensja, "diese ganze zweifelhafte Sache ist eine Erfindung oder eine Provokation der übelsten Sorte." Russland habe mit der Vergiftung der Skripals nichts zu tun; das Land habe "kein Patent" auf den Kampfstoff Nowitschok, sagte Nebensja: "Es geht nur darum, unsere politische Legitimität grundsätzlich in Frage zu stellen." Die britische UN-Botschafterin Karen Pierce wies das zurück. Das Ganze sei "Teil eines größeren Musters von unverantwortlichem Verhalten Russlands", sagte sie: "Wir haben nichts zu verstecken, aber ich fürchte, dass Russland etwas zu befürchten haben könnte." London hatte zuvor dargelegt, es habe keine Zweifel, dass das Gift aus Russland stamme. Diese Haltung unterstützen Deutschland und mehr als 20 europäische Länder sowie die Nato. Beweise hatte die britische Regierung jedoch zumindest öffentlich nicht präsentiert. Am Donnerstag berichtete die Londoner Times, britische Experten hätten mit großer Sicherheit das russische Labor identifiziert, aus dem das Nowitschok stamme. Die Experten seien sich recht sicher, allerdings nicht zu 100 Prozent. Die Times nannte aber keine klare Quelle. Demgegenüber steht die Aussage des Chefs des staatlichen britischen Chemiewaffenlabors in Porton Down vom Dienstag, sein Labor könne nicht sagen, ob das Gift definitiv in Russland hergestellt wurde. Am Mittwoch hatte sich in einer Sondersitzung die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) mit der Skripal-Affäre befasst. Russlands Antrag, in die Untersuchung einbezogen zu werden, war abgelehnt worden. Einen Bericht will die OPCW kommende Woche vorlegen.

© SZ vom 06.04.2018 / SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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