Diplomatie:Treffen der Außenminister von USA und Frankreich geplatzt

76. Generaldebatte der UN-Vollversammlung

US-Außenminister Antony Blinken. Sein französischer Kollege Jean-Yves Le Drian hatte plötzlich keine Zeit mehr, sich mit ihm an einen Tisch zu setzen.

(Foto: Kena Betancur/dpa)

Die beiden Politiker sollten am Rande der UN-Vollversammlung in New York aufeinandertreffen. Die französische Seite ist irritiert über ein Sicherheitsabkommen, das die USA, Großbritannien und Australien kürzlich abgeschlossen haben.

Wegen des Streits um einen neuen Sicherheitspakt im Indopazifik ist ein Außenministertreffen der USA mit Frankreich, Großbritannien und Deutschland am Rande der UN-Generalversammlung in New York geplatzt. Außenminister Heiko Maas bestätigte am Dienstag auf Nachfrage, dass die französische Seite auf ihre Teilnahme an dem ursprünglich für Mittwoch geplanten sogenannten Quad-Treffen verzichtet habe. Grund sei, "dass es Verstimmung gibt auf der französischen Seite, die ich gut nachvollziehen kann, und dass dort einige Dinge erst wieder geradegerückt werden müssen, bevor man sich in einem solchen Format zusammensetzt". Das Treffen sei aber nicht ganz abgesagt, sondern "nur verschoben".

Aus dem US-Außenministerium hieß es dagegen, Terminschwierigkeiten seien der Grund für die Planänderung. Die Terminpläne seien dynamisch, es müsse sich daher zeigen, ob ein Treffen in diesem Format im Laufe der Woche noch stattfinden werde oder nötig sei, sagte eine ranghohe Mitarbeiterin des Ministeriums am Dienstag. Sie erwarte aber, dass US-Außenminister Antony Blinken und sein französischer Kollege Jean-Yves Le Drian im Laufe der Woche noch die Chance hätten, sich auszutauschen.

Eine neue Allianz soll der militärischen Bedrohung im Indopazifik entgegentreten

Der neue Indopazifik-Pakt "Aukus" hat zu einer tiefen diplomatischen Krise zwischen den USA und Frankreich geführt. US-Präsident Joe Biden, Australiens Regierungschef Scott Morrison und der britische Premierminister Boris Johnson hatten in der vergangenen Woche eine neue Allianz auf den Weg gebracht, die offensichtlich einer militärischen Bedrohung durch China im Indopazifik etwas entgegensetzen soll.

Der Pakt ließ ein milliardenschweres U-Boot-Geschäft Australiens mit Frankreichs platzen, was in Paris zu wütenden Reaktionen geführt hatte. Der französische Präsident Emmanuel Macron ließ die Botschafter aus den USA und Australien vorübergehend abziehen - eine äußerst ungewöhnliche Maßnahme unter Verbündeten.

Auch Maas kritisierte die neue Sicherheitsallianz mit deutlichen Worten. "Was dort entschieden worden ist und die Art und Weise, wie diese Entscheidung zustande gekommen ist, ist irritierend. Und es ist ernüchternd nicht nur für Frankreich", sagte der SPD-Politiker in New York.

© SZ/dpa/kler/hij
Zur SZ-Startseite
Britain's PM Boris Johnson visits British military personnel who worked on Afghan evacuation, in Colchester

U-Boot-Deal
:Johnson gefällt sich als Großstratege

Der Aukus-Deal zwischen Australien, den USA und dem Vereinigten Königreich wird in London als Erfolg zelebriert, doch Frankreich allzu sehr zu reizen, könnte sich irgendwann rächen.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB