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UN-Sicherheitsrat:Ein Diplomat redet Tacheles

Vom starken Auftritt eines leisen Mannes.

Von Nico Fried

Schwer was los unter den Botschaftern befreundeter Staaten. Richard Grenell, formal US-Diplomat, tatsächlich eher persönlicher Sachwalter Donald Trumps in Berlin, lässt seit seinem Amtsantritt keine Gelegenheit aus, den Deutschen zu sagen, was sie zu tun und was zu lassen haben. Auch die französische Botschafterin Anne-Marie Descôtes hat wegen der deutschen Haltung zu Rüstungsexporten gerade erst ungewöhnlich kritische Worte gewählt. Und nun ist sogar Christoph Heusgen der Kragen geplatzt - zumindest für seine Verhältnisse.

Heusgen ist deutscher Botschafter bei den Vereinten Nationen. Viele Jahre war er Angela Merkels Berater, ein leiser Mensch und stilsicherer Diplomat, begabt mit dem seltenen Talent im Stehen schlafen zu können. Dass Heusgen vor laufenden Kameras und mit hörbarem Ärger im Timbre den USA gleich zweimal den Bruch des Völkerrechts vorhalten würde, erschien so unwahrscheinlich wie eine Rückkehr Gibraltars zu Spanien.

Heusgens Auftritt erinnert nun nicht nur daran, dass der Sicherheitsrat mehr sein kann als ein Gremium zur Verlesung öder Statements. Der Diplomat hat auch mal die Dimensionen zurechtgerückt: Bei allem Verständnis für Kritik an mangelnder deutscher Verlässlichkeit, zum Beispiel in der Nato - Rechtsbruch ist immer noch eine andere Kategorie.

© SZ vom 28.03.2019

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