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Umweltproteste:Frieden im Revier

Umweltschutzaktivisten protestieren gegen die Klimapolitik

Gemeinsames Ziel: Manche Umwelt-Aktivisten kündigten an, mit den Kumpel den Dialog zu suchen.

(Foto: Patrick Pleul/dpa)

Ein Großaufgebot von Polizisten war aufgezogen: Klimaaktivisten sollten in der Lausitz auf Kohlekumpel treffen - doch ein Eingreifen war kaum nötig.

Am Ende waren die Kontrahenten so friedlich miteinander, dass es einen fast stutzig machte. Per SMS verabschiedeten sich die Klima-Aktivisten von "Ende Gelände" "nach einem tollen Tag", und die Polizei zeigte sich zufrieden damit, wie glatt ihr Einsatz verlaufen war. Selbst der Bergmann vor dem Gebäude des Tagebaus Jänschwalde war positiv überrascht. Mit zwei Kumpeln hatte er ein Lager der Aktivisten besucht und festgestellt: "Die waren recht aufgeschlossen."

Noch am frühen Samstagmorgen sah die Lage komplett anders aus. Mehrere Tausend Aktivisten und Sympathisanten von "Ende Gelände" hatten angekündigt, den Braunkohleabbau im Revier Lausitz in Brandenburg und Sachsen zu blockieren. Spätestens 2038 soll die Förderung eingestellt werden, doch die Aktivisten dringen auf ein sofortiges Ende. Anders sei der Klimawandel nicht zu bremsen. Im Unterschied zu Nordrhein-Westfalen, wo sich "Ende Gelände" beim Kampf um den Hambacher Forst auf viele Unterstützer verlassen konnte, sind sie in der Lausitz an einer Hand abzuzählen. Die Kumpel, die Gewerkschaft IG BCE und Mitglieder der Gruppe "Pro Lausitzer Braunkohle" hatten sogar ihre Gegen-Aktivisten mobilisiert.

Das Revier ist zudem eine Hochburg der AfD und verschiedener rechtsextremer Bündnisse wie "Zukunft Heimat", die in den sozialen Netzwerken zum Widerstand gegen "Ende Gelände" aufgerufen hatten. Ein Großaufgebot von 2700 Polizisten, zusammengezogen aus mehreren Bundesländern, soll die gegnerischen Parteien auseinanderhalten. Nur, es gab noch dieses Foto, das bereits am Donnerstagabend aufgetaucht war: Neun Polizisten aus Brandenburg posieren vor einer Mauer, die mit rechtsextremer Symbolik und dem Spruch "Stoppt Ende Gelände" bemalt war. Um es vorweg zu nehmen: Die Beamten sind sofort von dem Einsatz abgezogen worden, und die einzigen Rechten, die auffällig werden, sind ein paar einschlägig bekannte Schläger. Sie werden von der Polizei gestoppt. Zu kleineren Rangeleien kommt es nur am Samstagmorgen, als die Polizei versucht, rund 400 Aktivisten aus einer Grube in Jänschwalde herauszuholen. Reizgas, Schlagstöcke, drei Beamte werden leicht verletzt.

Doch so friedlich der Tag ansonsten verläuft, so unvereinbar sind die Positionen. "Wir zeigen symbolischen Widerstand gegen die drohende Gewalt", sagt eine Frau - die einzige unter den vielleicht fünfzig Männern, die sich vor einem Werksgebäude des Tagebaus versammelt haben. Es gibt Kaffee, Würstchen und eine große Feuertonne. "Wir wollen zeigen, dass wir für die Kohle sind." Den Kompromiss, dass der Tagebau 2038 eingestellt werde, den würden sie alle "schweren Herzens" mittragen. Aber keinen Tag früher.

Wenige Kilometer weiter südlich haben etwa 300 Aktivisten eine Bahnstrecke besetzt, einige sind in silber-goldene Thermofolien eingerollt, Kekse werden verteilt. "Wenn du die Klimakatastrophe verinnerlicht hast, ist dir alles andere egal", sagt ein 24-jähriger schmaler Mann aus Luxemburg, der sich nur "Fuchs" nennt. Seinen bürgerlichen Namen habe er vor einem Jahr abgelegt, als er sich entschieden hatte, Klimaaktivist zu werden. Wie viele andere hier auf den Gleisen ist er aber von einer ziemlich freundlichen Radikalität. "Die Kohlekumpel und wir wollen doch eigentlich dasselbe", meint er, nämlich, "dass die Welt nicht untergeht". Er und seine Mitstreiter würden nun versuchen, mit den vermeintlichen Gegnern ins Gespräch zu kommen.

Am Ende dieses Tages vermeldet die Polizei, die Aktivisten hätten sogar ihren ganzen Müll aufgeräumt.