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Umweltminister Altmaier:Altmaier suggeriert Tatendrang

Ebenso beim Thema 3, dem Klimaschutz. Altmaier würde gern, wie viele seiner europäischen Amtskollegen, die EU auf strengere Klimaziele einschwören. Nur das Kohleland Polen sperrt sich. Altmaier würde am liebsten mit dem dortigen Umweltminister Marcin Korolec Chancen für eine combinazione ausloten. Doch ein Treffen am Montag scheiterte, weil Altmaier mit einer Erkältung kämpfte. Ob sich Polen auf Deals einließe, ist ohnehin fraglich. Korolec wirkt ziemlich entschlossen.

Peter Altmaier besucht Windpark Alpha Ventus

Wo immer in Deutschland Energiewende stattfindet, Umweltminister Altmaier war schon da. Hier posiert er am Windpark Alpha Ventus in der Nordsee vor Borkum.

(Foto: dpa)

Was aber tut ein Umweltminister, der nur noch ein Jahr Zeit hat, Dinge umzusetzen, aber faktisch nichts mehr für jene Geschichtsbücher leisten kann, die er so liebt? Genau: Er suggeriert Tatendrang. In gespenstischer Omnipräsenz tingelt Altmaier derzeit durch die Republik. Er klappert Ministerpräsidenten ab, empfängt die Bosse der Stromkonzerne, gibt Interviews, lässt sich überall fotografieren. Wo in Deutschland Energiewende stattfindet, war Altmaier schon da. Binnen kurzer Zeit hat er es so zum Gesicht des Gigawatt-Projekts geschafft. Immer lächelnd.

Es ist ein Geschenk des Schicksals. Als Altmaier Ende Mai zu seiner eigenen Überraschung zum neuen Umweltminister berufen wurde, da landete er in der Energiewende wie ein Astronaut auf einem fernen Planeten. Seit 100 Tagen ist er dort - aber immer noch wirkt es so, als wolle er ihn erkunden. Für einen Umweltminister eine sensationelle Position: Mal ist er mittendrin, mal interessierter Beobachter. Im Zweifel rühren die Probleme ja noch aus der Zeit seines Vorgängers her. Geht Altmaiers Strategie auf, dann wird er in den verbleibenden 400 Tagen im Amt so etwas wie ein gefühlter Troubleshooter der Energiewende. Einer, der erkennbar bis zur Erschöpfung rackert, jederzeit mit jedem jedes Problem erörtern würde - aber de facto nicht allzu viel ändern kann, schon aus politischen Zwängen heraus.

Mission für die nächsten Monate

Montagnacht, von seiner Erkältung hatte er sich offenbar wieder etwas erholt, da griff Altmaier zu seinem elektronischen Lieblingsmedium, dem Kurznachrichtendienst Twitter. "Das Hauptproblem der Energiewende ist, dass jeder sie nur aus dem Blickwinkel seines eigenen Interesses sieht", analysierte Altmaier. Sie werde aber nur gelingen, "wenn die Einzelinteressen zu einem Ganzen verbunden werden". Eine wunderbare Mission für die nächsten Monate. Denn damit kann Altmaier sich auf das konzentrieren, was er am besten kann: auf Menschen zugehen, mit ihnen reden, sie einbinden. Und ganz nebenbei gewinnt er wertvolle Zeit. Wer nämlich die Einzelinteressen zu einem Ganzen verbinden will, läuft nicht Gefahr, Partikularinteressen voreilig nachzugeben. Und im Zweifel läuft es so, wie Altmaier das schon für das Ökostrom-Gesetz vorgeschlagen hat: Erst reden, dann entscheiden - und zwar in der nächsten Legislaturperiode. Was kann daran schon falsch sein?

Für Angela Merkel könnte Altmaier so zu einer Geheimwaffe für den Bundestagswahlkampf 2013 werden. Denn durch seine Offenheit in alle Richtungen macht er sich schwer angreifbar, selbst die Grünen zollen Respekt. Und nach dem schwarz-gelben Ausstieg aus der Atomenergie könnte Altmaier nun sogar die Wähler abholen, die vom früheren Atomkurs der Union nie viel gehalten haben, deshalb die Grünen vorzogen. Nicht mal die Industrie muss klagen: Denn keine Rede vergeht, ohne dass Altmaier deren Stellenwert preist. Nichts Konkretes zwar, aber davon für alle ein bisschen. Auch eine feine combinazione.