bedeckt München 14°
vgwortpixel

Umweltminister als CDU-Spitzenkandidat in NRW:Menschen begeistern ist nicht eine seiner Stärken

Menschen mitnehmen, das ist bisher nicht eine der großen Stärken Röttgens. Analysieren, antichambrieren, kluge Reden halten - das ja. Ob aber der Jurist Röttgen, der gerne den wägenden Intellektuellen gibt, in Wahlkämpfen mitreißen kann, dieser Beweis steht noch aus. Die nächsten acht Wochen entscheiden so auch über seine weitere Karriere - nicht nur mit Blick auf die Frage, ob er danach noch Umweltminister ist, Ministerpräsident oder nur Oppositionsführer. Neider und Feinde hat er ohnehin genug, vor allem in der eigenen Partei.

Gewinnt Röttgen die Wahl, kann das der Union auch den Weg ebnen für eine Koalition mit den Grünen, die erste in einem Flächenstaat. Etwa, wenn es für die Fortsetzung des rot-grünen Bündnisses nicht reicht, wohl aber für eine große Koalition oder eine aus CDU und Grünen. Röttgen ist der zweiten Variante offensichtlich nicht abgeneigt. "Die CDU möchte stärkste Partei werden", sagt er. Dann aber sei durchaus auch ein Bündnis mit den Grünen denkbar - was diese selbst freilich rundweg ablehnen.

Röttgen gehörte zur "Pizza-Connection"

Für Röttgen selbst schlösse sich damit ein Kreis. Mitte der neunziger Jahre, er war gerade erst in den Bundestag eingezogen, zählte er zu einer Gruppe junger Unions-Abgeordneter, die den Kontakt zu den Grünen suchte. Regelmäßig traf sich die "Pizza-Connection" im Weinkeller eines Bonner Italieners. Viele von damals sitzen heute in Schlüsselpositionen. Später half Röttgen mit, die Union für ein Bündnis mit den Grünen zu öffnen, wenngleich erst im zweiten Anlauf. War er 2010 im Streit um die Atomkraft mit seiner Forderung nach moderaten Laufzeitverlängerungen noch unterlegen, verhalf er der eigenen Partei nach Fukushima zu einem atomkritischen Kurs. Das größte Hindernis zwischen Union und Grünen wäre damit ausgeräumt.

Seine Spur als Umweltminister bleibt allerdings bescheiden. Einmal abgesehen vom Atomausstieg hat Norbert Röttgen im Wesentlichen das Erbe seiner Vorgänger Sigmar Gabriel (SPD) und Jürgen Trittin (Grüne) gegen Angriffe aus dem Wirtschaftsflügel der eigenen Partei verteidigt. Und ausgerechnet sein größtes und wichtigstes Unterfangen, der Neustart bei der Suche nach einem Atomendlager, droht jetzt im nordrhein-westfälischen Wahlkampf unterzugehen. Ob er nun Umweltminister bleibt oder nicht.