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Umweltminister als CDU-Spitzenkandidat in NRW:Röttgen stellt sich der wichtigsten Probe

Es ging für ihn immer nur nach oben, auch wenn er dabei so manchen Freund verlor. Nun ist Röttgen nicht mehr nur Bundesumweltminister, sondern auch Spitzenkandidat der Union in Nordrhein-Westfalen. In der CDU gilt er als Gewinner, der auch Kanzlerkandidat werden könnte. Doch ob der Jurist, der gerne den wägenden Intellektuellen gibt, die Wähler mitreißen kann, das muss er jetzt beweisen.

Was äußerer Druck so alles bewirken kann, hat sich Norbert Röttgen erst Anfang der Woche angesehen. Da bequemte sich der Bundesumweltminister ins marode Atomendlager Asse hinab, Anwohner hatten auf diesen Besuch schon länger gewartet. Unten im Salzstock sah Röttgen dann Stahlträger, die dem Druck nachgaben wie Büroklammern. Der Minister war beeindruckt. Er konnte da ja noch nicht ahnen, dass er schon zwei Tage später unter ähnlichen Druck geraten würde.

Bundestag

Umweltminister, Ministerpräsident oder nur Oppositionsführer? In den kommenden Wochen entscheidet sich die politische Zukunft Norbert Röttgens (CDU).

(Foto: dapd)

Seit Mittwoch ist Röttgen, 46, nicht mehr nur Bundesumweltminister, sondern auch Spitzenkandidat der Union in Nordrhein-Westfalen. Was wird, wenn er die Wahl nicht gewinnt, das möchte Röttgen am liebsten offen lassen. Erst stehe nun der Wahlkampf an, sagt er, "dann gucken wir mal, was rauskommt". Schon wächst allerdings der Druck, sich ganz der Sache in Nordrhein-Westfalen zu widmen.

"Er glaubt offensichtlich noch nicht einmal selbst daran, Ministerpräsident zu werden", ätzt SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann. "Er muss sich jetzt zwischen Berlin und Düsseldorf entscheiden." Und auch CSU-Chef Horst Seehofer rät: "voll für NRW." Und zwar ohne Rückfahrkarte. Röttgen hätte gerne das Sowohl-als-auch. Doch es droht nun alles oder nichts.

Ganz neu ist diese Lage für ihn nicht. 2006 stand er ganz knapp davor, Hauptgeschäftsführer des Industrie-Verbands BDI zu werden, doch wollte er nicht dafür auf sein Bundestagsmandat verzichten. Als die Kritik daran lauter wurde, verzichtete Röttgen - auf den Industrieposten. Drei Jahre später belohnte ihn Angela Merkel mit dem Amt des Bundesumweltministers. Aber jetzt?

Parteifreunde in Nordrhein-Westfalen beurteilen die Situation gar nicht so schlecht. "Seit ich ihn kenne, hat Röttgen immer gewonnen", sagt einer, der ihn schon aus Zeiten bei der Jungen Union kennt. "Selbst dann, wenn ihm das niemand zugetraut hat." Mancher erinnert sich noch an die Kampfabstimmung um den Vorsitz in Röttgens Kreisverband Rhein-Sieg, es ist eine halbe Ewigkeit her. Parteifreunde hatten ihm damals mit knapper Mehrheit das Vertrauen entzogen, Röttgen aber kämpfte um die Wiederwahl - und gewann.

Kampfabstimmung ist Röttgens ständiger Begleiter

Die Kampfabstimmung ist seither Röttgens ständiger Begleiter. 2009 kandidiert er um den Vorsitz des CDU-Bezirks Mittelrhein - und gewinnt gegen seinen einstigen WG-Kumpel Andreas Krautscheid. Wenig später ringt er mit seinem Parteifreund Armin Laschet um den Vorsitz der NRW-CDU, per Mitgliederbefragung. Röttgen gewinnt. Kurz darauf zieht er in den Bundesvorstand seiner Partei ein. Unter potentiellen CDU-Kanzlerkandidaten zählt er ganz sicher zu den aussichtsreichsten; auch wenn er auf dem Weg nach oben so manchen Freund verlor.

An diesem Freitag wird man Röttgen in Bornheim erwarten, nicht weit von Bonn, es ist eine Art inoffizieller Wahlkampf-Auftakt. An der Europaschule soll er vormittags eine Anzeigetafel einweihen; Schüler und Lehrer können da künftig nachlesen, wie viel Sonnenstrom vom Schuldach fließt, die Pressemitteilung ist schon fertig. "Die Menschen müssen auf dem Weg hin zu erneuerbaren Energien mitgenommen werden", soll Röttgen demnach sagen. Und wo sonst gehe das besser als an Schulen.