Strafrecht Thomas Fischer, der Rechthaber

Aus dem Talar in die Talkrunde: Thomas Fischer vor einer Urteilsverkündung in Karlsruhe.

(Foto: Ronald Wittek/dpa)

Schräge Pointen über dreibeinige Hunde, verletzende Sprüche über Frauen und Hormone: Thomas Fischer ist der bekannteste deutsche Strafrechtler - und der umstrittenste. Doch hinter seinen Provokationen steckt Idealismus.

Von Wolfgang Janisch, Karlsruhe

Wenn richtig wäre, was so alles über Thomas Fischer geschrieben wird, dann wäre der Hund ein Problem. Man sitzt auf der Terrasse seines Hauses, das Gespräch ist eine halbe Stunde alt - da taucht dieser riesige Hund auf.

Er blickt den Gast an, als hätte er noch nicht entschieden, wie mit ihm zu verfahren sei. Nun sagt man über Hunde, dass sie letztlich nicht besser seien als ihre Herrchen. Und über Fischer, dass er so etwas wie ein Journalistenfresser sei. Der Hund verliert sein Interesse rasch, er ist frisch gebadet und zufrieden. Nur ein Mal bellt er kurz und trocken.

3 Jahre

Seit gut drei Jahren ist Thomas Fischer Vorsitzender des zweiten BGH-Strafsenats. Sein Lebenslauf ist eher ungewöhnlich. Schulabbruch, Arbeit als Kraftfahrer, Rockmusiker, Korrektor und Paketzusteller. Dazwischen holte er das Abitur nach und studierte ein paar Semester Germanistik. Als er in Würzburg das Jurastudium begann, war er 27. Der Weg zum schreibenden Richter-Promi war nicht unbedingt vorherzusehen. Oder doch? Als Germanistik-Student wollte er in den 70er Jahren eigentlich Schriftsteller werden. Und als Rockmusiker? Natürlich ein Star. Wolfgang Janisch

Thomas Fischer ist ein freundlicher Mensch. Als der Besucher bei der Ankunft noch unentschieden zögert, ob er die richtige Adresse gefunden hat, eilt Fischer in Bermudashorts aus einem großzügig verglasten Pavillon und winkt ihn herbei.

Es ist sein Arbeitshaus, rechtwinklig daneben steht das Wohnhaus. Egon Eiermann, modernes Bauen der 60er-Jahre - es war einst das Wohnhaus des Architekten. Alles ist denkmalgeschützt hier, die geländerlose Treppe, die japanisch inspirierten Trittsteine im Garten, die großflächigen Schiebetüren. Die Terrasse wahrscheinlich auch, von der man auf Baden-Baden schaut. Fischer bittet, Platz zu nehmen. "Möchten Sie Kuchen? Ich habe Kuchen gekauft."

Fischers freundlichen Seite ist wenig bekannt

Thomas Fischer, Strafsenatsvorsitzender beim Bundesgerichtshof, Zeit-Online-Kolumnist, Strafgesetzbuch-Kommentator, ist inzwischen prominent geworden. Er ist "Deutschlands bekanntester Strafrichter", wirbt sein Verlag und übertreibt damit nur wenig. Die freundliche Seite Fischers hingegen ist weniger bekannt.

Es lässt sich kaum aufzählen, mit wem er in Konflikt geraten ist. Den Ex-Minister Norbert Blüm ist er wegen dessen einfältiger Justizkritik angegangen; ziemlich zu Recht übrigens, nur hätte er ihn vielleicht nicht "klein, kurzatmig, halssteif" nennen sollen.

Mit der FAZ liefert er sich seit einem halben Jahr ein Scharmützel (oder die FAZ mit ihm): Fischer hatte einen Kommentar eines Mitherausgebers aufs Korn genommen; seither sind ihm aus Frankfurt drei Porträts gewidmet worden - Egomane, Netzbeschmutzer, Rambo. Und Fischer kontert: "Welch bebende Wut muss da Platz gegriffen haben, und woher mag sie rühren?"