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Umstrittene Pläne im Balkangebirge:Schnelles Geld auf der Piste

Serbiens Staatspräsident Boris Tadic Reuters

Serbiens Staatspräsident Boris Tadic: Die neue pro-westliche Regierung ist entschlossen, das Balkangebirge wiederzubeleben - zu Lasten der Umwelt.

(Foto: Foto: Reuters)

Umweltaktivisten glauben, das Resort im Balkangebirge werde das Wasser im Zavojreservoir ganz ähnlich gefährden. Dieses wird bereits durch Motorboote und Abwässer aus illegal errichteten Ferienhäusern belastet.

EU weist Bulgarien in die Schranken

Bulgarien, eines der jüngsten Mitglieder der EU, gilt weithin als idealer Ort für Investitionen in den Tourismus. Im ganzen Land findet man neue Baustellen, von den Bergen bis zum Schwarzen Meer. Aber viele dieser Skipisten und Hotels sind ohne Genehmigung errichtet worden und haben so auch den von der Unesco als Weltkulturerbe anerkannten Nationalpark im Pirin-Gebirge in Mitleidenschaft gezogen.

"Natura 2000", das Umweltschutzprogramm der Europäischen Kommission, schreibt vor, den Lebensraum seltener Arten streng zu schützen. Doch Bulgarien zierte sich bisher, diese Vorgabe zu befolgen. So schlossen die Behörden beispielsweise einen Landstrich um den Rila-Nationalpark vom Geltungsbereich des "Natura 2000"-Programms aus, um so den Fortgang mehrerer Bauprojekte zu ermöglichen. Im Juni 2008 verwarnte die Europäische Kommission Bulgarien, weil es die Vogel-Richtlinie verletzt hatte. Diese verpflichtet die Mitgliedsstaaten, für wilde Vogelarten gesonderte Schutzgebiete einzurichten.

Die bulgarische Seite des Balkangebirges ist ebenso verlassen wie die serbische und ist ebenfalls Ziel von Bauunternehmen. Die kleine, an den Berghängen gelegene Gemeinde Berkovica sieht ihre Rettung in Skiresorts. Vom Fenster seines nüchtern eingerichteten Büros weist der stellvertretende Bürgermeister Ivan Ivanov hoffnungsvoll auf den Gipfel des Berges Kom, seine Trumpfkarte im Spiel um die Wintertourismusprojekte.

Doch Bulgariens Beitritt zur EU hat die Angelegenheit kompliziert. "Natura 2000 hat uns die Hände gebunden", beschwert sich Ivanov. "Wir hätten letztes Jahr mit den Bauarbeiten anfangen sollen, aber alles ist zum Erliegen gekommen."

"Ein Teil des Gebietes ist wegen der Bären geschützt, aber wir haben hier seit Jahrzehnten keine Bären gesehen. Ein anderes Gebiet steht wegen seltener Vögel unter Schutz. Den Bauern ist es verboten, Landwirtschaftsmaschinen einzusetzen, da diese die Vögel stören könnten. Doch viele Vögel sterben durch Stromschläge an den Überlandleitungen!"

Petar Pencev, der Vorsitzende des Verbandes bulgarischer Umweltschutzorganisationen, sagt, die Gemeinden benähmen sich wie feudale Herzogtümer und verführen mit dem Gemeindeland, wie es ihnen beliebt. "Sie erlauben Investoren, in Landschaftsschutzgebieten und Nationalparks zu bauen und korrupte Beamte ignorieren das wissentlich."

Und wenn kein Schnee mehr fällt...

Der österreichische Alpenverein mit Sitz in Innsbruck hat sich seit seiner Gründung im Jahr 1862 die Bewahrung einer ursprünglichen Umwelt zum Ziel gesetzt. "Die Politiker mögen uns nicht, weil sie glauben, wir seien gegen jede Art von Bauvorhaben", sagt das Vereinsmitglied Peter Hasslacher. "Tatsächlich befürworten wir Entwicklungsprojekte, aber nicht auf Kosten der Natur."

Stolz verweist er auf Millionen Euro an Zuschüssen des österreichischen Umweltministeriums und der EU, um den örtlichen Tourismus, das Bergsteigen, Trekking und die Landwirtschaft zu fördern. "Warum sollte man in den Skitourismus investieren, wenn jedes Jahr weniger Schnee fällt?" fragt Hasslacher.

Die Belastung der Alpen ist aber nicht verschwunden. Der zunehmende Schneemangel führt dazu, dass Investoren verstärkt Druck auf Tirol ausüben, um Genehmigungen zum Bau von Hotels in größerer Höhe und auf Gletschern zu erhalten, die durch österreichische und europäische Bestimmungen geschützt sind.

Die Umweltschützer schlagen deshalb auch in Brüssel Alarm, wenn sie glauben, dass sich die lokalen Politiker nicht an die Regeln halten. Michael Reischer von der Tiroler Regierung sagt, dass immer erst ein Expertengutachten einer angesehenen unabhängigen Institution eingeholt werde, bevor ein Infrastrukturprojekt genehmigt wird. Die Regierung, so Reischer, sei zudem bemüht, die Auswirkungen solcher Projekte auf die Natur auszugleichen. "Wenn die Natur gefährdet wird, verpflichten wir den Investor, ein Projekt zu unterstützen, das der Natur an einem anderen Ort zu Gute kommt, um so eine Balance zu erreichen."

Druck auf Belgrad ist gefragt

Während die Natur im Balkangebirge durch ehrgeizige Pläne, die in klarem Widerspruch zu besehenden Gesetzen stehen, gefährdet wird, droht die EU in Bulgarien damit, bereits vorgesehene Fördermittel zurückzuhalten. Brüssel erzielt damit durchaus Erfolge. Die einzige Chance für das Balkangebirge ist deshalb europäischer Druck auch auf das neue pro-europäische Serbien. Wenn die EU wartet, bis das Land eines Tages selbst Mitglied der Gemeinschaft wird, dann könnte es für das Balkangebirge schon zu spät sein.