BrandenburgSelbstgebastelte Flugkörper an Umspannwerk gefunden

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Turnow-Preilack: Polizeieinsatzkräfte sperren die Straße zum Umspannwerk unweit des Kraftwerks Jänschwalde ab.
Turnow-Preilack: Polizeieinsatzkräfte sperren die Straße zum Umspannwerk unweit des Kraftwerks Jänschwalde ab.
Frank Hammerschmidt/dpa

An einem Stromkraftwerk nahe der polnischen Grenze werden Sprengvorrichtungen entdeckt. Der Betreiber spricht von einem versuchten Anschlag, die Stromversorgung sei aber nicht gefährdet.

Von Meredith Haaf, Tobias Bug und Leon Wenz

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An einem Umspannwerk in Südbrandenburg unweit des Kraftwerks Jänschwalde sind selbstgebaute Sprengvorrichtungen gefunden worden. „Nach bisherigen Erkenntnissen erfolgte die versuchte Sachbeschädigung durch selbst gebaute Flugkörper, die handelsüblichen Silvesterraketen ähneln“, teilte der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz mit. „Vor Ort wurden weitere noch nicht gestartete Flugkörper gefunden.“

Entschärfer der Polizei waren laut den Behörden am Umspannwerk. Die Polizei sprach von kleinen, selbst gebastelten Sprengvorrichtungen. Ob es sich um einen mutmaßlichen Anschlag handelte und welches Motiv der oder die Täter hatten, war zunächst unklar. Die allgemeine Stromversorgung war nach Angaben des Netzbetreibers zu keiner Zeit beeinträchtigt, Menschen kamen nicht zu Schaden.

Sicherheitsbehörden des Bundes bestätigen den Fall der Süddeutschen Zeitung. Laut einer Sprecherin des brandenburgischen Wirtschaftsministeriums kam es zu Sachbeschädigung an mehreren Leitungen im Übertragungsnetz. Das Landeskriminalamt hat die Ermittlungen übernommen.

Betreiber spricht von einem Anschlag auf Umspannwerk

Die Kraftwerksbetreiberin Leag spricht derweil von einem Anschlag auf das Umspannwerk Turnow-Preilack, über das der im Braunkohlekraftwerk Jänschwalde erzeugte Strom in das Übertragungsnetz des Unternehmens 50Hertz eingespeist wird. In der Folge sei es zu einem technischen Ausfall von Block B des Kraftwerks gekommen, teilte ein Sprecher von Leag mit. Ob zwischen dem mutmaßlichen Anschlag und dem Ausfall ein Zusammenhang besteht, werde geprüft.

Im Umspannwerk Preilack im Landkreis Spree-Neiße nördlich von Cottbus wird der Strom, der im Kraftwerk Jänschwalde erzeugt wird, überregional und regional verteilt. Nach Angaben der Stromversorgerin Leag wurde das Kraftwerk Jänschwalde in den Jahren 1976 bis 1989 als letzter Kraftwerksneubau der DDR errichtet.

Der Netzbetreiber 50Hertz bestätigte auf Anfrage, dass es zu einem „Versuch der Sachbeschädigung“ gekommen sei. Brandenburgs Innenminister Jan Redmann sagte der dpa, Einsatzkräfte hätten eine zweistellige Zahl an Vorrichtungen für raketenartige Geschosse gefunden. Nur in zwei Fällen sei es dem oder den Tätern gelungen, die Leitungen zu beschädigen.

Die Polizei Brandenburg wollte sich „aus ermittlungstaktischen Gründen“ auf Anfrage nicht zu weiteren Einzelheiten über die Art der Schäden oder den Stand der Ermittlungen äußern. Sie sucht derzeit nach Zeugen.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke sprach von einem „Anschlagsversuch“ und verurteilte die Tat. „Die besorgniserregend hohe Frequenz derartiger Vorfälle zeigt, dass wir unsere Infrastrukturen entschlossen schützen müssen“, erklärte der SPD-Politiker. Die Einsatzkräfte vor Ort sowie die Beschäftigten von Umspannwerk und Kraftwerk hätten durch rasches und besonnenes Handeln Schlimmeres verhindert. Bei dem Vorfall seien keine Menschen zu Schaden gekommen.

Mehrere Anschläge im Großraum Berlin

In der Region ist es in den letzten Jahren immer wieder zu Brandanschlägen auf das Stromnetz gekommen. Im Januar hatten mutmaßlich linksextreme Täter Starkstromleitungen nahe einem Kraftwerk im Südwesten Berlins angezündet und kurzgeschlossen. Etwa 45 000 Haushalte waren tagelang ohne Strom, ebenso Krankenhäuser, Pflegeheime, Firmen und Läden. Zu dem Brandanschlag bekannten sich die linksextremistischen sogenannten „Vulkangruppen“, die als Motivation den Kampf gegen den Kapitalismus angaben.

Im März 2024 hatte eine Gruppe Feuer an einen großen Strommast gelegt, der auch für die Versorgung der Tesla-Fabrik in Grünheide bei Berlin nötig war. Die Produktion wurde durch die Sabotage tagelang gestoppt.

Mit Material der Nachrichtenagentur dpa.

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