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UMP-Politiker Alain Juppé:Lange Karriere, große Ambitionen

Frankreich Alain Juppé

Muss sich von jetzt an als gemäßigter Vernunftpolitiker profilieren, als bürgerlicher Anti-Sarkozy: Alain Juppé.

(Foto: AFP)

Alain Juppé hatte in Paris schon so ziemlich jeden politischen Posten inne, nur Präsident war er noch nicht. 2017 soll sich das ändern, doch dafür muss Juppé sich gegen seinen gefährlichsten Widersacher durchsetzen - Parteifreund Nicolas Sarkozy.

Von Christian Wernicke

Dass Alain Juppé seit jeher davon träumt, als Hausherr in den Élysée-Palast einzuziehen - das weiß jeder Franzose. Seit Jahr und Tag unterstellen Freund wie Feind dem inzwischen 69-jährigen Konservativen mit dem asketisch anmutenden Kahlschädel, er wolle hinauf ins höchste Amt der Republik. Nun aber, da er dieses Ziel endlich offen ausgesprochen hat - "Ich habe mich entschlossen, Kandidat zu sein" -, ist ihm doch eine Überraschung geglückt. Die Pariser Salons staunen, Juppés Konkurrenten müssen nachziehen.

Selbstverständlich präsentiert sich Juppé, dieser bürgerlich-liberale Machtpolitiker und Technokrat, bei seiner Ankündigung per Blog zunächst als Alternative zur regierenden Linken. Präsident François Hollande und seine Sozialisten, so wettert der einstige Premierminister, hätten die Nation ins Elend geführt.

Dann jedoch, da er "alle Kräfte der Rechten und der Mitte" aufruft, sich um ihn als Präsidentschaftskandidaten zu scharen, nimmt Juppé seinen wahren und wohl gefährlichsten Widersacher ins Visier - den im eigenen Lager: Nicolas Sarkozy, Ex-Präsident und einst Juppés Dienstherr, der sich berufen fühlt, als Retter der Nation demnächst selbst in die Politik zurückzukehren.

Vielen gilt Juppé längst als "Mann des Systems"

Juppé muss sich von jetzt an als gemäßigter Vernunftpolitiker profilieren, als bürgerlicher Anti-Sarkozy. Nur so kann er die Vorwahl gewinnen, in der Frankreichs konservative Oppositionspartei UMP 2016 ihren Kandidaten für die Präsidentschaftswahl 2017 küren will.

Juppé weiß, dass das UMP-Parteivolk den zehn Jahre jüngeren Sarkozy noch immer verehrt. Dem Populisten trauen sie eher zu, den bedrohlichen Aufstieg des Front National und die Machtergreifung seiner Chefin Marine Le Pen zu verhindern. Juppé hingegen, seit 35 Jahren Berufspolitiker mit Erfahrung auf beinahe jedem Pariser Posten, genießt zwar Respekt. Aber vielen gilt der überzeugte Europäer längst als "Mann des Systems".

Der demokratische Aristokrat

Juppés Werdegang gibt solch ein Urteil durchaus her. Musterschüler, Absolvent der Elite-Hochschule ENA, Finanzinspektor. Mitte der Siebzigerjahre wird der Gaullist ein getreuer Gefolgsmann des späteren Präsidenten Jacques Chirac. Als dessen Schattenmann ist Juppé in Paris in einen Skandal um Korruption und illegale Parteifinanzen verwickelt, der ihm 2004 eine Bewährungsstrafe einträgt und ihn um sein Amt als Bürgermeister von Bordeaux bringt. Aber er kommt zurück, läutert sich - und preist sich nun als Innovator: Frankreichs starrem Erziehungswesen etwa will er eine "Kulturrevolution" verordnen.

Vor allem aber will Juppé die Konfrontation zwischen links und rechts aufbrechen, an der die Pariser Politik seit Jahrzehnten krankt. Die Nation aus ihrer Mitte heraus zu regieren, das wäre in der Tat eine Erneuerung. Umfragen verheißen ihm, dass er 2017 Stimmen bis hinein in die Reihen enttäuschter Linkswähler mobilisieren könnte. Juppé, der demokratische Aristokrat, wäre mit dann 72 Jahren am Ziel seiner Träume.

© SZ vom 21.08.2014/sks
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