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Umfrage:ARD-Deutschlandtrend: Mehrheit lehnt Flüchtlings-Deal mit Türkei ab

  • Laut ARD-Deutschlandtrend halten 56 Prozent der befragten Bundesbürger das Abkommen eher für schlecht.
  • Würde am Sonntag der Bundestag gewählt, wäre die rechtspopulistische Partei AfD mit 14 Prozent drittstärkste Kraft.
  • Die SPD sackt auf 21 Prozent ab - der niedrigste Wert, der bisher für die Partei gemessen wurde.

Die Mehrheit der Deutschen lehnt das Flüchtlingsabkommen der Europäischen Union mit der Türkei einer Umfrage zufolge ab. Dem am Donnerstag veröffentlichten ARD-Deutschlandtrend zufolge halten 56 Prozent der befragten Bundesbürger das Abkommen eher für schlecht. Nur 39 Prozent bewerten den Flüchtlingspakt eher gut. Im März waren die Deutschen bei der Bewertung der damals noch geplanten Vereinbarung gespalten: 46 Prozent sagten vergangenen Monat, sie fänden ein solches Abkommen eher gut, 49 Prozent fanden es eher schlecht.

Die befragten Deutschen zeigten sich eher skeptisch, dass die Flüchtlingszahlen durch das Abkommen tatsächlich sinken. Während 40 Prozent weniger Flüchtlinge erwarten, gehen 41 Prozent von einer gleichbleibenden Zahl aus. Für 14 Prozent der Befragten dürfte der Pakt sogar zu steigenden Flüchtlingszahlen führen.

Im Rahmen des Abkommens hatte die EU der Regierung in Ankara auch zugesagt, die Verhandlungen über eine EU-Mitgliedschaft der Türkei zu beschleunigen. Im Deutschlandtrend sprach sich eine deutliche Mehrheit (68 Prozent) gegen einen türkischen EU-Beitritt aus; 27 Prozent finden, die EU sollte die Türkei mittel- bis langfristig aufnehmen. Den Angaben zufolge waren 79 Prozent der Meinung, dass Ankara kein vertrauenswürdiger Partner für Deutschland sei. Für die Erhebung befragte Infratest dimap im Auftrag der ARD-"Tagesthemen" 1005 Bundesbürger.

AfD auf Rekordhoch, SPD im Rekordtief

Die AfD befindet sich weiter im Umfragehoch. Würde am Sonntag der Bundestag gewählt, wäre die rechtspopulistische Partei dem Deutschlandtrend zufolge mit 14 Prozent drittstärkste Kraft. Das ist ein Plus von drei Prozentpunkten im Vergleich zum Vormonat und der höchste Wert, der für die AfD je in der Sonntagsfrage gemessen wurde.

Die Volksparteien büßen dagegen an Zustimmung ein. Die Union kommt der Umfrage zufolge auf 34 Prozent (minus zwei). Die SPD sackt auf 21 Prozent ab - ein Minus von zwei Prozentpunkten und der niedrigste Wert, der bisher für die Partei gemessen wurde. Für die Grünen würden 13 Prozent (plus drei) der Befragten stimmen, für die Linke sieben Prozent (minus zwei). Die FDP wäre mit ebenfalls sieben Prozent (plus eins) sicher im Bundestag.

Kanzlerin Merkel kann ihren Wert verbessern

Auch SPD-Parteichef Sigmar Gabriel verliert weiter an Zustimmung und erreicht den niedrigsten Wert in der aktuellen Legislaturperiode. In der Umfrage zeigten sich nur 39 Prozent der Befragten (minus fünf) mit seiner Arbeit zufrieden. Die Liste der beliebtesten Politiker führt Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) mit 74 Prozent Zustimmung an, gefolgt von Bundespräsident Joachim Gauck mit 73 Prozent.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) konnte ihren Zustimmungswert um zwei Prozentpunkte auf 56 Prozent verbessern. Mit der Arbeit des CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer zeigten sich unverändert 38 Prozent zufrieden.

© SZ.de/AFP/dayk

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