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Umbau der Parteispitze:Lötzschs Rücktritt setzt Linke-Chef Ernst unter Druck

Gesine Lötzsch tritt als Linke-Chefin ab, weil sie sich um ihren Mann kümmern möchte, der seit Ende März im Krankenhaus liegt. Auf ihren glücklosen Co-Vorsitzenden Klaus Ernst wächst der Druck, seine politische Zukunft zu klären. Rivale Dietmar Bartsch erklärt im Gespräch mit der SZ, der Parteitag "muss für die Linke einen Neuanfang bringen".

Gesine Lötzsch hat ihren Rücktritt als Vorsitzende der Linkspartei erläutert. Ihr Ehemann sei "altersbedingt erkrankt" und musste am 31. März in die Notaufnahme eines Berliner Krankenhauses eingeliefert werden. Weitere Einzelheiten wollte die Politikerin, die ihr Spitzenamt mit Rücksicht auf den 80-jährigen Sprachwissenschaftler niedergelegt hat, vor Journalisten nicht nennen.

Lötzsch hat nach eigenen Angaben wegen der Erkrankung ihres Mannes bereits in der vergangenen Woche mehrere Wahlkampftermine in Schleswig-Holstein abgesagt. Sie machte klar, dass eine eingeschränkte Tätigkeit als Parteivorsitzende für sie nicht in Frage komme: "Ich habe nicht vor, halbe Sachen zu machen." Lötzsch hat den geschäftsführenden Vorstand über ihren Schritt informiert.

Ihr Co-Vorsitzender Klaus Ernst übernimmt bis zum Parteitag am 2. und 3. Juni in Göttingen die Geschäfte. Dann soll ein neuer Vorstand gewählt werden. Ernst, der ebenso wie Lötzsch als umstritten gilt, bedauerte den Rückzug seiner Parteifreundin. "Wir haben in einer schwierigen Zeit vertrauensvoll und mit gegenseitigem Respekt zusammen gearbeitet. Dafür danke ich ihr", erklärte Ernst. "Ich wünsche ihr und ihrer Familie Kraft und Gesundheit für die kommende Zeit."

Mit dem Rücktritt von Lötzsch wächst auch der Druck auf Ernst. "Es wäre sehr wünschenswert, wenn sich Klaus Ernst baldmöglichst erklärt, ob er sich zur Wiederwahl als Parteichef stellt", sagte die kommissarische Sprecherin des bayerischen Landesvorstands, Anny Heike, der Nachrichtenagentur dapd. Ernst hatte bislang offen gelassen, ob er sich beim Parteitag im Juni der Wiederwahl stellt. "Der Druck auf Klaus Ernst ist jetzt mit Sicherheit größer geworden."

Bartsch: Göttingen muss ein Neuanfang sein

Gegen Ernst will Bundestagsfraktionsvize Dietmar Bartsch antreten. Der langjährige Bundesgeschäftsführer hatte schon Ende November gesagt, dass er kandidieren würde. Nach Lötzschs Rückzug hielt sich Bartsch bedeckt und verwies auf den kommenden Parteitag: "Göttingen muss für die Linke einen Neuanfang bringen", sagte er zu Süddeutsche.de. Bartsch zeigte sich zuversichtlich, dass seine Partei mit einer neuen Führung auch Wahlkämpfe bestreiten wird: "Wir werden, mit Blick auf die Bundestagswahl 2013, eine tragfähige personelle Aufstellung finden."

Offen bleibt nach wie vor, ob Ex-Parteichef Oskar Lafontaine erneut für den Vorsitz kandidiert. Der Thüringer Linkenfraktionschef Bodo Ramelow erklärte im Gespräch mit der SZ, er halte es für wünschenswert, wenn Lafontaine aus dem Saarland auf die bundespolitische Bühne zurückkehrt. "Wenn er das auch will, wäre es töricht, wenn wir das nicht annehmen würden", sagte Ramelow.