Ukraines Premier Jazenjuk Kampf gegen die Oligarchen

Derzeit hegen viele Beobachter in Kiew Befürchtungen, dass sich der Oligarch für seine Teil-Entmachtung und vielleicht auch Demütigung rächen könnte. Ist das gerechtfertigt?

Ich denke, er wird vorsichtig und rational handeln.

Das Asow-Bataillon, das von ihm co-finanziert wird, soll aber derzeit im Süden des Kampfgebietes bei Mariupol bisweilen die Gegenseite provozieren und damit den Waffenstillstand unterlaufen.

Nein. Damit hat er nichts zu tun.

Ihre Regierung hat den Kampf gegen das Oligarchentum ausgerufen. Aber Sie brauchen diese Leute, ihr Geld, ihre Investitionen doch auch.

Ja, aber nicht an der Macht. Was bedeutet denn Oligarch: es bedeutet nicht "Wirtschaftsboss", sondern "Wirtschaftsboss, der in der Regierung repräsentiert ist".

Und Sie wollen, dass sie nur noch Geschäfte machen, aber keine Politik mehr?

Genau.

Das ist unrealistisch. Nehmen wir den Fall des Oligarchen Dmitro Firtasch. Derzeit sitzt er in Wien fest und wartet wegen eines Strafverfahrens in den USA auf seine Auslieferung, die er unbedingt verhindern will. Derweil finanziert er eine "Modernisierungsagentur für die Ukraine" mit Unterstützung westlicher Politiker, die man getrost auch als PR-Maschine für Firtasch bezeichnen kann. Tut er das mit Ihrer Billigung?

Das FBI ermittelt gegen ihn. Er ist ein enger Alliierter des früheren Stabschefs von Ex-Präsident Viktor Janukowisch, er ist Mitbesitzer eines der größten ukrainischen Fernsehsender. Seit dem vergangenen Jahr wird wegen der Vermögenswerte ermittelt, die Alliierte des früheren Präsidenten angehäuft haben - darunter fallen auch Herr Firtschasch und sein Partner, Ex-Stabschef Lowotschkin. Diese Ermittlungen laufen.

Gleichwohl mischt dieser Oligarch heftig in der ukrainischen Innenpolitik mit und ist noch immer Chef des Arbeitgeberverbandes.

Wer das Gesetz bricht, muss dafür zur Verantwortung gezogen werden.

Ukraine-Konflikt Angst vor der Rache des Oligarchen
Machtkampf in der Ukraine

Angst vor der Rache des Oligarchen

Es könnte der erste Höhepunkt in einem gefährlichen Machtkampf sein: Der Gouverneur von Dnjepopetrowsk, Ihor Kolomojskij, ist zurückgetreten. Bisher hatte der als brutal geltende Geschäftsmann den Südosten der Ukraine beherrscht.   Von Cathrin Kahlweit

Die Grywna ist verfallen, das Bruttosozialprodukt ist abgesackt, die Exportquote auch. Der IWF hat nun erneut einen hohen Kredit ausgereicht, EU-Staaten wie Deutschland geben Wiederaufbauhilfe, demnächst steht eine Geber-Konferenz an. Wieviele Milliarden braucht die Ukraine denn kurz- und mittelfristig?

Wir haben 17,5 Milliarden vom IWF bekommen, und 15 Milliarden für Umschuldungen. Wir brauchen mehr.

George Soros verspricht, 50 Milliarden an Investitionen zu organisieren. Wie konkret ist das?

Wir sollten die Hoffnungen nicht all zu sehr auf eine Geberkonferenz fokussieren. Wir erwarten nicht, mehr zu bekommen als das, was der Währungsfonds errechnet hat. Die geschätzte Lücke liegt bei 40 Milliarden, obwohl wir wissen, dass das nicht reichen wird. Aber 40 Milliarden - das ist eine große Hilfe und eine große Geste.