Ukraines Premier Jazenjuk "Das richtige Image liefern"

Fühlen Sie sich falsch behandelt von Ihren Partnern im Westen? Die Unzufriedenheit mit der Umsetzung der Reformen wächst in der EU, viel Rhetorik bei zu wenig Ergebnissen, heißt es.

Ja, es gibt Druck. Und der hängt von der Wahrnehmung ab. Es geht hier weniger um Fakten. Wir tun alles, was wir können, und wir versuchen auch, obendrein das richtige Image dazuzuliefern - damit niemand eine Ausrede hat.

Das richtige Image liefern - das klingt zynisch.

Damit meine ich: die Wahrheit sagen. Das ist unsere einzige Möglichkeit. Wir müssen in jede EU-Hauptstadt gehen und zeigen: Wir lügen nicht.

Gehört es zu dieser Reform- plus Image-Kampagne , dass hohe Beamte vor laufenden Kameras mitten in Kabinettssitzungen wegen Korruptionsvorwürfen verhaftet werden? Ist das eine Machtdemonstration?

Wir waren nicht die ersten, die so etwas gemacht haben. Auch in Rumänien oder Georgien wurde schon so eine öffentliche Geste gesetzt. Und ja, es ist das Signal, dass wir sehr entschieden sind, Korruption zu bekämpfen.

Die in der Ukraine immer noch endemisch und alltäglich ist. Sollen öffentliche Verhaftungen Angst verbreiten?

Wir setzen darauf, dass sich das rumspricht. Heute hat jeder Angst, heute weiß jeder: Früher wurden nur kleine Ganoven verhaftet, heute kann es auch einen korrupten Minister und seinen Stellvertreter treffen. Das ist keine Show mit Einmaleffekt.

Wer sind die Gegner im Inneren?

Ich habe viele "Freunde".... Der Mittelbau in der Verwaltung, Staatskonzerne, korrupte Staatsanwälte, korrupte Richter, die frühere politische Elite - und die neue politische Elite, die sich nur neu nennt, aber schon vorher die Strippen zog. Alle die sind unsere Gegner.

War der jüngste Kampf gegen den Einfluss, den etwa der Oligarch und Ex-Gouverneur Ihor Kolomojskij in Staatskonzernen hatte, eine solche Machtdemonstration gegen einen Feind - oder doch gegen einen Partner?

Wir wollten und mussten die Kontrolle über Staatsunternehmen in der Energiebranche zurückgewinnen; nach einem längeren Ringen hat auch das Parlament dieses Gesetz unterstützt. Was Kokomosjkij angeht: Ich würde sagen, es war der richtige Zeitpunkt für Herrn Kolomosjkij, zurückzutreten.

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Wie konnte die Revolution auf dem Maidan binnen weniger Monate in einen Krieg münden? Zwei Bücher begeben sich auf eine historische Spurensuche in der Ukraine.   Von Renate Nimtz-Köster

Das heißt?

Er hat seinen Job gemacht.

Was war sein Job?

Russische Terroristen daran zu hindern, Dnjepropetrowsk zu erobern.