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Timoschenko in Haft:Merkel soll Boykott der Fußball-EM erwägen

Bundeskanzlerin Angela Merkel erwägt einem Magazinbericht zufolge tatsächlich einen politischen Boykott der Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine. Sei die im Gefängnis erkrankte Oppositionsführerin Julia Timoschenko bis dahin nicht freigelassen worden, wolle Merkel ihren Ministern empfehlen, den Spielen fernzubleiben, berichtete der Spiegel. Allenfalls für Innenminister Hans-Peter Friedrich in seiner Funktion als Sportminister könnte in einem solchen Fall eine Ausnahme gelten.

CDU-Landtagswahlkampf in Schleswig-Holstein

Merkel im CDU-Landtagswahlkampf in Schleswig-Holstein am Donnerstag vergangener Woche: Empfehlung an die Minister?

(Foto: dapd)

Wie das Magazin unter Berufung auf nicht näher genannte Regierungskreise weiter berichtete, sagte nicht nur Bundespräsident Gauck ein Treffen zentraleuropäischer Staatschefs Mitte Mai im ukrainischen Jalta ab. Auch die Präsidenten Österreichs und Sloweniens, Heinz Fischer und Danilo Türk, hätten ihrem ukrainischen Kollegen Viktor Janukowitsch eine Absage erteilt. Keine Entscheidung trafen demnach bislang die Staatschefs Estlands und Lettlands, Toomas Hendrik Ilves und Andris Berzins.

Medwedjew nennt Haft Timoschenkos "völlig inakzeptabel"

Als "völlig inakzeptabel" hat der russische Präsident Dmitri Medwedjew die Inhaftierung Timoschenkos bei einem Treffen mit Menschenrechtlern in Moskau bezeichnet. Harte Bandagen seien in der politischen Auseinandersetzung normal, aber das rechtfertige nicht die Inhaftierung direkter Rivalen nach einem politischen Prozess, wurde der Kremlchef von der Agentur Interfax zitiert. Russland hatte bereits zuvor massiv Kritik am Timoschenko-Prozess geäußert. Moskau sieht den Fall der 51-Jährigen auch als Druckmittel der Führung in Kiew, neue Gasverträge mit günstigeren Preisen auszuhandeln.

Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß hat zudem die deutschen Fußball-Nationalspieler aufgerufen, sich kritisch zur Menschenrechtssituation in der Ukraine zu äußern. "Sie würden damit Größe zeigen", sagte Hoeneß dem Spiegel. Er traue den Spielern zu, "dass sie klug genug sind, sich eine Meinung zu bilden. Ich hätte Respekt vor jedem Spieler, der öffentlich Stellung zu diesem Thema bezieht."

Genau wie die Spieler sollten auch die Verantwortlichen des Deutschen Fußball-Bundes DFB ihre Solidarität mit Regimekritikern im Gastgeberland der EM öffentlich bekunden, wünschte sich Hoeneß: "Sie sollten bei jeder geeigneten Gelegenheit öffentlich darauf hinweisen, dass die Haftbedingungen von Frau Timoschenko nicht akzeptabel sind." Den Präsidenten des Europäischen Fußballverbandes Uefa, Michel Platini, forderte Hoeneß auf, sich mit deutlichen Worten gegenüber dem autoritären Regime in der Ukraine zu positionieren. "Ich hoffe sehr, dass Michel Platini an den richtigen Stellen deutlich seine Meinung äußert", sagte Hoeneß.

Box-Weltmeister Witali Klitschko einen Boykott der EM in seinem Heimatland jedoch abgelehnt. "Dieses Turnier ist das größte Sportereignis in der Geschichte der Ukraine. Es muss stattfinden. Im Gegenteil, es ist sogar eine hervorragende Gelegenheit, die Aufmerksamkeit der Welt auf die Missstände in unserem Land zu lenken", sagte der 40-Jährige Spiegel-Online.