Angriff auf Sankt PetersburgDer Krieg kommt Russland bedrohlich nahe

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Die Ukraine hat die russische Millionenmetropole Sankt Petersburg zweimal innerhalb von vier Tagen mit Drohnen angegriffen – am 3. Juni (unser Foto) und am 6. Juni.
Die Ukraine hat die russische Millionenmetropole Sankt Petersburg zweimal innerhalb von vier Tagen mit Drohnen angegriffen – am 3. Juni (unser Foto) und am 6. Juni. Ulf Mauder/dpa
  • Die Ukraine griff Sankt Petersburg am Samstag erneut mit Drohnen an und traf dabei Marinestützpunkte, ein Ölterminal und Waffenarsenale.
  • Der Gouverneur von Sankt Petersburg rief erstmals seit 2022 die Bevölkerung auf, während der Attacken in den Häusern zu bleiben.
  • Selenskij traf sich am Sonntag in London mit Merz, Macron und Starmer, um Chancen für neue Verhandlungen mit Russland auszuloten.
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Die Ukraine greift erneut Sankt Petersburg an. Der Gouverneur ruft die Menschen auf, während der Attacken in ihren Häusern zu bleiben. Derweil reist der ukrainische Präsident Selenskij zu Gesprächen nach London.

Von Dimitri Taube

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Der vom russischen Präsidenten Wladimir Putin geführte Angriffskrieg gegen die Ukraine wird auch in Russland immer präsenter. Am Wochenende kam dieser Krieg vielen Menschen im Raum Sankt Petersburg bedrohlich nahe. Grund waren ukrainische Drohnenangriffe auf die Millionenmetropole und die Region Leningrad am Samstag, dem vierten und letzten Tag des Internationalen Wirtschaftsforums in Sankt Petersburg. Bereits am ersten Tag des Forums am 3. Juni hatte die Ukraine die Stadt an der Ostsee angegriffen.

Auch diesmal berichteten Anwohner auf Telegram-Kanälen, die von russischen und ukrainischen Medien zitiert wurden, von Rauchwolken; sie zeigten zudem Videos von Drohnen. Der Gouverneur von Sankt Petersburg, Alexander Beglow, rief die Menschen auf, während der Attacken in den Häusern zu bleiben. Es war die erste Warnung dieser Art seit der Großinvasion Russlands in die Ukraine 2022, wie das russische Exilmedium Meduza schrieb. Dem Bericht zufolge sprach der Gouverneur von mehreren Verletzten. Zugleich erklärte er, die Luftverteidigung habe „jeglichen Schaden verhindern können“.

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Der ukrainische Generalstab meldete Angriffe auf den Marinestützpunkt Kronstadt, also auf den Hauptstützpunkt der russischen Ostseeflotte auf der Insel Kotlin vor Sankt Petersburg. Ziele waren demnach auch ein Ölterminal westlich der Stadt sowie ein Waffen-, Munitions- und Fahrzeuglager in dem Ort Bolschaja Ischara nahe Sankt Petersburg. Laut russischen Behörden gab es in der Nähe von Bolschaja Ischara infolge eines Drohneneinschlags einen Brand. Meldungen zufolge mussten in dem Gebiet Hunderte Menschen in Sicherheit gebracht werden.

Der ukrainische Geheimdienst SBU teilte außerdem mit, dass ein Arsenal der russischen Marine in der Nähe von Lomonossow (ebenfalls westlich von Sankt Petersburg) getroffen worden sei. Nach Angaben des US-Thinktanks Institute for the Study of War (ISW) bestätigten geolokalisierte Aufnahmen und Fotos ukrainische Attacken auf das Arsenal nahe Lomonossow und die Marinewerft Kronstadt. Nach ISW-Einschätzung zeigten die Angriffe, dass Russland seine Großstädte selbst während bedeutender internationaler Veranstaltungen nicht zuverlässig vor Luftangriffen schützen könne.

Sankt Petersburg war nicht das einzige Ziel der Ukraine. In der Stadt Ust-Labinsk in der südrussischen Region Krasnodar sei ein Öllager getroffen worden, teilte Kiews Geheimdienst SBU mit. Es sei ein wichtiges Treibstofflager für das russische Militär. Das Verteidigungsministerium in Moskau gab an, dass am Samstag insgesamt 376 Drohnen abgeschossen worden seien. Die meisten – mehr als 140 – sollen über dem Gebiet Leningrad getroffen worden sein. Von den Angriffen betroffen war auch die Hauptstadtregion. Dort ging jedoch diesmal nach vorliegenden Berichten alles glimpflich aus. Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin schrieb zwar am Samstag auf Telegram, dass mehrere Drohnen beim Anflug auf seine Stadt abgefangen worden seien. Über mögliche Schäden und Opfer bei Moskau wurde aber nichts bekannt.

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij lobte die Angriffe seiner Soldaten und dankte ihnen auf der Plattform X für ihre „Präzision“. Russland müsse seinen Krieg beenden und seine Angriffe einstellen. Jede Form von Ungerechtigkeit gegenüber der Ukraine werde angemessen beantwortet.

Am Wochenende griff Kiews Militär auch von Moskau annektierte Gebiete im Osten der Ukraine an. Auch russische Attacken wurden gemeldet, mit mehreren Toten und Verletzten. Am Sonntag gab es zudem einen Vorfall in der Nähe des stillgelegten Atomkraftwerks Tschernobyl – dort aber ohne Verletzte. Nach Darstellung der Ukraine traf eine russische ‌Drohne ein Gebäude des zentralen Zwischenlagers für abgebrannte Brennelemente – „eine äußerst kritische Infrastruktureinrichtung“, wie Selenskij erklärte. Er sprach von einem „extrem niederträchtigen“ Angriff. Das Gebäude für die Annahme von Behältern sei teilweise zerstört worden, teilte der ukrainische Staatskonzern Energoatom mit. Es sei dort kein abgebrannter Kernbrennstoff gelagert worden. Die Strahlenwerte lägen innerhalb der festgelegten Grenzwerte.

Für Selenskij stand am Sonntag noch ein Besuch in London an. Er wollte sich dort am Abend mit Bundeskanzler Friedrich Merz, dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron und dem britischen Premierminister Keir Starmer treffen. Gemeinsam wollten sie die Chancen für neue Verhandlungen mit Russland ausloten. Aus deutschen Regierungskreisen hatte es kürzlich geheißen: „Langsam öffnet sich ein Fenster für Gespräche der europäischen Seite mit Russland.“ Zu einem Treffen von Selenskij und Putin wird es allerdings nicht kommen. Den jüngsten Vorstoß Selenskijs für direkte Gespräche lehnte der Kremlchef noch während des Wirtschaftsforums in Sankt Petersburg ab.

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