Krieg in der UkraineTote und Verletzte nach russischem Drohnenangriff auf Kiew

Bei einem russischen Drohnenangriff auf Kiew sind mindestens drei Menschen ums Leben gekommen. Unter den Opfern ist auch ein fünfjähriges Kind.

Alle Entwicklungen im Liveblog

Dieser Liveblog ist archiviert und wird nicht mehr aktualisiert. Die aktuelle Berichterstattung finden Sie auf unserer Themenseite zum Krieg in der Ukraine.

Wichtige Updates
Ostukraine: Tote nach russischen Bomben auf Slowjansk
Bericht: Pistorius besorgt 30 „Patriot“-Raketen für die Ukraine
Ukrainischer General: Gebiet Dnipropetrowsk fast komplett unter eigener Kontrolle
Mindestens 14 Verletzte in der Ukraine durch Drohnen
Trump und Putin sprechen über Kriege in Iran und in der Ukraine

Ukraine laut Selenskij nach Geländegewinnen im Süden „positiver gestimmt als Ende 2025“

Die Ukraine macht weiter Fortschritte im Süden des Landes. Kiews Truppen haben dort zuletzt wieder Geländegewinne erzielt. Das meldete das Institute for the Study of War (ISW) und verwies auf geolokalisierte Aufnahmen. Es ging dabei vor allem um Rückeroberungen in seit Langem schwer umkämpften Gebieten bei Oleksandriwka sowie nördlich von Huljajpole. Nach neuesten Angaben von Präsident Wolodimir Selenskij konnte die Ukraine in den vergangenen anderthalb Monaten die Kontrolle über etwa 400 bis 435 Quadratkilometer in der Region zurückgewinnen. Zum Vergleich: 400 Quadratkilometer entsprechen etwa der Fläche einer Großstadt wie Dnipro (oder in Deutschland: Köln).

Moskaus Bemühungen um eine Frühjahrsoffensive im Süden der Ukraine sind laut Selenskij vereitelt worden. Der Präsident räumte Medienberichten zufolge zwar ein, dass die Bedingungen auf dem Schlachtfeld weiterhin schwierig seien, äußerte sich jedoch auch optimistisch: „Aber ich sage ganz vorsichtig, dass alle positiver gestimmt sind als Ende 2025.“

Vor Selenskij hatte am Wochenende bereits der ukrainische Militärgeheimdienst HUR über neue Erfolge im Süden des Landes berichtet und erklärt, HUR-Einheiten hätten zusammen mit ukrainischen Streitkräften die russische Offensive auf die Großstadt Saporischschja gestoppt. In einem Telegram-Beitrag des Militärgeheimdienstes heißt es, mehr als 300 russische Kämpfer seien bei einer „komplexen Verteidigungsoperation“ getötet oder verwundet worden. Zudem habe man 39 weitere Soldaten gefangen genommen.

Russische Soldaten hatten zuletzt immer wieder Probleme an der Front, weil sich die Kommunikationsverbindungen verschlechterten. Das ukrainische Militär führte deshalb vermehrt Gegenangriffe an der südlichen Front aus. Die Landesverteidiger versuchten dabei offenbar, Sperrungen von Starlink-Terminals auszunutzen, die russische Soldaten betreffen. Zusätzlich verschlechterten sich die Kommunikationsbedingungen der russischen Kämpfer wegen der Kreml-Maßnahmen zur Einschränkung des Messengerdienstes Telegram.

Angaben aus Kiew über ukrainische Rückeroberungen gibt es schon seit einigen Wochen, allerdings sind sie nicht unumstritten. Ukrainische Militärbeobachter hatten im Februar von allenfalls „stabilisierenden Maßnahmen“ gesprochen.

Ostukraine: Tote nach russischen Bomben auf Slowjansk

Durch russische Gleitbomben sind im Zentrum der ostukrainischen Stadt Slowjansk mindestens vier Menschen getötet worden. Weitere 16 seien verletzt worden, teilte der Chef der Militärverwaltung, Wadym Ljach, auf Facebook mit. Insgesamt seien drei russische Bomben eingeschlagen. Den Angaben nach wurden zudem sechs Wohnhäuser und zehn Autos beschädigt.

Die russisch-ukrainische Frontlinie ist noch etwa 20 Kilometer von der Stadt im Gebiet Donezk entfernt.

Bericht: Pistorius besorgt 30 „Patriot“-Raketen für die Ukraine

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat laut einem Spiegel-Bericht von Partnern 30 zusätzliche Patriot-Flugabwehrraketen für die Ukraine organisiert. Zusammen mit fünf weiteren der weltweit knappen Hightech-Raketen vom Typ PAC-3 aus Bundeswehrbeständen sollen damit nun 35 der Abfangraketen in die Ukraine geliefert werden.

Pistorius hatte im Februar nach Beratungen am Rande eines Nato-Treffens in Brüssel erklärt, Deutschland werde fünf weitere Lenkflugkörper für Patriot-Systeme in der Ukraine liefern, wenn andere Unterstützerstaaten zusammen insgesamt 30 davon spendeten. Er sei sehr optimistisch, dass man die „30 plus 5“ erreiche, sagte der SPD-Politiker. Und: „Wir alle wissen, dass es darum geht, Leben zu retten. Es ist eine Frage von Tagen und nicht von Wochen oder Monaten.“

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte der Nachrichtenagentur dpa auf Anfrage, Deutschland komme dem von Pistorius gemachten Vorschlag „vollumfänglich nach“. Es sei gelungen, eine weitere Anzahl der mit dieser Initiative beabsichtigten Bereitstellung von PAC-3 zusammenzubekommen, die sich nahe an der geplanten Zielmarke befinde und der Ukraine zur Abwehr der anhaltenden russischen Luftangriffe mit dem Hochwert-Luftverteidigungssystem Patriot zur Verfügung gestellt werden könne.

Wegen des hohen Verbrauchs von Patriot-Raketen zur Abwehr der iranischen Angriffe auf US-Basen im Nahen Osten seien die Bestände dünner denn je, schreibt der Spiegel. Experten schätzten, dass die Ukraine jeden Monat um die 60 Patriot-Lenkflugkörper benötige, um die eigene Flugabwehr aufrechtzuhalten.

Ukrainischer General: Gebiet Dnipropetrowsk fast komplett unter eigener Kontrolle

Infolge von Gegenangriffen ist die Region Dnipropetrowsk in der Südostukraine nach ukrainischen Militärangaben beinahe komplett wieder unter Kontrolle Kiews. Drei kleinere Siedlungen seien noch in russischer Hand und zwei weitere müssten überprüft werden, sagte der im Kiewer Generalstab arbeitende General Oleksandr Komarenko in einem Interview der Nachrichtenagentur RBK Ukraine.

Aufgrund der ukrainischen Vorstöße gebe es für den Februar eine positive Dynamik. „Es wurde mehr Territorium befreit, als verloren“, sagte Komarenko. Mehr als 400 Quadratkilometer seien zurückerobert worden. Die Gesamtlage sei weiter „schwierig, aber kontrollierbar“.

Seit mehreren Wochen laufen in den Gebieten Saporischschja und Dnipropetrowsk ukrainische Gegenangriffe. Die Führung in Kiew betont die Erfolge. Einige ukrainische Militärbeobachter bewerten die Fortschritte allerdings zurückhaltender.

Mindestens 14 Verletzte in der Ukraine durch Drohnen

Durch russische Drohnenangriffe sind in der Ukraine nach Behördenangaben mindestens 14 Menschen verletzt worden. In der Großstadt Dnipro im Süden sei ein Wohnblock beschädigt worden, teilte der Gouverneur des Gebietes Dnipropetrowsk, Oleksandr Hanscha, auf Telegram mit. Zehn Menschen, darunter ein zwölfjähriger Junge, seien verletzt worden. Schäden habe es auch an einem Verwaltungsgebäude gegeben.

In der Großstadt Charkiw im Osten der Ukraine wurden vier Menschen verletzt, als Drohnen einen Stadtteil mit Einfamilienhäusern trafen, wie Bürgermeister Ihor Terechow mitteilte.

Die ukrainische Luftwaffe ortete nach eigenen Angaben in der Nacht 137 angreifende Drohnen aus Russland. 122 von ihnen seien abgefangen worden. An zehn Orten habe es aber Einschläge gegeben.

Das russische Militär in Moskau wiederum teilte mit, in der Nacht seien 17 ukrainische Drohnen abgefangen worden.
Rettungskräfte löschen das Feuer in einem Wohnviertel nach einem russischen Drohnenangriff in Charkiw.
Rettungskräfte löschen das Feuer in einem Wohnviertel nach einem russischen Drohnenangriff in Charkiw. Andrii Marienko/AP via dpa

Trump und Putin sprechen über Kriege in Iran und in der Ukraine

US-Präsident Donald Trump und Kremlchef Wladimir Putin haben über die Kriege in Iran und der Ukraine gesprochen. Das Telefonat habe eine Stunde gedauert und sei sachlich, offen und konstruktiv gewesen, teilte Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow in einem vom Kreml veröffentlichten Kommentar mit. Trump habe angerufen.
Ich sagte, du könntest noch hilfreicher sein, wenn du die Ukraine in Ordnung bringst.
Donald Trump zum Telefonat mit Wladimir Putin
Putin habe Überlegungen für eine baldige politisch-diplomatische Lösung für den Iran-Krieg geäußert, unter Berücksichtigung der Kontakte zu den Führungen der Golfstaaten, dem iranischen Präsidenten Massud Peseschkian und weiterer Staaten, hieß es von russischer Seite. Trump sagte wenig später über das Telefonat, Putin wolle im Krieg mit Iran hilfreich sein. "Ich sagte, du könntest noch hilfreicher sein, wenn du die Ukraine in Ordnung bringst."

Zwischen dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskij und Putin herrsche enormer Hass, sagte Trump. Doch es sei ein sehr gutes Gespräch mit Putin gewesen. 

Streit geht weiter: Kiew bestellt ungarischen Botschafter ein

Nach der Beschlagnahmung eines ukrainischen Geldtransporters in Ungarn und der Festnahme von sieben Begleitern hat das ukrainische Außenministerium den ungarischen Botschafter einbestellt. In einer Protestnote warf Kiew Budapest unter anderem Verstöße gegen die Europäische Menschenrechtskonvention im Umgang mit ukrainischen Staatsbürgern vor, wie die Behörde mitteilte. Ungarn werden illegale Festnahme, Einschüchterung und übermäßige Gewaltanwendung vorgeworfen.

Die ungarische Polizei hatte in der vergangenen Woche zwei Geldtransporter mit sieben Mitarbeitern der staatlichen ukrainischen Sparkasse kurzzeitig festgesetzt und Geldwäschevorwürfe erhoben. Trotz eines offiziellen Antrags sei ukrainischen Konsularbeamten kein Zugang zu den Festgenommenen gewährt worden, hieß es nun aus dem Kiewer Außenministerium.

Hintergrund des Skandals ist der Streit zwischen Ungarn und der Ukraine um Öllieferungen aus Russland. Diese liefen bis zuletzt über die Pipeline Druschba auch über ukrainisches Gebiet. Nach einer Beschädigung der Pipeline infolge russischer Angriffe forderte die kurz vor einer kritischen Parlamentswahl stehende Regierung in Budapest Kiew zur schnellen Reparatur und Wiederaufnahme des Transits auf. Der ukrainischen Darstellung nach ist eine schnelle Reparatur nicht möglich, was in Ungarn – und auch der benachbarten Slowakei – auf Unglauben stößt.
Amelie Schmidt

Russische Angriffe auf ukrainische Gasanlagen

Russland greift nach Angaben des ​staatlichen ukrainischen Energiekonzerns ​Naftogaz seit zwei ​Tagen Gasförderanlagen in der zentralukrainischen Region Poltawa an. Eine ‌Reihe kritischer Infrastruktureinrichtungen sei abgeschaltet worden, ‌teilt das ‌Unternehmen mit. "Schäden und Verluste ​wurden gemeldet", heißt es ​weiter. 

Die wichtigsten ukrainischen Gasfelder ‌befinden sich in der Region Poltawa sowie im Nordosten des Landes in der ⁠an Russland ‌grenzenden ‌Region Charkiw. 

Selenskij bietet Saudi-Arabien Hilfe bei Abwehr iranischer Drohnen an

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij hat nach eigener Aussage mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman über die ​Lage in Iran und im Nahen Osten gesprochen. Dabei habe er sein Angebot bekräftigt, bei der Bekämpfung iranischer Drohnen zu helfen. Die Ukraine kämpfe seit Jahren gegen vom Iran entwickelte Drohnen des Typs Shahed, so Selenskij: Jeder wisse, dass kein anderes Land der Welt über solche Erfahrungen damit verfüge wie die Ukraine. „Wir sind bereit zu helfen und erwarten, dass auch unser Volk die notwendige Unterstützung erhält.“

Selenskij hatte kürzlich gesagt, er habe bereits mit Bahrain, Jordanien, Kuwait, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten über das Thema gesprochen. Schließlich werde die Ukraine immer wieder mit solchen Drohnen von Russland angegriffen. Selenskij hatte auch gesagt, er werden den USA helfen, indem er Spezialisten zur Bekämpfung dieser Waffen zur Verfügung stelle. 

Tote und Verletzte bei russischem Angriff auf Charkiw

Russland hat die Ukraine erneut mit Luftangriffen überzogen und allein in der zweitgrößten Stadt Charkiw im Osten zahlreiche Menschen getötet und verletzt. Der Einschlag einer ballistischen Rakete in ein Wohnhaus tötete mindestens acht Menschen, teilte der Militärgouverneur von Charkiw, Oleh Synjehubow, am Morgen bei Telegram mit. Unter den Toten waren nach Behördenangaben auch eine Lehrerin und ihr Junge sowie eine weitere Frau und ihre 13 Jahre alte Tochter. 

Mindestens zehn Menschen sind den Behörden zufolge verletzt worden, darunter auch Kinder. Auf den veröffentlichten Fotos waren schwere Schäden an dem fünfgeschossigen Wohnhaus zu sehen. Demnach sprengte die Rakete große Teile des Gebäudes weg. 

Präsident Wolodimir Selenskij teilte in den sozialen Netzwerken mit: „Russland hat 29 Raketen, davon fast die Hälfte ballistische Raketen, und 480 Drohnen, davon die meisten vom Typ Shahed, gegen die Ukraine eingesetzt“. Einmal mehr sei die Energieversorgung Ziel der russischen Angriffe gewesen.

Auch in anderen Regionen meldeten die Behörden Luftalarm wegen der russischen Angriffe. Betroffen waren demnach auch Kiew, die westukrainischen Regionen Chmelnyzkyj und Tscherniwzi (Czernowitz) sowie die Eisenbahn in der Region Schytomyr im Nordwesten des Landes. „Es wurden Schäden in den Regionen Dnipropetrowsk, Saporischschja, Winnyzja, Odessa, Poltawa, Sumy und Tscherkassy festgestellt. Überall, wo es notwendig ist, sind die entsprechenden Dienste im Einsatz“, teilte Selenskij bei Telegram mit. In Kiew hatte Bürgermeister Vitali Klitschko wegen des Raketenalarms die Menschen aufgerufen, Schutz zu suchen. Er sprach am Nachmittag von drei Verletzten. 1905 Gebäude seien wegen der Schäden an der Infrastruktur ohne Heizung, sagte er. Demnach stieg damit die Zahl der von der Wärmeversorgung durch die russischen Angriffe abgeschnittenen Gebäude auf fast 2700. 

Das ​russische Verteidigungsministerium spricht einem Agenturbericht zufolge von einem nächtlichen Großangriff auf Energie- und Militäranlagen in ⁠der Ukraine. Die Attacke habe unter anderem Flugplätzen für die Luftwaffe und Industrieanlagen mit Militärbezug gegolten, wird das Ministerium von ​der russischen ​Nachrichtenagentur Interfax zitiert. Eine unabhängige Bestätigung der Angaben ‌ist nicht möglich. 
Rettungskräfte arbeiten an einem durch einen russischen Angriff zerstörtem Wohnhaus in Charkiw.
Rettungskräfte arbeiten an einem durch einen russischen Angriff zerstörtem Wohnhaus in Charkiw. REUTERS

Selenskij: Russland bereitet Frühjahrsoffensive in Donezk vor 

Russland bereitet nach den Worten des ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskij eine Frühjahrsoffensive in ​Donezk vor. Er äußert sich bei einem Truppenbesuch an der Front in dieser ostukrainischen Region. "Heute besuchen wir die Region ⁠Donezk, unser Land und unsere Soldaten", erklärt Selenskij in der Telegram-App und postet ein Selfie-Video aus der Stadt Druschkiwka. "Es ist wichtig, dass unsere Stellungen stark sind. Das ​Böse muss ​gestoppt werden. Die Ukrainer hier im Donbass tun genau das." ‌Der industriell geprägte Donbass besteht aus den Regionen ‌Donezk und Luhansk, die zum Teil vom russischen Militär besetzt sind. 

EU-Kommission rügt Wortwahl Selenskijs als inakzeptabel

Die EU-Kommission hat die Drohungen des ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskij gegen Ungarn scharf verurteilt. „Eine solche Wortwahl ist inakzeptabel. Es darf keine Drohungen gegen EU-Mitgliedstaaten geben“, sagte ein Sprecher der Kommission in Brüssel. Ganz allgemein sei die „eskalierende und aufrührerische Rhetorik“ von allen Seiten nicht hilfreich.

Im Streit über von Ungarn blockierte Finanzhilfen für die Ukraine hatte Selenskij zuvor dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán offen gedroht. „Wir hoffen, dass eine Person in der Europäischen Union die 90 Milliarden Euro nicht blockieren wird und die ukrainischen Kämpfer Waffen bekommen, andernfalls geben wir die Adresse dieser Person unseren Jungs weiter, auf dass sie ihn anrufen und mit ihm in ihrer Sprache reden“, sagte Selenskij. Von der Regierung in Budapest wurden die Äußerungen als Einschüchterungs- und Erpressungsversuch gesehen.

In dem Konflikt zwischen Orbán und Selenskij geht es darum, dass Ungarn mit einem Veto gegen neue EU-Finanzhilfen und Russland-Sanktionen versucht, eine schnelle Wiederaufnahme günstiger Öllieferungen über den Südstrang der Druschba-Pipeline zu erzwingen. Diese führt von Russland über Belarus und die Ukraine nach Ungarn und in die Slowakei und wurde nach ukrainischen Angaben im Januar bei russischen Luftangriffen so stark beschädigt, dass sie nicht mehr funktionsfähig ist. Die Regierung von Orbán geht dagegen davon aus, dass die Pipeline betriebsfähig ist und die Ukraine aus politischen Gründen die Wiederaufnahme des Betriebs verhindert.

Ein Sprecher der EU-Kommission sagte, wichtig sei es nun, alle Beteiligten dazu zu bringen, sich zu beruhigen und die Rhetorik zurückzufahren. Ziel sei es, die Energiesicherheit der EU-Staaten zu gewährleisten. Zugleich müssten alle möglichen Schritte unternommen werden, um den Druck auf Russland zu erhöhen und den Kredit für die Ukraine bereitzustellen.
Amelie Schmidt

Streit zwischen Ungarn und Ukraine spitzt sich zu

Der Streit zwischen der Ukraine und ​Ungarn über die Lieferung russischen Öls spitzt sich zu. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha warf der Regierung in Budapest in der Nacht auf Freitag vor, sieben Mitarbeiter der staatlichen Oschadbank festgenommen und deren Geldtransporte beschlagnahmt zu haben. ​Es handele sich um eine Geiselnahme und Diebstahl, schrieb Sybiha auf X.  

Dem ukrainischen Außenminister ​zufolge wollten die Bankmitarbeiter Bargeld ​aus Österreich in die Ukraine transportieren. Nach Angaben ​der Oschadbank zeigten GPS-Daten die Fahrzeuge in der Nähe eines Gebäudes der ungarischen Sicherheitsdienste in Budapest an. An Bord befänden sich 40 Millionen Dollar, 35 Millionen Euro und neun Kilogramm Gold. 

Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán kündigte an, ⁠wichtige Transporte für die Ukraine würden in Ungarn gestoppt werden. Außerdem werde man den Beitritt der Ukraine zur Europäischen Union blockieren, sagte der Regierungschef im staatlichen Rundfunk. 
 
"Wenn ​dies die 'Gewalt' ​ist, die Herr Orbán heute angekündigt hat, dann ist es ‌die Gewalt einer kriminellen Bande. Das ist Staatsterrorismus ‌und Schutzgelderpressung", erklärte Sybiha mit Blick auf Äußerungen Orbáns vom Donnerstag, in denen er angekündigt hatte, den Streit um die Druschba-Pipeline "mit Gewalt" zu gewinnen. 

Hintergrund des Streits ‌ist die Unterbrechung russischer Öllieferungen über die Druschba-Pipeline, die über ukrainisches Territorium führt. Die Regierung in Kiew begründet den ‌Stopp mit Schäden durch einen russischen ‌Angriff im Januar, die Reparatur dauere an. Ungarn und die ebenfalls von ​den russischen Lieferungen abhängige Slowakei werfen der Ukraine dagegen vor, den Ölhahn aus politischen Gründen zugedreht zu haben. 
Amelie Schmidt

Ukraine bietet USA Tausch von Abfangdrohnen gegen "Patriot"-Systeme an

Die USA haben die Ukraine angesichts des Iran-Kriegs um Unterstützung beim Schutz gegen feindliche Shahed-Drohnen gebeten, berichtet der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij. „Wir haben eine Anfrage der USA für spezifische Unterstützung zum Schutz gegen 'Shaheds' in der Nahost-Region bekommen“, schreibt er auf der Plattform X. Er habe Anweisungen gegeben, die notwendigen Mittel bereitzustellen und die Präsenz ukrainischer Spezialisten zu gewährleisten. „Die Ukraine hilft Partnern, die zur Gewährleistung unserer Sicherheit und zum Schutz des Lebens unserer Bevölkerung beitragen.“

Selenskij bringt einen Tausch ukrainischer Abfangdrohnen gegen Raketen des Flugabwehrsystems Patriot ins Spiel. Im Iran-Krieg seien angeblich in drei Tagen mehr als 800 Patriot-Raketen verschossen worden, sagt er. So viele habe die Ukraine in mehr als vier Jahren des russischen Angriffskrieges nicht zur Verfügung gehabt. Er spricht von einem zukünftigen Dialog über zusätzlich zu produzierende Mengen an Abfangdrohnen, die dann gegen Patriot-Raketen eingetauscht werden sollen.

Die teure Munition für die in den US-produzierten Patriot-Systemen ist weltweit knapp. Die Ukraine fürchtet, angesichts des hohen Verbrauchs im Iran-Krieg als Empfänger der Raketen ins Hintertreffen zu geraten. Die Patriots sind das zuverlässigste Abwehrmittel gegen russische ballistische Raketen.

Ungarn wirft Selenskij Erpressung vor

Im Streit über einen von Ungarn blockierten EU-Kredit droht der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán. „Wir hoffen, dass eine Person in der Europäischen Union die 90 Milliarden Euro nicht blockieren wird und die ukrainischen Kämpfer Waffen bekommen, andernfalls geben wir die Adresse dieser Person unseren Jungs weiter, auf dass sie ihn anrufen und mit ihm in ihrer Sprache reden“, sagte Selenskij nach einer erweiterten Regierungssitzung in Kiew. Der Staatschef betonte, dass sein Land zum EU-Kredit keine Alternative habe.

In Ungarn wurde umgehend auf die Äußerung reagiert. „Diese Drohungen und Erpressungen von Selenskij gehen weit über jedes akzeptable Limit hinaus“, schrieb Orbáns Pressesprecher Zoltan Kovacs auf der Plattform X. Persönliche Emotionen hätten nichts in Angelegenheiten wie dieser zu suchen. Ungarn werde sich nicht einschüchtern und erpressen lassen.

Budapest blockiert die Freigabe des EU-Kredits aufgrund des eingestellten Transits über die Erdölpipeline „Druschba“ (Freundschaft). Ukrainischen Angaben nach wurde diese durch einen russischen Drohnenangriff Ende Januar auf ein Tanklager bei der westukrainischen Stadt Brody beschädigt. Ungarn und auch die ebenfalls vom Transitstopp betroffene benachbarte Slowakei zweifeln diese Angaben an und fordern Zugang für eine Expertenkommission der Europäischen Union.

Selenskij verweigerte diesen unter Verweis auf ukrainische Experten. „Ich denke, dass unser Wort reicht“, sagte er und stellte eine Reparatur frühestens Mitte April in Aussicht. 
© SZ/dpa/rtr/epd/KNA/Bloomberg - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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