Krieg in der UkraineUkraine bekommt 30 Kampfjets aus Belgien

Allein in diesem Jahr will das kleine EU-Land Militärhilfe im Wert von mindestens 977 Millionen Euro leisten. Tschechien unterstützt die Forderung des Nato-Generalsekretärs, der Ukraine den Einsatz westlicher Waffen auf russischem Territorium zu erlauben.

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Wichtige Updates
Großbritannien zahlt 20 Millionen Euro für Tschernobyl-Reparatur
Musk nach Ukraine-Kritik: Satelliten-Kontrolle liegt bei US-Regierung 
Selenskij kritisiert Trumps Kurs im Ukraine-Krieg
Als "Köder" für Russland an die Front: 20 Bangladescher getötet
Ukraine: Space-X schränkt Starlink-Nutzung für Militär ein

Musk nach Ukraine-Kritik: Satelliten-Kontrolle liegt bei US-Regierung 

Nach Kritik aus der Ukraine an Einschränkungen bei der Satellitenkommunikation der Satelliten-Netzwerke des US-Raumfahrtunternehmens Space-X verweist der US-Unternehmer Elon Musk darauf, dass Starshield Eigentum der US-Regierung sei und von dieser auch kontrolliert werde. Jegliche Beschränkungen bei Geschwindigkeit oder Nutzung werde vom US-Militär und letztlich vom US-Präsidenten festgelegt, erklärt Musk. 

Starshield ist der militärische Teil des Satellitennetzwerks, dessen ziviler Arm Starlink heißt. Zu Starlink sagt Musk, dieses System sei auf zivile oder defensive Aktivitäten beschränkt und könne nicht für offensive militärische Zwecke genutzt werden. 

Die Ukraine hatte zuvor Musks Unternehmen Space-X, zu dem Starshield und Starlink gehören, vorgeworfen, die Satelliten-Nutzung für die Ukraine eingeschränkt und dadurch die ukrainische Drohnenabwehr und Luftverteidigung im Kampf gegen Russland geschwächt zu haben. Das hatte Sorgen geschürt, US-Präsident Donald Trump könne die Unterstützung der Ukraine auf dem Schlachtfeld reduzieren, um Kiew zu Zugeständnissen an Russland oder die USA zu zwingen. 
Barbara Klimke

Großbritannien zahlt 20 Millionen Euro für Tschernobyl-Reparatur

Die britische Regierung stellt 17 Millionen Pfund, umgerechnet 20 Millionen Euro, für Reparaturen am Atomkraftwerk Tschernobyl in der Nordukraine bereit. Das Geld sei für wichtige Reparaturen an der Schutzhülle und dem Belüftungssystem bestimmt, teilte die Regierung in London mit. Ein russischer Drohnenangriff hatte im vergangenen Jahr den Schutzmantel des Kraftwerks beschädigt. Dort hatte sich 1986 der weltweit schwerste Atomunfall ereignet.

Der britische Schatzkanzler John Healey betonte, das Bekenntnis der Regierung zu den Menschen in der Ukraine sei „unverrückbar“. Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij traf sich am Mittwoch mit Premierminister Andy Burnham in London zu bilateralen Gesprächen.
Der britische Premierminister Andy Burnham (re.) trifft den ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskij in der Downing Street.
Der britische Premierminister Andy Burnham (re.) trifft den ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskij in der Downing Street. Foto: Pool/Getty Images
Healey fordert außerdem seine Amtskollegen beim Treffen des Internationalen Währungsfonds in Bangkok auf, Sanktionen gegen Russlands Schifffahrt zu verschärfen: Sie sollten „bei harten Wirtschaftssanktionen gegen Russland Kurs halten“, sagte er, „insbesondere bei einem strengeren Verbot von Schifffahrtsdiensten, die Putins sanktionsbrechender Schattenflotte den Betrieb ermöglichen“.

Ein US-Regierungsvertreter hatte hingehen erklärt, die Regierung von Präsident Donald Trump erwäge eine Lockerung von Strafmaßnahmen gegen Schiffe der sogenannten Schattenflotte, die Öl und Ölprodukte unter anderem aus Russland, Iran und Venezuela transportiert haben, um die Frachtkosten zu senken.

Selenskij kritisiert Trumps Kurs im Ukraine-Krieg

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij fühlt sich durch den Diesel-Deal von US-Präsident Donald Trump mit Russland und andere Schritte der US-Führung betrogen. Auf eine entsprechende Frage des britischen Moderators Piers Morgan antwortete Selenskij während seines Besuchs in London: „In der Tat, ja, unter uns gesagt.“ Zu den Handlungen von Trump sagte er, das sei „nicht die richtige Seite der Geschichte“.

Morgan schloss in seine Frage auch Trumps Behauptung ein, dass ein Energie-Waffenstillstand zwischen Russland und der Ukraine vereinbart worden sei. Dem seien russische Bombardements auf ukrainische Energieanlagen gefolgt. Selenskij sagte, die Lage sei komplizierter als seine Emotionen, es gehe nicht nur um ihn. „Unser Land muss überleben“, sagte er.

Trump hatte nach einem Gespräch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin auf seiner Plattform Truth Social verkündet, Russland werde umgehend mehr als 300 000 Tonnen Diesel für die USA und den Weltmarkt zur Verfügung stellen. Dafür sollten Sanktionen ausgesetzt werden.

„Es ist schade, dass wir einen starken Partner verlieren“, beschrieb Selenskij seine Reaktion. Die Ukraine könne sich keine Schwäche erlauben. „Wir verkaufen unser Land nicht.“ Es gehe nicht um Business, sondern um das Leben, das eigene Land. Wenn Trump nicht ihre Seite wähle, sei das schmerzhaft, sagte der ukrainische Präsident. Es sei okay, wenn der US-Präsident „in der Mitte“ stünde. „Aber wenn man in der Mitte ist, muss man in der Mitte bleiben.“ Er wisse nicht, wer Trump auf die falsche Seite dränge. „Aber das ist nicht die richtige Seite der Geschichte“, sagte Selenskij.

Als "Köder" für Russland an die Front: 20 Bangladescher getötet

Mindestens 20 Staatsangehörige Bangladeschs, die vorher unter falschen Arbeitsversprechen nach Russland gelockt worden sein sollen, sind als lebende „Köder“ im Ukraine-Krieg getötet worden. Das berichtete eine Spezialeinheit der bangladeschischen Polizei in Dhaka. Die Special Response Battalion (SRB) in dem südasiatischen Land ermittelt in Fällen von Menschenhandel. Vorläufige Untersuchungen ergaben demnach, dass die eigentlich kriegsuntauglichen Personen als „Köder“ an die Front geschickt wurden, um feindliche Positionen ausfindig zu machen.

Mitglieder eines international operierenden Schleusernetzwerks hätten mit Hilfe lokaler „Agenten“ die Betroffenen als Bauarbeiter angeworben, hieß es weiter. Nach ihrer Ankunft seien sie jedoch gedrängt worden, ein dreiwöchiges Training zu absolvieren, das sie für den Kriegseinsatz vorbereiten sollte. „Sie wurden an das russische Militär übergeben, ihre Pässe und Mobiltelefone wurden ihnen unmittelbar nach der Ankunft auf russischem Boden abgenommen“, erläuterte der leitende SRB-Beamte Mohammad Asaduzzaman. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.
Anfang Mai seien 30 „eingeschleuste“ Bangladescher in Russland eingetroffen. Von ihnen seien 17 bereits am ersten Tag ihres Fronteinsatzes bei Drohnenangriffen gestorben, sagte Asaduzzaman unter Berufung auf Überlebende, denen die Rückkehr in ihre Heimat gelungen sei. Drei weitere seien später in einem Krankenhaus gestorben. Laut Asaduzzaman wurden zwei mutmaßliche Mitglieder der Schleuserbande inzwischen festgenommen.

Auch Amnesty International wirft Russland vor, ausländische Staatsangehörige mit Täuschung, Zwang und Ausbeutung für seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine zu rekrutieren. Im September veröffentlichte die Menschenrechtsorganisation dazu einen Bericht, wonach ein System geschaffen wurde, um Menschen in prekären Lebenslagen gezielt auszunutzen.

Bei seinen Recherchen interviewte Amnesty zwischen 2024 und 2026 nach eigenen Angaben Personen aus acht Ländern, die in zwei ukrainischen Kriegsgefangenenlagern festgehalten wurden. Zudem stützt sich Amnesty auf Gespräche mit Angehörigen, Anwälten, Menschenrechtsaktivisten und Medienschaffenden.
Anne Eberhard
Anne Eberhard

Militärverwaltung: Sechs Tote bei russischem Angriff auf Westen der Ukraine

Durch russische Drohnenangriffe sind in der westukrainischen Stadt Luzk mindestens sechs Menschen getötet worden. Etwa ein Dutzend weitere Menschen sei verletzt worden, teilte die Militärverwaltung des Gebiets Wolhynien in sozialen Netzwerken mit. Demnach gerieten ein Wohnheim und ein Lebensmittelgeschäft in Brand, zudem wurde ein Wohngebäude im Stadtzentrum beschädigt.

Zuvor hatte der örtliche Gouverneur Roman Romaniuk auf Telegram von drei Toten und zwölf Verletzten berichtet. Trümmerteile einer Drohne hätten ein Lagerhaus getroffen, auch ein Wohnhaus sei beschädigt worden.

Luzk ist eine Großstadt im Westen der Ukraine. Sie liegt etwas mehr als 80 Kilometer von der polnischen Grenze entfernt. Die Westukraine galt im Vergleich zu östlicheren Regionen des Landes lange als relativ sicher.
Carim Soliman
Carim Soliman

Ukraine: Space-X schränkt Starlink-Nutzung für Militär ein

Das Umfeld des ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskij hat dem Betreiber des amerikanischen Satelliteninternetsystems Starlink vorgeworfen, die für die Armee wichtigen Dienste zu drosseln. „Aktuell betreffen die Einschränkungen das „Militärpaket“ der Dienste von Starshield; sie wurden auf eine Geschwindigkeit von 100 Meilen (160 Kilometer) pro Stunde begrenzt“, teilte Präsidentenberater Serhij Beskrestnow auf sozialen Netzwerken mit.

Die Betreiberfirma Space-X habe das ukrainische Militär nicht über die Drosselung informiert. „Das hat zum Scheitern von einigen Missionen geführt“, schrieb Beskrestnow. Er führte das Limit auf die „aktuelle politische Situation“ zurück. Zuvor hatte bereits der Ex-Berater im Verteidigungsministerium, Serhij Sternenko, auf die Einschränkungen hingewiesen. Eine offizielle Bestätigung gab es zunächst nicht dafür.

Das ukrainische Militär nutzt das Satelliteninternet unter anderem, um Drohnen bei ihrem Zielanflug fernzusteuern. Diese fliegen in der Regel schneller als 160 Kilometer pro Stunde. Bei gedrosselter Geschwindigkeit der Satellitenverbindung könnte die Verbindung zur Drohne ausfallen. Selenskij hatte zuletzt darauf gedrungen, den Einsatz von Starlink-Verbindungen für die ukrainische Armee über russischem Territorium freizugeben. Bisher sind die Internetdienste von Starlink nur über ukrainischem Gebiet freigeschaltet.

Hintergrund für die Drosselung könnten seit Langem stockende US-Vermittlungen zwischen der Ukraine und Russland sein. Medienberichten zufolge hatte Washington zuletzt auch angedroht, die Weitergabe von militärischen Aufklärungsdaten zu stoppen, falls Kiew nicht kompromissbereiter werde. Selenskij hat den USA am Dienstag mehrfach vorgeworfen, Kiew nicht rechtzeitig vor russischen ballistischen Raketenangriffen zu warnen.

Auch im Nachbarland Polen verfolgt die Regierung die Entwicklung mit Sorge und Verärgerung. Außenminister Radoslaw Sikorski wandte sich in einem höhnischen Beitrag auf X direkt an Space-X-Chef Elon Musk. „Hey, Elon Musk, großer Mann, spielst du mal wieder Politik mit deinen Produkten?“ schrieb er auf X. „Als deine europäischen Kunden haben wir dich im Blick.“ 
Die Ukraine beklagt auch, dass die USA sie nicht mehr vor Raketenbeschuss warnen, schreibt Sebastian Gierke:

Erster Tanker unterwegs: Russland nimmt Dieselausfuhren wieder auf 

Russland hat nach einer Vereinbarung mit den USA seine Dieselausfuhren wieder aufgenommen. Daten des Finanzdaten-Anbieters LSEG vom Mittwoch zufolge wurde im Ostsee-Hafen Primorsk ein Tanker mit rund 40 000 Tonnen schwefelarmem Diesel beladen. Das Schiff wurde demnach am Dienstag beladen und befindet sich auf dem Weg nach Marokko.

US-Präsident Donald Trump hatte vergangene Woche erklärt, Russland habe zugestimmt, die Weltmärkte mit Diesel zu versorgen. Das soll die Kraftstoffpreise senken. Seine Regierung setzte daraufhin die US-Sanktionen gegen russischen Treibstoff vorübergehend aus, die wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine verhängt worden waren. Trump und seine Republikaner stehen vor den Zwischenwahlen zum Kongress Anfang November wegen der hohen Spritpreise unter Druck, die sich im Zuge des von den USA begonnenen Krieges gegen Iran massiv erhöht haben.

Der stellvertretende russische Ministerpräsident Alexander Nowak sagte, es liefen Verhandlungen zwischen Russland und den USA, um einen Vertrag über die Diesellieferungen fertigzustellen. Es werde ein Mechanismus gesucht, der die Lieferungen trotz der westlichen Sanktionen gegen russische Unternehmen ermögliche.

Nowak hatte bereits am Montag erklärt, Russland könne seine Dieselausfuhren bis zum Jahresende auf drei bis 3,5 Millionen Tonnen pro Monat steigern. Dies entspreche dem üblichen Exportvolumen des Landes. Russland hatte nach der Vereinbarung mit den USA am 10. Oktober ein eigenes teilweises Ausfuhrverbot für Diesel aufgehoben. Dieses war verhängt worden, weil ukrainische Gegenangriffe auf russische Raffinerien zu Engpässen in Russland geführt hatten. 
Anna Schimpp
Anna Schimpp

Ukraine: Hunderttausende Haushalte nach russischen Angriffen ohne Strom 

Russland hat die Ukraine in der Nacht erneut massiv mit Angriffen überzogen. In der Folge gebe es Tote und Verletzte, zudem seien mindestens 600 000 Haushalte ohne Strom, schrieb der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij. Russland habe 39 ballistische Raketen und mehr als 102 Drohnen gegen die ukrainische Energieversorgung und kritische Infrastruktur eingesetzt, schrieb Selenskij in sozialen Medien. Es gebe erhebliche Schäden an 26 Einrichtungen im Bereich der Stromversorgung und vier Objekten im Öl- und Gasbereich.

Selenskij warf Moskau vor, der Aufforderung von US-Präsident Donald Trump zu einer Waffenruhe für Angriffe auf Energieanlagen nicht zu folgen. Er sprach von einem bewussten Angriff in bezeichnendem Ausmaß, „so eine demonstrative Missachtung Russlands gegenüber Amerika gab es noch nicht“. Er rief Trump zu harten Sanktionen gegen Russland auf und bat um zusätzliche Abwehrsysteme vom Typ Patriot, die als wirksam gegen ballistische Raketen gelten und an denen es der Ukraine mangelt.

Nach Angaben des ukrainischen Zivilschutzes stieg die Zahl der Todesopfer in der Hauptstadt Kiew auf drei Personen. Bei verschiedenen Angriffen im Gebiet Dnipropetrowsk kamen am Abend und in der Nacht demnach zwei Menschen ums Leben. Sechs weitere seien verletzt worden.

Das Verteidigungsministerium in Moskau bestätigte am Morgen Angriffe auf Kommunikations- und Energieinfrastruktur in der Hauptstadt Kiew und ihrem Umland sowie der Region Charkiw. Sie würden dem Rüstungssektor und den ukrainischen Streitkräften dienen, hieß es zur Begründung. Zudem will Russland 902 ukrainische Drohnen über russischem Gebiet und der annektierten Krim abgewehrt haben. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig prüfen.
Zudem schrieb der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin bei Telegram von 493 ukrainischen Drohnen, die in der Nacht in Richtung der Region Moskau geflogen seien. Der Großteil davon sei weit entfernt abgewehrt worden, 180 Drohnen seien im Anflug auf Moskau abgeschossen worden. Erneut gab es an mehreren Flughäfen in Russland Einschränkungen, wie russische Agenturen unter Berufung auf die Luftfahrtbehörde Rosawiazija meldeten. 

In der Stadt Balakowo sei ein Mensch bei einem ukrainischen Drohnenangriff getötet worden, schrieb der Gouverneur der Region Saratow, Roman Bussargin, bei Telegram. Mehrere Wohnhäuser wurden demnach beschädigt. Russlands größtes Geldhaus, die Sberbank, bestätigte russischen Agenturen zufolge, dass eines ihrer Datenverarbeitungszentren attackiert worden sei. Alle Systeme würden normal funktionieren.
Barbara Klimke

Selenskij beklagt fehlende Warnung vor russischen Raketen

Die ukrainische Hauptstadt Kiew ist erneut von ballistischen Raketen aus Russland getroffen worden – und auch diesmal hat es keine vorherige Warnung der Verbündeten gegeben, beklagte die Staatsführung. Unmittelbar nach Auslösung des Luftalarms waren schon die ersten Explosionen in der Millionenmetropole zu hören, berichtet das Nachrichtenportal The Kyiv Independent. Ein neunstöckiges Wohngebäude ging nach einem Treffer in Flammen auf, laut Bürgermeister Vitali Klitschko gab es mindestens zwei Tote und mehr als 20 Verletzte.

Wie schon am Vortag hätten die internationalen Partner auch diesmal keine Warnhinweise auf einfliegende Raketen gegeben, sagte der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij am Abend. „Erneut ohne Warnung von den Partnern“, schrieb er auf Telegram. Ziel sei auch ein Heizkraftwerk im Ostteil der Hauptstadt Kiew gewesen. Die Raketen seien erst im Anflug auf Kiew vom Radar entdeckt worden. 

Selenskij warf Russland die Vorbereitung neuer Angriffe vor. Es sei „nicht gerecht“, wenn die Russen Energieanlagen zerstören „und die Ukraine nicht einmal Warnungen vor dem Start von ballistischen Raketen erhält“. Wichtig sei, dass die USA wirklich sehen, was vor sich geht und wer Schuld daran habe, dass der Krieg weitergeht.

Die Ukraine verließ sich in ihrem Abwehrkampf gegen Russland bislang vor allem auf Aufklärungsdaten des US-Militärs, aber auch auf die anderer Nato-Mitgliedsstaaten. Zuletzt traten jedoch wieder Spannungen zwischen den Regierungen in Kiew und Washington offen zutage. US-Präsident Donald Trump bestritt zuletzt, dass Washington das Teilen von militärischen Informationen mit der Ukraine eingestellt habe.

EU treibt Beitrittsgespräche mit Ukraine und Moldau voran 

Die Europäische Union treibt die Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine und Moldau voran. Bei Beitrittskonferenzen in Luxemburg wurden am Dienstag Gespräche über zwei weitere Themenblöcke begonnen. Vertreter der 27 EU-Staaten hatten für diesen Schritt am Vortag grünes Licht gegeben.

Konkret geht es bei den neuen Themenblöcken um den Binnenmarkt sowie um Wettbewerbsfähigkeit und inklusives Wachstum. Zum Binnenmarkt gehören etwa der freie Waren-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehr sowie die Arbeitnehmerfreizügigkeit; zur Wettbewerbsfähigkeit Themen wie die Wirtschafts- und Steuerpolitik, Bildung und Forschung.

Die Entscheidung zur Ausweitung der Verhandlungen gilt für beide Länder als wichtiges Zeichen, dass sich ihre Reformanstrengungen lohnen. Vor allem die von Russland angegriffene Ukraine kosten sie viel Kraft. In dem Verhandlungsprozess zur Aufnahme in die EU soll sichergestellt werden, dass ein Kandidatenland alle Voraussetzungen für eine Mitgliedschaft erfüllt. Um ihn übersichtlicher zu gestalten, wurde er in 35 sogenannte Kapitel eingeteilt. 33 von ihnen sind sechs Themenbereichen zugeordnet, die auch Cluster genannt werden. Mit einem Abschluss der Gespräche wird vor allem bei der Ukraine nicht vor dem kommenden Jahrzehnt gerechnet. Das Land ist nach Einschätzung von Experten unter anderem im Bereich der Korruptionsbekämpfung noch weit von EU-Standards entfernt. 

Recherche zum Krieg: Russische Behörden nehmen japanischen Journalisten fest 

Der russische Geheimdienst FSB hat einen japanischen Journalisten der Zeitung Hokkaido Shimbun unter dem Vorwurf der Spionage festgenommen. Die Festnahme sei im Gebiet um die Insel Sachalin im Fernen Osten des Landes erfolgt, meldeten russische Staatsmedien unter Berufung auf den Geheimdienst. Der Mann sei nach Moskau gebracht worden, wo ein Gericht zunächst zwei Monate Untersuchungshaft anordnete.

Der Reporter soll den Angaben nach Material über die Teilnahme von Einwohnern der Kurilen-Inseln an dem seit 2022 andauernden russischen Krieg gegen die Ukraine gesammelt haben. Auf der zur Provinz Sachalin gehörenden Inselgruppe leben nur etwas mehr als 20 000 Menschen.

Die Kurilen sind eine fischreiche Inselgruppe im Pazifik, die die Sowjetunion am Ende des Zweiten Weltkriegs von Japan erobert hat. Moskau und Tokio streiten seither darüber, wem die vier südlichsten Kurilen-Inseln gehören, weshalb es bis heute keinen Friedensvertrag gibt. Einige Inseln der Kurilen befinden sich nur wenige Kilometer von der japanischen Insel Hokkaido entfernt und sind für Russland von militärischer Bedeutung.

Im August hatte ein Besuch von Russlands Präsidenten Wladimir Putin auf der Insel Iturup die Beziehungen der beiden Nachbarstaaten verschlechtert. Tokio protestierte und bezeichnete die sogenannten Nördlichen Territorien als „ureigenes japanisches Territorium“. Moskau nahm bereits mehrfach ausländische Staatsbürger mit Spionagevorwurf fest, um sie später gegen im Ausland einsitzende Russen auszutauschen. 

US-Senatoren fordern von Trump Ende des Diesel-Abkommens mit Russland 

Sechs US-Senatoren aus den Reihen der Republikaner um Donald Trump fordern gemeinsam mit sechs Demokraten von dem US-Präsidenten ein Ende des Diesel-Abkommens mit Russland. Der Vorstoß markiert eine Abkehr von der bislang fast uneingeschränkten Unterstützung der Republikaner für Trumps außenpolitische Entscheidungen.

In einem am Dienstag veröffentlichten Brief der zwölf Politiker heißt es, das Diesel-Abkommen verschaffe Russland mehr Treibstoff zur Finanzierung seines Krieges gegen die Ukraine und bringe US-Bürgern keine Vorteile. "Moskau die Möglichkeit zu geben, russischen Diesel frei auf den Weltmärkten zu verkaufen, schadet den US-Sicherheitsinteressen und ist ein Verrat am ukrainischen Volk, das sich weiterhin gegen den mörderischen, illegalen Krieg von Wladimir Putin verteidigt", hieß es. Das Abkommen sei ein Geschenk an einen Gegner und ein Verrat an Verbündeten. Es müsse rückgängig gemacht werden. Trump, der das Abkommen jüngst nach einem Telefonat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin verkündet hatte, wich vor Journalisten der Frage aus, ob Russland die Einnahmen aus dem Geschäft für den Kauf weiterer Bomben verwenden könnte.

Zu den Unterzeichnern des Briefs gehören neben dem führenden Republikaner Mitch McConnell fünf weitere Parteikollegen Trumps sowie sechs Demokraten. Der Widerspruch kommt drei Wochen vor den Zwischenwahlen am 3. November, bei denen sich die Mehrheitsverhältnisse im Kongress entscheiden. 

Trump: Geben weiterhin Geheimdienstinformationen an die Ukraine

US-Präsident Donald Trump sagt, die USA würden weiter Geheimdienstinformationen an die Ukraine geben. „Wir helfen ihnen und wir teilen Geheimdienstinformationen“, sagt Trump vor Journalisten in Washington. „Wir wollen, dass der Krieg endet, also arbeiten wir mit ihnen und Russland daran, den Krieg zu beenden.“ Trump sagt zudem, Russland werde Diesel für den Weltmarkt freigeben, nicht für die USA.

Selenskij: Partner warnten nicht vor russischem Angriff

Die Ukraine verlässt sich bei russischen Luftangriffen auf Daten ihrer Verbündeten, um Luftalarm auszulösen. Bei einem Angriff auf Kiew sei die Vorwarnung nun ausgeblieben, sagt der Präsident der Ukraine, Wolodimir Selenskij. „Zu diesem Angriff gab es leider keine Vorwarnung von unseren Partnern“, teilte er bei Telegram mit. „Aufklärungsdaten über den Abschuss russischer ballistischer Raketen helfen dabei, Menschenleben zu retten, und das ist eine der kritischsten Fragen“, sagte er. „Aber direkte oder indirekte Unterstützung Russlands, die Behinderung der Hilfe für die Ukraine und die Erschwerung des Schutzes vor ballistischen Angriffen – all das trägt definitiv nicht zum Frieden bei“, so Selenskij weiter. 

Der Präsident nannte keinen Partner namentlich, betonte aber, das Land brauche ein starkes Amerika, ein starkes Europa und Partner, „die wirklich helfen“. Die Ukraine verlässt sich in ihrem Abwehrkampf gegen den russischen Angriffskrieg traditionell vorwiegend auf Aufklärungsdaten des US-Militärs, aber auch auf die anderer Nato-Mitgliedsstaaten. Die ukrainischen Luftstreitkräfte hatten nach dem Angriff mitgeteilt, dass aufgeklärt werden müsse, warum es diesmal keine Warnung vor der russischen Attacke gegeben habe. Selenskij sprach nun von einem „hinterhältigen ballistischen Angriff auf Kiew – fünf Raketen, die zivile Infrastruktur trafen“.
Wolodimir Selenskij, Präsident der Ukraine.
Wolodimir Selenskij, Präsident der Ukraine. Danylo Antoniuk/AP/dpa

Wadephul: Ukraine muss nicht in Vorleistung treten

Außenminister Johann Wadephul verlangt von Russland, die von US-Präsident Donald Trump vorgeschlagene begrenzte Waffenruhe zuerst einzuhalten. In dem Moment, wo Russland bereit sei, einen Waffenstillstand bei den Angriffen auf Energieinfrastruktur einzuhalten, werde die Ukraine ihn auch halten, sagte der CDU-Politiker am Rande einer Sicherheitskonferenz in der polnischen Hauptstadt Warschau.
„Es ist nicht an der Ukraine, Vorleistungen zu tätigen. Die Ukraine hat diesen Krieg nicht begonnen. Eigentlich müsste Russland Vorleistungen tätigen.“
Außenminister Wadephul
Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij hatte sich für den Vorschlag offen gezeigt, allerdings betont, dass Russland darauf bislang nicht eingegangen sei. Nach Angaben Selenskijs gab es auch nach Trumps Ankündigung massive russische Luftangriffe auf zivile Ziele und die ukrainische Energieinfrastruktur.
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