Seit Samstagabend steht Julia Timoschenko im Zentrum der Aufmerksamkeit. Zuvor war die bekannteste Politikerin der Ukraine nach zweieinhalb Jahren aus der Haft entlassen worden und hielt eine emotionale Rede auf dem Maidan. Dabei wurde deutlich, dass die 53-Jährige zwar geschwächt, aber noch immer äußerst charismatisch ist. Sie hat ausgeschlossen, den Posten des Übergangsregierungschefs zu übernehmen, doch sie hält es sich offen, am 25. Mai als Präsidentin anzutreten.

Ihre Verurteilung zu sieben Jahren Haft wegen Amtsmissbrauch kritisierten viele Beobachter als politisch motiviert. Sie galt als die schärfste Widersacherin von Präsident Janukowitsch. Für ihren Willen und ihre Bereitschaft, mit Hungerstreiks ans Äußerste zu gehen, erhielt sie viel Respekt. Doch viele Demonstranten sorgen sich, dass Timoschenko "ihren Protest" nun kapern könnte. "Wir standen nicht Ihretwegen auf dem Maidan. Wir haben nicht für Sie gekämpft", heißt es in einem offenen Brief, der im Netz kursiert.

Timoschenko steht für vieles, was die Demonstranten an den ukrainischen Politikern hassen. In den neunziger Jahren häufte die "Gas-Prinzessin" in der Energiebranche ein Vermögen an und kooperierte mit Oligarchen. 2004 war sie eine wichtige Protagonistin der "Orangenen Revolution", doch als Regierungschefin zerstritt sie sich völlig mit dem damaligen Präsident Juschtschenko. Viele Beobachter merken an, dass sie in ihrer Amtszeit die Ukraine keineswegs in Richtung Europa führte oder genug gegen die Korruption tat.

Bild: AFP 24. Februar 2014, 16:342014-02-24 16:34:37 © Süddeutsche.de/ksk//joku