Süddeutsche Zeitung

Ukraine:Neuer Anlauf für Evakuierung aus Mariupol

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Bewohner der umkämpften Hafenstadt sollen mit Hilfe von UN und Rotem Kreuz in Sicherheit gebracht werden.

Von Frank Nienhuysen, München

In der umkämpften ukrainischen Hafenstadt Mariupol hat es am Sonntag weitere Versuche gegeben, eingeschlossene Zivilisten in Sicherheit zu bringen. Ersten Angaben zufolge wurden in einem Konvoi aus Bussen mehrere Dutzend Zivilisten aus dem Stahlwerk Asowstal gebracht. Beteiligt an der Aktion sind auch die Vereinten Nationen und das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), wie ein IKRK-Sprecher bestätigte.

Bereits am Samstag hatten nach russischen Angaben etwa 40 Menschen das Gebiet um das belagerte Stahlwerk Asowstal verlassen können, wie auch ein Reuters-Fotograf bestätigte. Nach Angaben der ukrainischen Seite halten sich in dem dortigen Tunnelsystem immer noch etwa tausend Zivilisten unter erschreckenden Bedingungen auf.

Die Kämpfe im Süden und Osten der Ukraine setzten sich unterdessen fort. Russlands Militärführung erklärte, mit Raketen einen Militärflughafen der südukrainischen Hafenstadt Odessa angegriffen zu haben. Eine Start- und Landebahn sei zerstört worden, getroffen worden sei ebenfalls ein Hangar, in dem die Ukraine von den USA und aus Europa gelieferte Waffen gelagert habe. Moskau hatte angekündigt, gezielt auch Waffenlieferungen des Westens anzugreifen. Der Bürgermeister von Odessa, Gennadey Truchanow, sagte jedoch, es handele sich um den erst im vorigen Sommer fertiggestellten Hauptflughafen. Getroffen und zerstört wurden am Sonntag nach ukrainischen Angaben auch Getreidesilos im Gebiet Dnipro, in einem Viertel der Millionenstadt Charkiw wurden die Menschen wegen der schweren Angriffe davor gewarnt, die Schutzkeller zu verlassen, auch wenn es keine Sirenen gebe.

Eine Woche vor dem Tag des Sieges über Nazideutschland, an dem Russland vermutlich aktuelle Erfolge im Krieg gegen die Ukraine präsentieren will, verstärken die russischen Truppen ihren militärischen Druck vor allem im Osten der Ukraine. Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij sagte in einer Videoansprache, er rechne mit massiven Angriffen im Donbass, für die Russland gerade zusätzliche Truppen zusammenziehe. Moskau hatte die Eroberung des gesamten Donbass als Kriegsziel ausgegeben.

Doch auch die Ukraine meldet immer wieder eigene militärische Angriffe, die unabhängig nicht überprüft werden konnten. Dazu gehören der Abschuss zweier russischer Kampfjets sowie mehrerer Drohnen. Mehrmals griff die Ukraine auch die von Russland besetzte Schlangeninsel im Schwarzen Meer an, ein Hinweis darauf, dass Kiew nun auch selbst immer wieder das russische Militär unter Druck setzen will. Ob auch ein brennendes Militärgebäude im russischen Belgorod von der Ukraine aus angegriffen wurde, war am Sonntag zunächst nicht bekannt. Nach Angaben des ukrainischen Generalstabs wurden seit Kriegsbeginn am 24. Februar 23 500 russische Soldaten getötet und mehr als tausend Panzer zerstört. Über die Zahl eigener Opfer machte er allerdings keine Angaben. Als Zeichen dafür, dass die USA fest an der Seite der Ukraine stünden, war auch Nancy Pelosi, Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, nach Kiew gereist, wo sie sich mit Präsident Selenskij traf.

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