Krieg in der UkraineWeiteres deutsches „Patriot“-System offenbar einsatzbereit

Das dritte der aus Deutschland gelieferten Flugabwehrsysteme ist nach Angaben des ukrainischen Präsidenten fertig installiert. Diskussionen um einen Friedensschluss mit Russland stellten Selenskij vor große Probleme, behauptet der Kiewer Bürgermeister Klitschko.

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Wichtige Updates
Ukraine: 33 Tote nach russischem Angriff auf Linienbusse in der Ostukraine
Kiew und ukrainische Regionen nach Angriffen ohne Strom 
Selenskij: Mindestens 32 Tote und 100 Verletzte bei Großangriffen an Putins Geburtstag
EU verschärft Sanktionen gegen Russland - auch Nordkorea betroffen
Schwere russische Luftangriffe auf die Ukraine: Tote und Verletzte
Anne Eberhard
Anne Eberhard

Ukraine: 33 Tote nach russischem Angriff auf Linienbusse in der Ostukraine

Bei einem russischen Bombenangriff auf die ostukrainische Stadt Kramatorsk sind nach Angaben der örtlichen Behörden mindestens 33 Menschen getötet worden. Es gebe zudem 18 Verletzte, teilte der Donezker Militärgouverneur Wadym Filaschkin mit. Von unabhängiger Seite sind die Angaben nicht überprüfbar. Der Angriff traf eine Straße in der frontnahen Stadt, auf der zu diesem Zeitpunkt zwei Linienbusse unterwegs waren. Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij sprach von einer Bushaltestelle. 

Bilder der Polizei zeigten Trümmer und Leichen auf der Straße sowie das ausgebrannte Wrack eines Busses. Filaschkin veröffentlichte in seinem Telegram-Kanal Fotos von einem ausgebrannten Bus. „Das sind Menschen, die von der russischen Armee getötet wurden“, sagte er. „Dafür gibt es keine Rechtfertigung und kann es auch keine geben.“ Filaschkin rief die noch im Gebiet Donezk verbliebenen Menschen dazu auf, in sicherere Regionen der Ukraine zu fliehen.

Angesichts der „drastischen Verschlechterung der Sicherheitslage“ wies er die städtischen Militärverwaltungen von Kramatorsk und Slowjansk an, den öffentlichen Nahverkehr einzustellen. Das Leben von Fahrgästen und Fahrern dürfe nicht gefährdet werden. Trotz der Evakuierungsappelle weigern sich immer wieder viele Bewohnerinnen und Bewohner, ihr Hab und Gut zurückzulassen. 

„Die Russen greifen gezielt Zivilisten an. Für sie ist ein Bus mit Fahrgästen ein attraktives Ziel, gerade weil man mit einem einzigen Schlag so viele Menschen wie möglich töten kann“, sagte Filaschkin. „Russland missachtet bewusst alle denkbaren Regeln der Kriegsführung und die Normen des humanitären Völkerrechts. Es wählt Ziele dort aus, wo es der Zivilbevölkerung den größten Schaden zufügen kann.“ Eine Stellungnahme aus Moskau lag nicht vor. Russland bestreitet, gezielt Zivilisten zu beschießen.
Einsatzkräfte der Feuerwehr löschen einen brennenden Bus nach einer russischen Attacke.
Einsatzkräfte der Feuerwehr löschen einen brennenden Bus nach einer russischen Attacke. . Foto: Ukrainian Emergency Service via ap

Ukrainischer Bischof verkauft Kleriker-Papiere als Schutz vor Kriegsdienst

Ein orthodoxer Bischof in der Ukraine hat 291 Wehrpflichtigen falsche Klerikerausweise und Weiheurkunden gegeben, damit sie vom Kriegsdienst in der ukrainischen Armee befreit werden. Für je 2000 Dollar bescheinigte er den ukrainischen Männern, als Diakon tätig zu sein, obwohl sie tatsächlich gar keine Geistlichen waren, wie ein Gericht nun im westukrainischen Kalusch feststellte.

Es verurteilte den Bischof wegen Behinderung der Arbeit der ukrainischen Streitkräfte im Abwehrkampf gegen Russland zu drei Jahren Haft auf Bewährung. Der entsprechende Artikel des Strafgesetzbuchs sieht eigentlich fünf bis acht Jahre Haft vor.

Als strafmildernde Umstände führt das Gericht in seinem Urteil an, der Angeklagte habe seine Schuld bekannt, aufrichtige Reue gezeigt und aktiv an der Aufklärung der Straftat mitgewirkt. Zudem habe er den ukrainischen Streitkräften umgerechnet knapp 10 000 Euro gespendet.

Kiew und ukrainische Regionen nach Angriffen ohne Strom 

Für die Ukraine bringen die verstärkten russischen Luftangriffe auf die Energieversorgung wieder mehr Stromausfälle und Abschaltungen. In der Hauptstadt Kiew und in einigen Landkreisen im Umland sei der Strom notfallmäßig abgeschaltet worden, teilte Vizeenergieminister Artem Nekrassow auf Telegram mit. Der russische Beschuss habe Anlagen beschädigt, es gebe Spannungsabfälle im Hochspannungsnetz.
Für die Millionenstadt bedeutete dies, dass in einigen Teilen auch die Pumpen der Wasserversorgung ausfielen. Bei Luftangriffen auf Kiew am Mittwochabend waren zwei Menschen getötet worden, wie der Zivilschutz mitteilte. Eine Drohne hatte ein Hochhaus getroffen.

Auch in den frontnahen Gebieten Sumy, Charkiw, Donezk und Saporischschja brach nach russischen Angriffen die Stromversorgung zusammen. Soweit die Sicherheitslage es zulasse, werde an der Wiederherstellung gearbeitet, sagte Nekrassow. 

Ukraine trifft russisches Datenzentrum 

Die Ukraine hat bei einem Gegenangriff im Abwehrkampf gegen Moskaus Invasion ein Rechenzentrum des größten russischen Internetkonzerns Yandex getroffen. Yandex bietet mit Yandex GPT eines der führenden russischen Modelle für künstliche Intelligenz an. 

Das Unternehmen selbst teilte am Morgen laut russischen Medien lediglich mit, dass es einen „Vorfall“ in einem Datenzentrum in Sassowo im Gebiet Rjasan gegeben habe. Teile der Infrastruktur seien betroffen. Die Arbeit und der Betrieb dort sei vollständig eingestellt worden. Das Unternehmen arbeite an der Beseitigung der Folgen und der Wiederherstellung der betroffenen Dienste. Auf der Webseite seines Cloud-Dienstes teilte Yandex zudem mit, es gebe Probleme mit der Stromversorgung in einem Bereich des Rechenzentrums. Es gebe keine Verletzten, gab das mitunter auch als russisches Google bezeichnete Technologieunternehmen bekannt. Die Lage sei unter Kontrolle. Die wichtigsten Yandex-Dienste funktionierten, teils könne es aber Probleme geben, hieß es. Von einem ukrainischen Angriff war nicht die Rede in der Unternehmensmitteilung, nachdem es in der Region Drohnenalarm gegeben hatte. 

Medien in Kiew meldeten, dass bei dem Angriff Raketen oder Drohnen eingesetzt worden seien. Zuvor hatten Augenzeugen in sozialen Netzwerken von einem Brand in dem Datenzentrum berichtet. Ukrainische Medien sprachen von einer für das russische Militär wichtigen Anlage auf dem Gelände eines Maschinenbauunternehmens. Auch Moskau hatte in der Ukraine immer wieder Datenzentren angegriffen.

Zudem brach in der russischen Stadt Salawat in der Region Baschkortostan nach dem Absturz von Drohnenteilen ein Feuer auf einem Industriegelände aus, wie örtliche Behörden mitteilten. Es habe keine Verletzten gegeben. Der Betrieb des Unternehmens laufe weiter. 

Selenskij: Mindestens 32 Tote und 100 Verletzte bei Großangriffen an Putins Geburtstag

Ukraines Präsident Wolodimir Selenskij zieht eine blutige Bilanz des russischen Großangriffs zu Putins Geburtstag: Die in der Nacht begonnenen russischen Attacken auf Städte der Ukraine hätten mindestens 32 Menschenleben gefordert, unter ihnen fünf Kinder. Die Gesamtzahl der Verletzten gab Selenskij mit mindestens 100 an. Bei den Angriffen hatte das russische Militär einen Waffenmix von Drohnen, ballistischen Raketen und Marschflugkörpern eingesetzt. Kremlchef Wladimir Putin, der am Mittwoch seinen 74. Geburtstag feierte, habe sich dies zum Geschenk gemacht: „Die Ermordung von Kindern, die Ermordung von Menschen.“

Seiner Ansicht nach beabsichtige Russland, diesen Kurs beizubehalten. „Putin hat nicht das Gefühl, dass ihm das Probleme bereitet“, sagte Selenskij. Die Sanktionen gegen Russland seien in vielerlei Hinsicht abgeschwächt, und die Signale zur Aufhebung der Sanktionen gegen die Oligarchen seien in Wirklichkeit Signale für eine Normalisierung des Krieges.

EU verschärft Sanktionen gegen Russland - auch Nordkorea betroffen

Die EU-Botschafter billigen 1646 neue Einträge auf der Sanktionsliste gegen Russland. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem militärisch-industriellen Komplex des Landes. Mehr als die Hälfte der neu sanktionierten Unternehmen und Personen ist an der Produktion russischer ballistischer Raketen wie der Iskander-M beteiligt. Diese können nur von US-Patriot-Luftabwehrsystemen abgefangen werden. 

Der Ukraine fehlen diese Abfangraketen jedoch fast vollständig, da das US-Militär Ressourcen in die Golfregion verlagert. Russland nutzt diese Schwachstelle für verstärkte Raketenangriffe. Wegen der engen Beziehungen zwischen Russland und Nordkorea sanktioniert die EU auch sieben nordkoreanische Organisationen und Personen.
Barbara Klimke

Schwere russische Luftangriffe auf die Ukraine: Tote und Verletzte

Russland hat die Ukraine erstmals in diesem Herbst mit einem der gefürchteten kombinierten Angriffe mit ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Kampfdrohnen überzogen. Allein in der Stadt Pryluky wurden mindestens 18 Menschen getötet und 55 weitere verletzt, wie der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij mitteilte. Unter den Toten waren nach diesen Angaben auch vier Kinder, fünf weitere Kinder wurden verletzt. In der Stadt etwa 120 Kilometer östlich von Kiew sei ein fünfstöckiger Wohnblock getroffen worden. Unter den Trümmern würden noch Verschüttete vermutet. Aus Krementschuk wurden 34 Verletzte nach einem russischen Drohnenangriff gemeldet. In der zentralen Oblast Kirowohrad starben zwei Menschen bei einem Angriff auf einen nicht näher beschriebenen Betrieb. Drei Menschen seien dabei verletzt worden.

Nach Angaben von Präsident Wolodimir Selenskij feuerte Russland insgesamt 70 Raketen, darunter viele ballistische Flugkörper, sowie zahlreiche Drohnen ab. Hauptziel sei die ukrainische Energieinfrastruktur gewesen. Die Ukraine befürchtet, dass Russland wie in den vergangenen Wintern darauf zielt, die Energieversorgung lahmzulegen. „Dies war einer der abscheulichsten Angriffe“, erklärte Selenskij über den Kurznachrichtendienst Telegram. Wegen der Schäden leitete das Energieministerium in fünf Regionen Notabschaltungen des Stromnetzes ein.

Auch die ukrainische Hauptstadt war den Angaben zufolge ein Schwerpunkt des massiven Luftangriffs. In den frühen Morgenstunden waren in Kiew viele Explosionen zu hören, wie das Portal Kyiv Independent berichtete. „Die Raketen schlagen eine nach der anderen ein. Soweit ich zählen kann, sind es mindestens zehn bis zwölf Explosionen. In der Innenstadt ist es ziemlich laut“, sagte ein Reporter. Bürgermeister Vitali Klitschko berichtete morgens von mindestens zwei Toten. Sie seien in den Trümmern von Garagen im östlichen Stadtteil Darnyzja gefunden worden. Zwei weitere Menschen seien dort lebend geborgen worden. Auch die Industriestädte Dnipro und Saporischschja wurden demnach massiv beschossen. Tote wurden auch aus der Stadt Olexandrija in der Zentralukraine gemeldet.
Russland griff nach eigenen Angaben die Rüstungsindustrie in der Ukraine massiv an. Dabei seien boden-, see- und luftgestützte Präzisionswaffen sowie Drohnen zum Einsatz gekommen, teilte das russische Verteidigungsministerium mit. Zu den Zielen hätten unter anderem Anlagen des Rüstungsunternehmens Fire Point in Kiew gehört, wo Marschflugkörper vom Typ Flamingo sowie Drohnen mit mittlerer und großer Reichweite hergestellt und gelagert würden. 

Weitere Angriffe habe es nach russischen Angaben in den Regionen Kiew, Tschernihiw, Kirowohrad, Dnipropetrowsk, Poltawa und Charkiw gegeben. Zudem seien die Hafen- und Werftinfrastruktur in der Schwarzmeer-Region Odessa sowie Schiffe ins Visier genommen worden. Letztere seien für die ukrainischen Streitkräfte genutzt worden, so das Ministerium.

Tanker vor russischer Schwarzmeerküste in Brand 

Ein unter liberianischer Flagge fahrender Tanker ist vor der russischen Schwarzmeerküste in der Nähe von Sotschi in Brand geraten. Die Aframax Rio sei von Seedrohnen angegriffen worden, teilte das russische Transportministerium in Moskau nach Angaben der Staatsagentur Tass mit. „Ein unter liberianischer Flagge fahrendes Schiff mit einer Ladung Öl wurde von unbemannten Booten angegriffen“, heißt es in der Mitteilung. Die 23 Besatzungsmitglieder aus Indien seien gerettet worden.

Der Tanker brannte den Angaben nach am Abend lichterloh. Ein Löschversuch könne erst unternommen werden, wenn sich die Intensität des Brandes vermindere, teilte das Ministerium mit. Die nächstgelegenen Strände wurden vorerst geschlossen, die Bewohner von Sotschi wurden von den Behörden aufgefordert, Fenster zu schließen und sich nicht auf den Straßen aufzuhalten. Das Schiff wird von der ukrainischen Website Black Sea News der russischen Schattenflotte zugeordnet. 

Selenskij warnt vor neuem Großangriff Russlands 

Die Ukraine rechnet nach den Worten von Präsident Wolodimir Selenskij mit einem neuen Großangriff des russischen Militärs. „Es liegen aktuelle Informationen des Geheimdienstes vor, wonach die Russen einen massiven Angriff vorbereiten“, sagte Selenskij in seiner abendlichen Videoansprache. Er rief die Bevölkerung auf, die Warnmeldungen vor Raketenangriffen zu beachten. „Die ukrainischen Sicherheitskräfte und unsere Luftstreitkräfte sind bereit zu reagieren, soweit es unsere Verteidigungsmittel zulassen“, sagte er und deutete damit den Mangel an Abwehrwaffen an.

Er fügte der Warnung seine Hoffnung auf mehr Hilfe der westlichen Verbündeten mit entsprechenden Waffensystemen hinzu. „Vieles hängt von unseren Partnern ab – von jedem Staats- und Regierungschef, von jedem Staat auf der Welt, der über die Verteidigungsmittel verfügt, die wir benötigen, und die bereit ist, diese an uns weiterzugeben“, sagte Selenskij.

Kreml weist BND-Warnung vor Konflikt mit Russland zurück 

Moskau hat Warnungen von BND-Chef Martin Jäger vor einem drohenden gewaltsamen Konflikt mit Russland zurückgewiesen. Die Äußerungen seien haltlos und dienten als Vorwand, um höhere Verteidigungsausgaben zu rechtfertigen, teilt das Präsidialamt in Moskau mit.

Der Chef des Bundesnachrichtendienstes hatte am Montag erklärt, Deutschland sei in Gefahr, in einen gewaltsamen Konflikt mit Russland zu geraten. Der Anschlagsversuch auf dem Flughafen Leipzig sei dafür nur ein Beispiel. Russland warf Jäger vor, einen zunehmend aggressiven "Schattenkrieg" gegen europäische Demokratien zu führen.

Mehr zur Anhörung der Geheimdienstchefs im Bundestag:
Ulrike Putz

Bürgermeister: Ukraine greift Moskau mit 650 Drohnen an

Die Ukraine hat die Region der russischen Hauptstadt Moskau nach Behördenangaben in der Nacht mit etwa 650 Drohnen angegriffen. Die meisten seien von der Luftabwehr aus großer Entfernung unschädlich gemacht worden, schrieb der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin auf der Plattform Telegram. 105 Drohnen seien bei ihrem Anflug auf die Hauptstadt zerstört worden. Zwei Menschen seien getötet und neun verletzt worden, teilte der Gouverneur des Moskauer Gebiets, Andrej Worobjow, mit.  Die Angaben aus Moskau konnten nicht unabhängig überprüft werden.

Sollten die russischen Angaben zur Zahl der abgeschossenen Drohnen zutreffen, würden sie auf einen großen Angriff der Ukraine hindeuten. Das Portal Kyjiv Independent berichtete unter Berufung auf Augenzeugen, bei dem Angriff sei eine Ölförderanlage etwa 40 Kilometer entfernt von Moskau ins Visier genommen worden. Die Ukraine zielt auf Anlagen der russischen Ölindustrie, um so auch den für Moskaus Kriegskasse wichtigen Energieexport zu treffen.
Ulrike Putz

Russland: Toter bei ukrainischem Drohnenangriff auf AKW Saporischschja

Russland hat der Ukraine einen tödlichen Drohnenangriff auf das von russischen Truppen besetzte Atomkraftwerk Saporischschja vorgeworfen. Bei dem Angriff in der Nacht zum Montag sei ein Fahrer getötet worden, der Lebensmittel für die Mitarbeiter lieferte, sagte der Chef des russischen Atomkonzerns Rosatom, Alexej Lichatschow. Ziele seien ein Laborgebäude und eine Anlage zur Verarbeitung radioaktiver Abfälle gewesen. Eine Gefahr für die nukleare Sicherheit bestehe jedoch nicht. Eine ukrainische Stellungnahme lag nicht vor.

Die russische Sprecherin des Außenministeriums, Maria Sacharowa, warf dem Westen vor, die ukrainischen Angriffe durch mangelnde Verurteilung zu ermöglichen. Die von Russland eingesetzte Werksleitung hatte bereits am Samstag erklärt, ukrainischer Beschuss habe die externe Stromversorgung beschädigt. Das Kraftwerk werde derzeit über Notstromdieselgeneratoren versorgt. 

Das größte Atomkraftwerk Europas wurde in den ersten Wochen des Krieges von Russland besetzt. Seitdem werfen sich Moskau und Kiew gegenseitig vor, die nukleare Sicherheit zu gefährden. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hat Beobachter vor Ort stationiert.

Selenskij erwartet Verhandlungen noch im Oktober 

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij hofft trotz der verstärkten russischen Angriffe auf sein Land auf eine baldige Wiederaufnahme von Gesprächen über eine Beendigung des Kriegs. „Ich gehe davon aus, dass es der amerikanischen Seite im Oktober gelingen wird, ein Dreiertreffen zu organisieren“, sagte er in seiner abendlichen Videoansprache. Das ukrainische Verhandlungsteam stehe bereit. „Diese Bereitschaft muss nun auch von Russland kommen.“

Die Diplomatie müsse nun auch in Russland zur Priorität werden. „Bislang konzentrieren sie sich ausschließlich auf Angriffe auf die Ukraine und auf destabilisierende Aktivitäten in Europa“, sagte Selenskij. Eine wichtige Aufgabe der USA und aller starken Partner der Ukraine sei es, Russland zur Diplomatie zu bewegen, „zu konkreten Schritten statt zu Tötungen“.

Russland hat seit Beginn seines Angriffskriegs gegen die Ukraine mehrmals angedeutet, zu Verhandlungen unter Bedingungen bereit zu sein, sich dann aber wieder davon distanziert. Eine echte Gesprächsbereitschaft Moskaus wird von Kiew, seinen westlichen Verbündeten und Beobachtern stark angezweifelt.
Kremlchef Wladimir Putin hatte Anfang des Monats erneut betont, Russland sei bereit, Verhandlungen aufzunehmen und schnellstmöglich abzuschließen. „Aber natürlich zu Bedingungen, die auch für die Russische Föderation, für unser Volk und für das russische Volk akzeptabel sind“, schränkte er ein. 
Anna Schimpp
Anna Schimpp

Ukraine: Tote und Verletzte bei Gleitbombenangriff auf Charkiw 

Durch russische Fliegerbomben sind in der ostukrainischen Großstadt Charkiw nach Behördenangaben mindestens drei Menschen getötet worden. Bürgermeister Ihor Terechow schrieb auf Telegram außerdem von mindestens 29 Verletzten. Unter den Trümmern eines Wohnhauses werde noch nach Vermissten gesucht. Eine Lagerhalle sei in Brand geraten.

Nach Terechows Angaben griff die russische Luftwaffe die Stadt mit drei sogenannten Gleitbomben an. Kampfjets klinken diese Bomben im sicheren eigenen Luftraum aus, sie fliegen dann gesteuert über Dutzende Kilometer ins Ziel. Schon in der Nacht war in Charkiw ein Mann bei einem russischen Angriff getötet worden. Dabei hatte die russische Armee unter anderem kleine Marschflugkörper des Typs Banderol eingesetzt.

Im Süden der Ukraine schlug während eines russischen Angriffs ein Geschoss an einem Grenzübergang zur Republik Moldau ein. Dabei wurde nach Medienberichten ein ukrainischer Grenzbeamter leicht verletzt. Ein Reisebus und ein Abfertigungshäuschen am Übergang nach Palanca in Moldau seien beschädigt worden. Russland hat in den vergangenen Wochen immer wieder ukrainische Grenzübergänge nach Polen, Moldau und Rumänien angegriffen. 

Familienministerin Prien in Kiew: „Wichtig, keine Angst zu zeigen“ 

Unmittelbar nach Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ist Familienministerin Karin Prien in die Ukraine gereist. „Uns ist es wichtig, in der gesamten Bandbreite unsere Unterstützung für die Ukraine zum Ausdruck zu bringen“, sagte Prien nach ihrer Ankunft am Zentralbahnhof in Kiew der Deutschen Presse-Agentur.

Die nächtliche Zugfahrt von Polen in das von Russland angegriffene Land war laut Prien ruhig. „Aber es ist schon bedrückend, die Vorstellung, in ein Kriegsgebiet zu fahren, bedrückend auch, weil die Russen angedroht haben, die Angriffe auf die Zivilbevölkerung und auch auf Diplomaten und Gäste zu intensivieren“, sagte die CDU-Politikerin. „Aber es ist wichtig gerade in dieser Situation, nicht zurückzuschrecken, keine Angst zu zeigen, sondern sehr klar zu sein“, sagte Prien. „Wir stehen als Bundesrepublik Deutschland fest zur Ukraine.“

Auf ihrer Reise wolle sie insbesondere auf das Schicksal von Kindern und Jugendlichen und auf die Unterstützung der Zivilgesellschaft hinweisen, sagte Prien. Es gehe auch darum, an die Vergangenheit zu erinnern, „die uns gemeinsam prägt“. Auch Gespräche mit ukrainischen Ministern standen auf dem Programm.

Merz war erst am Wochenende in der Ukraine gewesen. Der Rückweg des Kanzlers und die Hinfahrt Priens überschnitten sich zeitlich, so dass sich beide dabei nicht begegneten.
© SZ/dpa/rtr/epd/KNA/Bloomberg - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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