Liveblog zum Krieg in der UkraineRussen können leichter zum Militärdienst eingezogen werden

Russische Rekruten gehen auf einem Bahnhof in Prudboi in der Region Wolgograd zum Zug.
Russische Rekruten gehen auf einem Bahnhof in Prudboi in der Region Wolgograd zum Zug. (Foto: dpa)

Künftig können russischen Wehrpflichtigen die Einberufungsbescheide digital zugestellt werden. Ungarn unterläuft mit weiteren Gas-Importen aus Russland das Bestreben der EU, bei der Energieversorgung unabhängig zu werden.

Dieser Liveblog ist archiviert und wird nicht mehr aktualisiert. Die aktuelle Berichterstattung finden Sie auf unserer Themenseite zum Krieg in der Ukraine.

Wichtige Updates
Merz: Russland im "Zustand der tiefsten Barbarei"
Verhandlungen in Genf fortgesetzt, Selenskij beklagt US-Druck
Selenskij offen für Referendum zu Frontlinie 
Erster Gesprächstag zwischen Ukrainern und Russen in Genf beendet 
Trump erhöht den Druck auf die Ukraine

Selenskij wirft Russland Verzögerungstaktik vor – Treffen in Genf beendet

Die von ‌den USA vermittelten Friedensverhandlungen ​zwischen Russland ​und der ​Ukraine in Genf wurden nach knapp zwei Stunden am Vormittag offiziell schon wieder beendet. Die russische Delegation habe den Ort des Treffens verlassen, teilt die russische staatliche Nachrichtenagentur Tass mit. Eine Sprecherin des ukrainischen Chefunterhändlers Rustem Umjerow bestätigte das Ende der Gespräche. Nach Angaben der staatlichen russischen Nachrichtenagentur RIA sei das Treffen zwischen dem russischen Chefunterhändler Wladimir Medinski und Vertretern der Ukraine hinter verschlossenen Türen zunächst noch fortgesetzt worden. 

Umjerow bezeichnet ⁠die Verhandlungen als substanziell. Es habe Fortschritte gegeben und eine ​Reihe ​von Fragen sei geklärt worden. Das ‌Ziel der Ukraine bleibe ein gerechter und dauerhafter Frieden, sagt Umjerow. Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij bezeichnet die Gespräche mit Russland und den ⁠USA als schwierig. "Russland versucht, die ​Gespräche in die Länge zu ziehen, die bereits in der ‌Endphase sein könnten", schreibt der Präsident auf der Plattform X. Die Parteien hätten sich jedoch auf weitere Verhandlungen verständigt. "Wir sehen, dass Fortschritte erzielt ​wurden, aber ​im Moment gehen die Positionen auseinander, ‌weil die Verhandlungen schwierig waren", ‌teilt Selenskij Reportern in einem WhatsApp-Chat mit.

Wladimir Medinski, der russische Delegationsleiter, bezeichnet die Gespräche als „schwer, aber sachlich“. Zu den Ergebnissen sagte er nichts. Bald solle es weitere Gespräche geben, so Medinski.

Merz: Russland im "Zustand der tiefsten Barbarei"

Bundeskanzler Friedrich Merz sieht kaum Chancen für ein rasches Ende des Ukraine-Kriegs auf dem Verhandlungsweg. "Dieser Krieg wird nach meiner Einschätzung erst zu Ende gehen, wenn eine der beiden Seiten erschöpft ist, entweder militärisch oder ökonomisch", sagte der CDU-Chef den Zeitungen der Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft (NBR) und der Rheinpfalz.

Mit Blick auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin fügte Merz hinzu: "Vernunft und humanitäre Argumente werden Putin nicht überzeugen. Das ist die bittere Wahrheit." Es sei daher Ziel der europäischen Bemühungen, "dass der russische Staat den Krieg militärisch nicht weiter führen und ökonomisch nicht weiter finanzieren kann".

Nach Einschätzung von Merz kann die "russische Machtclique auf absehbare Zeit gar nicht ohne Krieg auskommen. Sie muss die Kriegsmaschinerie am Laufen halten, weil sie keinen Plan hat, was sie sonst mit den Hunderttausenden von zum Teil schwer traumatisierten Soldaten machen soll, die von der Front zurückkehren", sagte der CDU-Chef.

Den Zustand Russlands beschrieb Merz mit düsteren Worten: "Wir erleben im Augenblick dieses Land in einem Zustand der tiefsten Barbarei. Das wird sich in absehbarer Zeit auch nicht ändern, und damit müssen wir uns abfinden."
Amelie Schmidt

Ukraine sanktioniert Belarus' Staatschef Lukaschenko 

Die Ukraine hat Sanktionen gegen Alexander Lukaschenko, Machthaber der benachbarten Republik Belarus (früher Weißrussland), erlassen. Teil des Sanktionspakets sind ein Einreiseverbot und die Sperrung aller eventuellen Vermögenswerte Lukaschenkos in der Ukraine. Es ist allerdings nicht bekannt, ob der 71-Jährige persönlichen Besitz in der Ukraine hat. Aus Minsk gab es bislang keinen Kommentar dazu.

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij begründete den Schritt mit der andauernden Militärhilfe, die Belarus Kriegsgegner Russland leiste. „Im zweiten Halbjahr 2025 haben die Russen auf dem Gebiet von Belarus ein System von Relaisstationen zur Steuerung von Kampfdrohnen eingerichtet, wodurch die Möglichkeiten der russischen Armee, unsere Regionen im Norden anzugreifen, vergrößert wurden“, schrieb Selenskij auf Telegram. Dies habe bestimmte Attacken auf Energie- und Eisenbahnanlagen erst ermöglicht.

Zudem sind nach Angaben Selenskijs mehr als 3000 belarussische Unternehmen als Zulieferer für die russische Kriegswirtschaft aktiv. Lukaschenko habe die Stationierung der russischen Mittelstreckenrakete Oreschnik in seinem Land erlaubt und wichtige Komponenten für deren Bau geliefert. Diese Rakete gefährde dabei nicht nur die Sicherheit der Ukrainer, sondern ganz Europas, argumentierte Selenskij.

Die Sanktionen kommen zu einem heiklen Zeitpunkt. Kiew und Moskau verhandeln unter Vermittlung Washingtons über ein Ende des Krieges. Die USA haben in dem Zusammenhang dabei zuletzt ihre Sanktionen gegen Belarus gelockert. Lukaschenko ließ im Gegenzug Dutzende politischer Gefangener frei.
Amelie Schmidt

Verhandlungen in Genf fortgesetzt, Selenskij beklagt US-Druck

In Genf hat der zweite Verhandlungstag zwischen der Ukraine, Russland und den USA begonnen. Das meldeten die russische Nachrichtenagentur RIA und die ukrainische Delegation.

Am frühen Mittwochmorgen berichtete der US-Gesandte Steve Witkoff auf der Plattform X von "bedeutenden Fortschritten" in den Verhandlungen am Vortag. Beide Seiten ‌hätten vereinbart, ihre Regierungen zu informieren und weiter an ‌einer Einigung zu arbeiten. Der ukrainische Verhandlungsführer Rustem Umjerow erklärte, der erste Tag habe sich auf "praktische Fragen und die Mechanik möglicher Entscheidungen" konzentriert. Aus russischen Kreisen ​verlautete dagegen, die sechsstündigen ​Gespräche seien am Dienstag "sehr angespannt" ​gewesen. Eine offizielle Stellungnahme der russischen Delegation lag zunächst nicht vor.

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij ​hatte zuvor US-Präsident Donald Trump vorgeworfen, unverhältnismäßigen Druck auf Kiew auszuüben, um den seit vier Jahren andauernden Krieg zu ⁠beenden. Selenskij sagte in einem Interview mit der US-Website "Axios" am Dienstag, es sei "nicht ‌fair", dass der US-Präsident öffentlich die Ukraine und nicht Russland zu Zugeständnissen auffordere. "Ich hoffe, das ist nur seine ‌Taktik und nicht die Entscheidung", ‌wurde Selenskij zitiert. Trump hatte am Montag vor Journalisten gemahnt, die Ukraine solle "besser ‌schnell an den Tisch kommen".

Selenskij offen für Referendum zu Frontlinie 

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij zeigt sich offen für ein Referendum über ein Einfrieren des Krieges entlang der aktuellen Frontlinie. "Ich denke, dass die Menschen das in einem Referendum akzeptieren würden. Das ist meine Meinung", sagte Selenskij dem US-Nachrichtenportal Axios. Ein solcher Volksentscheid könnte parallel zu Präsidentschaftswahlen abgehalten werden. Selenskij zufolge haben seine Regierung und Washington vereinbart, dass jedes Abkommen eine Zustimmung der ukrainischen Bevölkerung per Referendum erfordert.

Die Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland über ein Ende des Krieges scheinen jedoch auf der Stelle zu treten. Der erste von zwei Verhandlungstagen in Genf endete am Abend ohne greifbare Ergebnisse. Die Gespräche fanden unter Vermittlung des US-Sondergesandten Steve Witkoff statt und sollen heute fortgesetzt werden. Russische Staatsmedien beschrieben die Atmosphäre als "sehr angespannt". Der Journalist Barak Ravid schrieb unter Berufung auf Quellen, die politischen Gespräche seien in einer "Sackgasse".

Ohne vorherige Ankündigung waren diesmal auch Vertreter der europäischen Bündnispartner der Ukraine in die Gespräche einbezogen. Zugegen waren die nationalen Sicherheitsberater aus Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Italien. Der ukrainische Chefunterhändler Rustem Umjerow bestätigte gesonderte Treffen mit Vertretern der USA und europäischer Partner. "Es ist wichtig, eine gemeinsame Sicht und eine Koordination des Vorgehens zwischen der Ukraine, den USA und Europa zu wahren", schrieb Umjerow bei Telegram.

Einen von Russland geforderten Abzug der ukrainischen Truppen aus noch gehaltenen Teilen der östlichen Gebiete Luhansk und Donezk lehnt Selenskij weiter ab. "Emotional werden die Menschen das niemals verzeihen", sagte er. Der ukrainische Staatschef will die strittigen Gebietsfragen bevorzugt bei einem direkten Gipfeltreffen mit Russlands Präsident Wladimir Putin lösen. Der Kreml lässt jedoch kein Interesse an konkreten Vorbereitungen erkennen.

Selenskij drängt auf europäische Produktion von Flugabwehrraketen 

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij hat sich zur Stärkung seines Landes für eine europäische Flugabwehrraketenproduktion besonders für Patriot-Systeme ausgesprochen. „Es gab Versprechen zu Produktionslizenzen, aber Amerika hat sich nicht dazu entschlossen, obgleich wir sowohl eine Produktion in der Ukraine als auch gemeinsam mit Nato-Partnern in der Region vorgeschlagen haben“, sagte der Staatschef in einer Videobotschaft. Er erwähnte dabei die Nachbarstaaten Rumänien und Polen. Ihm zufolge seien die aktuellen Produktionszahlen selbst mit den geplanten Erweiterungen zu gering.

Selenskij drängt immer wieder auf eine schnellere Lieferung von vor allem Raketen für die Patriot-Flugabwehrsysteme, da diese ukrainischen Angaben nach besonders effektiv gegen russische ballistische Raketen sind. 

Erster Gesprächstag zwischen Ukrainern und Russen in Genf beendet 

In der Schweiz ist der erste von zwei Verhandlungstagen zwischen Ukrainern und Russen beendet. „Nach dem gemeinsamen Teil ist die Arbeit in thematischen Gruppen fortgesetzt worden“, teilte der ukrainische Verhandlungsführer Rustem Umjerow auf Telegram mit. Die Unterhändler haben sich demnach auf „praktische Fragen und Mechanismen möglicher Lösungen“ konzentriert. Er erwähnte dabei einen politischen und einen militärischen Block. Am Mittwoch würden die Gespräche fortgesetzt. Auf russischer Seite bestätigten staatliche Nachrichtenagenturen das Ende der Unterredungen.

Am Dienstag und Mittwoch verhandeln in Genf eine ukrainische und eine russische Delegation über ein Ende des seit 2022 andauernden russischen Angriffskrieges gegen das Nachbarland. Der US-amerikanische Chefunterhändler Steve Witkoff und der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, Jared Kushner, vermitteln zwischen den Kriegsgegnern. Die Gespräche finden hinter verschlossenen Türen statt. 

Trump erhöht den Druck auf die Ukraine

Unter massivem Druck von US-Präsident Donald Trump haben Unterhändler der Ukraine und Russlands in Genf zweitägige Friedensgespräche aufgenommen. Er erwarte "große Gespräche", ⁠die "sehr einfach" sein würden, sagte Trump an Bord der Regierungsmaschine Air Force One zu Reportern. Er drängte außerdem auf ein schnelles Ende des russischen Angriffkriegs: 
Die Ukraine sollte besser schnell an den Tisch kommen.
US-Präsident Donald Trump
Am Wochenende hatte der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij beklagt, dass sein Land größtem Druck ​ausgesetzt sei, ​Zugeständnisse zu machen, während Trump kaum Forderungen an Russland formuliere. Zentraler Streitpunkt sind Gebietsansprüche. Russland verlangt, dass die Ukraine die verbliebenen 20 ‌Prozent der Region Donezk abtritt, die Moskau militärisch bislang nicht erobern konnte. Kiew lehnt das kategorisch ab. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte: "Ich ​denke nicht, dass wir ​heute mit Neuigkeiten rechnen sollten." 

Am Mittwoch sollen ​die Verhandlungen fortgesetzt werden. Auch der ukrainische Verhandlungsführer Rustem Umerow dämpfte die Hoffnungen. Man arbeite konstruktiv, aber "ohne übermäßige Erwartungen", schrieb er auf der Plattform X.

Als Vertreter der US-Regierung sind Steve ‌Witkoff und Jared Kushner in Genf in einer diplomatischen Doppelrolle unterwegs. In ​einem seltenen Versuch, zwei globale Krisen gleichzeitig zu bewältigen, nahmen sie am Vormittag zunächst an indirekten Atomgesprächen mit Iran teil, ​bevor sie zu den Verhandlungen zwischen Kiew und Moskau wechselten.

Überschattet wurde der Auftakt in Genf von schweren russischen Luftangriffen auf Ziele in der Ukraine in der Nacht zum Dienstag. In der südukrainischen Hafenstadt Odessa fiel nach Angaben von Präsident Selenskij infolge der Attacken auf das Energienetz für Zehntausende Menschen Heizung und Wasser aus.

Vor Verhandlungen: Opfer in der Ukraine, Brand in Russland

Vor der neuen Verhandlungsrunde in Genf zwischen Russland und der Ukraine unter Vermittlung der USA gehen die Luftangriffe weiter. Drei Menschen wurden nach Angaben des Zivilschutzes in der Stadt Mykolajiwka in der ostukrainischen Region Donezk bei einem Drohnenangriff auf ein ziviles Auto getötet. Eine Person sei verletzt worden. Ukrainische Medien berichteten unter Berufung auf das Energieministerium, dass in dem Auto Mitarbeiter des Wärmekraftwerks Slowjansk saßen.

In der Region Sumy im Norden der Ukraine wurde eine 68-jährige Frau bei einem russischen Drohnenangriff getötet, wie die regionale Staatsanwaltschaft mitteilte. Ihre beiden sieben und 15 Jahre alten Enkel sowie deren Eltern seien verletzt worden. Außerdem wurden den Angaben zufolge eine Frau und ein Mann im Nachbarhaus verletzt.

In der ukrainischen Hafenstadt Odessa wurden laut Militärverwaltungschef Serhij Lyssak drei Menschen verletzt, einer davon schwer. In der Nacht sei in der Stadt am Schwarzen Meer sechsmal Luftalarm ausgelöst worden, schrieb er auf Telegram. Infrastrukturobjekte und zivile Gebäude seien beschädigt worden. Dem Stromversorger DTEK zufolge trafen russische Angriffe erneut die Energieversorgung der Region Odessa. Die Zerstörungen seien außerordentlich schwerwiegend und die Reparatur werde lange Zeit benötigen, teilte der Versorger mit, ohne Details zu nennen. Auch in Dnipro gab es laut Behördenangaben Feuer infolge russischer Angriffe.

Insgesamt setzte Russland nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe in der ​Nacht 396 Drohnen und 29 Raketen ein. 367 Drohnen ⁠und 25 Raketen seien zerstört worden. Vier Raketen und 18 Drohnen seien an verschiedenen Orten in der Ukraine ​eingeschlagen.

Das ukrainische Militär nahm seinerseits Ziele in Russland ins Visier. 151 Drohnen seien abgeschossen worden, meldete die russische ⁠Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf das Verteidigungsministerium in Moskau. Nach Angaben des Zivilschutzstabs der Region Krasnodar in Südrussland kam es infolge eines Drohnenangriffs in Ilski zu einem Brand auf einer Fläche von rund 700 Quadratmetern in einer Ölraffinerie. Verletzte gebe es nicht.

Unicef: Jedes dritte Kind in der Ukraine auf der Flucht

Fast vier Jahre nach der russischen Großinvasion in die Ukraine ist laut Unicef mehr als ein Drittel der Kinder und Jugendlichen des Landes auf der Flucht. Mehr als 791 000 seien innerhalb des Landes vertrieben, etwa 1,8 Millionen hätten im Ausland Zuflucht gesucht, erklärte das UN-Kinderhilfswerk. Insgesamt haben damit Unicef zufolge nahezu 2,6 Millionen Kinder und Jugendliche in der Ukraine ihr Zuhause verloren.

Regina De Dominicis, Unicef-Regionaldirektorin für Europa und Zentralasien, sagte: „Für Kinder in der Ukraine wird es aufgrund der anhaltenden Angriffe auf Wohngebiete im ganzen Land immer schwieriger, Schutz zu finden. In vielerlei Hinsicht holt der Krieg diese Kinder immer wieder ein.“

Viele Minderjährige mussten Unicef zufolge bereits mehrfach aus ihrer Heimat fliehen: In einer Umfrage habe ein Drittel der Jugendlichen im Alter von 15 bis 19 Jahren kürzlich angegeben, mindestens zweimal geflohen zu sein. Durch Angriffe seien seit dem 24. Februar 2022 mehr als 3200 Kinder getötet oder verletzt worden. Dabei sei im vergangenen Jahr die Zahl der getöteten und verletzten Kinder gegenüber 2024 um zehn Prozent gestiegen. Das sei ein Anstieg im dritten Jahr in Folge.

Die jüngsten Angriffe auf die Energieinfrastruktur hätten zudem Millionen Kinder und Familien in eine lebensbedrohliche Lage gebracht, erklärte Unicef. Bei eisigen Temperaturen müssten sie teils tagelang ohne Heizung, Strom und Wasser auskommen. Gleichzeitig gerieten medizinische Einrichtungen durch die Angriffe und die eingeschränkte Energieversorgung zunehmend unter Druck. Auch die psychischen Belastungen nähmen immer mehr zu. In einer weiteren Umfrage habe sich vor Kurzem gezeigt: Rund ein Viertel der 15- bis 19-Jährigen verlöre die Hoffnung auf eine Zukunft in der Ukraine.

Ukraine-Gespräche gehen in Genf weiter – Erwartungen sind ​gering

Unter Vermittlung der USA setzen Russland und die Ukraine von diesem Dienstag an ihre Gespräche über ein Ende des Krieges fort. Bei den für zwei Tage angesetzten Verhandlungen in Genf wird auch Steve Witkoff erwartet, der Chefunterhändler von Donald Trump. Die ukrainische Seite möchte vor allem humanitäre Fragen und Sicherheitsgarantien in den Mittelpunkt stellen. Russland will nach Kremlangaben über die strittigen Gebietsfragen sprechen.

Kiew lehnt einen Verzicht auf die von Russland geforderten Gebiete ab, darunter auch jene in der Region Donezk, die die Ukraine selbst kontrolliert. Auch europäische Verbündete der Ukraine warnen davor, den Aggressor Russland für seinen Angriffskrieg quasi noch zu belohnen und mit einer solchen Friedenslösung womöglich nur weitere Eroberungsgelüste zu schüren.

Eine Lösung im Krieg ist bisher nicht in Sicht. Russland betont zwar immer wieder, den Krieg beenden zu wollen – allerdings zu eigenen Bedingungen. Nach Einschätzung des Institute for the Study of War (ISW) sei es unwahrscheinlich, dass russische Offizielle von ihren ursprünglichen Kriegsforderungen abweichen werden. Und auch sonst sind die Erwartungen an einen Durchbruch ​gering. Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij sagte am Samstag auf der Münchner Sicherheitskonferenz, ‌er hoffe auf ernsthafte, substanzielle Gespräche. „Aber ehrlich gesagt fühlt es sich manchmal so an, als ob die Seiten über völlig unterschiedliche Dinge sprechen.“
Ehrlich gesagt fühlt es sich manchmal so an, als ob die Seiten über völlig unterschiedliche Dinge sprechen.
Wolodimir Selenskij
Die Delegation aus Kiew wird von Rustem Umjerow, Sekretär des ukrainischen Sicherheitsrats, geleitet. Zum Verhandlungsteam gehören zudem der Chef des Präsidentenbüros, Kyrylo Budanow, Vizeaußenminister Serhij Kyslyzja und der Vizechef des Militärgeheimdienstes HUR, Wadym Skibizkyj. Die mehr als 20-köpfige Gruppe aus Moskau wird von Chefunterhändler Wladimir Medinski geleitet. Mit dabei sind laut russischen Angaben auch der Chef des Militärgeheimdienstes GRU, Igor Kostjukow, und Vizeaußenminister Michail Galusin.

Die Gespräche in der Schweiz bauen auf vorherigen Treffen in den Vereinigten Arabischen Emiraten auf. Vermittelt wurde dieser Austausch von der US-Regierung. Zusätzlich zu dem Dreiertreffen soll es auch russisch-amerikanische Gespräche über eine Wiederbelebung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Staaten geben.

Selenskij warnt vor neuem massiven russischen Luftangriff

Kurz vor Beginn einer neuen Gesprächsrunde mit Russland hat der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij vor einem massiven russischen Angriff auf Energieanlagen in der Ukraine gewarnt. „Russland kann der Versuchung nicht widerstehen und möchte in den letzten Tagen der Winterkälte den Ukrainern einen schmerzhaften Schlag zufügen“, sagte Selenskij in einer Videobotschaft. 

Die ukrainische Delegation sei bereits am Verhandlungsort Genf in der Schweiz eingetroffen. Der Ukrainer warf Moskau erneut vor, im Gegensatz zu Kiew nicht zu Kompromissen bereit zu sein. „Russland verwirft alles, setzt die Sturmangriffe an der Front und die Luftschläge auf unsere Städte und die Energieversorgung fort“, betonte Selenskij. Russland müsse zum Frieden unter anderem mit neuen Sanktionen gezwungen werden. 

Ukrainische Behörden sprechen nach Autoexplosion in Odessa von Terrorakt

Die Ukraine hat die Explosion eines Autos in Odessa am Schwarzen Meer als Terrorakt eingestuft. Das teilte der Geheimdienst SBU in der Region mit. Demnach ereignete sich die Explosion am Morgen in der Nähe eines Wohnhauses im Süden der Stadt. Der Fahrer sei verletzt ins Krankenhaus gebracht worden. Ukrainische Medien berichteten unter Verweis auf Sicherheitskreise, dass es sich bei dem Verletzten um einen ehemaligen Soldaten handeln soll.

Es war bereits die zweite Autoexplosion in der Straße innerhalb von zehn Tagen. Erst Anfang des Monats war der 21-jährige Fahrer eines Autos bei einer Explosion ums Leben gekommen. Auch diesen Vorfall hatte der SBU als Terrorakt eingestuft. Dem Nachrichtenportal „Ukrajinska Prawda“ zufolge soll der Mann Soldat gewesen sein.
Amelie Schmidt

Selenskij kündigt Treffen mit Ukraine-Unterstützern in Frankreich an

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij hat für diese Woche neue Gespräche der Ukraine-Unterstützer in Frankreich angekündigt. Bei dem Treffen im sogenannten Ramstein-Format sollen die G-7-Staaten, Partner aus Nordeuropa und dem Baltikum dabei sein, teilte er mit. Explizit nannte Selenskij auch Minister aus den USA, Kanada und der EU. Der Fokus der Gespräche solle auf der Energieversorgung liegen. 

Russland greift in diesem Winter systematisch und massiv das Energiesystem der Ukraine an. Millionen Menschen sind von stundenlangen Ausfällen der Strom-, Wasser- und Wärmeversorgung betroffen. Die Ankündigung des Treffens kommt einen Tag vor einer geplanten Verhandlungsrunde in Genf, bei der Russland und die USA über die Beendigung des seit vier Jahren andauernden russischen Angriffskriegs verhandeln wollen.
Amelie Schmidt

UN befürchtet neue Fluchtwelle

Die anhaltenden Angriffe Russlands auf die Energieversorgung der Ukraine drohen laut den Vereinten Nationen (UN) eine neue Fluchtwelle auszulösen. Schätzungsweise 325 000 Ukrainerinnen und Ukrainer könnten angesichts der Strom- und Heizungsausfälle ihre Heimatregionen verlassen, warnte die Internationale Organisation für Migration (IOM) in Genf. Es handele sich um Kinder, Frauen und Männer, die vorher schon einmal aus ihren Heimatregionen geflüchtet waren und inzwischen zurückgekehrt sind. Die Menschen litten unter den Energieunterbrechungen bei Temperaturen von bis zu minus 20 Grad. Die IOM gehört zu den Vereinten Nationen und hat nach eigenen Angaben seit Kriegsbeginn 6,9 Millionen Menschen innerhalb des Landes mit humanitären Gütern geholfen. Zudem unterstützte die Organisation weitere Millionen Menschen in elf Nachbarländern. Im Januar gab es laut UN in der Ukraine 3,7 Millionen Binnenflüchtlinge. 
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