Krieg in der UkraineParade in Moskau ohne Panzer – Putin siegessicher trotz Lage an der Front

Russische Soldaten nehmen an der Militärparade zum „Tag des Sieges“ in Moskau teil.
Russische Soldaten nehmen an der Militärparade zum „Tag des Sieges“ in Moskau teil. Maxim Shipenkov/Pool EPA/AP/dpa

Unter massiven Sicherheitsvorkehrungen feiert Russland den Sieg über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg. In einer Rede verspricht der Kremlchef den Sieg in der Ukraine – obwohl die russische Armee die Initiative vielerorts verloren hat.

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Viele Angaben über den Kriegsverlauf wie Opferzahlen oder Details zu Kämpfen stammen von ukrainischen oder russischen Behörden und lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Für unseren Liveblog verwenden wir neben eigenen Recherchen Material der Nachrichtenagenturen dpa, Reuters, epd, KNA und Bloomberg.

Wichtige Updates
Moskau reagiert auf Selenskijs „Genehmigung“ der russischen Militärparade – Waffenruhe hält bisher
Trump: Dreitägige Waffenruhe zwischen Ukraine und Russland 
Kreml: Putin zu Verhandlungen mit Europäern bereit 
WHO: Mehr als 3000 Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen in der Ukraine seit 2022
Moskaus Waffenruhe hält nicht – Ukraine und Russland melden Angriffe

Parade in Moskau ohne Panzer – Putin siegessicher trotz festgefahrener Lage an der Front

Russland hat an diesem Samstag mit seiner traditionellen Militärparade auf dem Roten Platz in Moskau den Sieg über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg gefeiert. Aus Furcht vor ukrainischen ​Drohnenangriffen war es allerdings die kleinste Parade zum „Tag des Sieges“ seit Jahren, begleitet von erhöhten Sicherheitsvorkehrungen. ⁠Über den Roten Platz rollten diesmal keine Panzer und auch kein anderes schweres Militärgerät. Stattdessen wurden Waffensysteme wie die Interkontinentalrakete Jars, ​das neue ​Atom-U-Boot Archangelsk sowie Kampfflugzeuge und Drohnen auf riesigen ‌Bildschirmen präsentiert.

In einer achtminütigen Rede versprach Kremlchef Wladimir Putin ​den Sieg in ​der Ukraine. Die Heldentaten der sowjetischen Siegergeneration ​aus dem Zweiten Weltkrieg inspirierten die Soldaten, die heute die Aufgaben der militärischen Spezialoperation erfüllten, sagte Putin mit Verweis auf die russische Bezeichnung des Krieges ‌gegen die Ukraine. Trotz der westlichen Unterstützung „marschieren unsere Helden vorwärts“, behauptete er. Allerdings ist die Lage entlang der Front in der Ukraine seit Langem festgefahren. Die russische Armee hat die Initiative über weite Abschnitte in den vergangenen Monaten verloren. Zudem bleiben die Verluste Russlands hoch.
Der belarussische Diktator Alexander Lukaschenko (li.) und Kremlchef Wladimir Putin nehmen an der Militärparade zum Tag des Sieges in Moskau teil.
Der belarussische Diktator Alexander Lukaschenko (li.) und Kremlchef Wladimir Putin nehmen an der Militärparade zum Tag des Sieges in Moskau teil. Foto: Pavel Bednyakov/Pool AP/AP/dpa
In seiner Ansprache erklärte Putin: „Der Schlüssel zum Erfolg ist unsere moralische, ethische Stärke, unser Mut und unsere Tapferkeit, unser Zusammenhalt, unsere Fähigkeit, alles durchzustehen und jede Prüfung zu bestehen.“ Während der Parade wurden Videoeinspieler von den Kampfeinsätzen der russischen Streitkräfte in der Ukraine gezeigt.

Auf dem Roten Platz gab es eine Schweigeminute, nachdem Putin in seiner Rede ausführlich an den Sieg der Roten Armee im Großen Vaterländischen Krieg erinnert hatte. Er gratulierte im Anschluss an die Parade, die mit einer Kampffliegerstaffel und den Farben der russischen Flagge am Moskauer Himmel endete, einzelnen Veteranen persönlich mit Händeschütteln zum 81. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges.

Lesen Sie hier den Bericht über die Siegesparade in Moskau von SZ-Korrespondentin Silke Bigalke (SZ Plus): 

Ukraine und Russland nutzen Feuerpause zur Truppenrotation

Die Waffen schweigen vorerst an den Fronten in der Ukraine, doch die Kriegsparteien bereiten sich auf eine baldige Fortsetzung ihrer Kämpfe vor: Sowohl die russischen als auch die ukrainischen Streitkräfte nutzen nach Angaben aus Kiew die aktuelle Feuerpause, um Verstärkung heranzuführen und die Truppen zu rotieren. Daneben würden auch neue Waffen und Munition an die Frontlinien gebracht, sagte der ukrainische Armee-Pressesprecher Viktor Trehubow im Fernsehen. 
Die Lage an den Fronten sei vorerst ruhig. „Im Moment ist alles normal“, sagte Trehubow. Zwar gebe es noch einzelne Kämpfe, doch seien diese deutlich weniger intensiv. Es sei „eine Art Ruhetag“ eingetreten. Vermutlich wollten die russischen Militärs während der Siegesparade zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Moskau keine Zwischenfälle provozieren.

Merz kritisiert Ficos Moskau-Reise

Bundeskanzler Friedrich Merz hat die Reise des slowakischen Regierungschefs Robert Fico zu den Feiern zum Tag des Sieges in Moskau kritisiert. „Robert Fico weiß, dass wir da nicht einer Meinung sind. Ich bedaure das zutiefst und wir werden mit ihm über diesen Tag in Moskau sprechen“, sagte Merz bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem schwedischen Ministerpräsidenten Ulf Kristersson in Stockholm.

Fico war als einziger Gast aus der Europäischen Union in die russische Hauptstadt gereist. An der Parade wollte Fico nicht teilnehmen, hatte aber am Freitag einen Kranz am Grabmal des unbekannten Soldaten an der Kremlmauer niedergelegt. Ficos Besuch in Moskau war im eigenen Land wie in der EU auf Kritik gestoßen.

Russland: Frieden in der Ukraine noch in weiter Ferne

Ein Friedensabkommen mit der ​Ukraine ist nach Angaben der russischen Führung noch in weiter Ferne. ⁠Die Details seien zu komplex, sagte Kremlsprecher Dmitrij Peskow im Staatsfernsehen. Auch wenn es verständlich sei, ​dass die ​USA es eilig hätten. 

Russland und ‌die Ukraine hatten sich auf ‌eine von den USA vermittelte dreitägige Feuerpause von Samstag bis Montag geeinigt. US-Präsident Donald Trump ​hatte Hoffnungen ​auf eine Verlängerung der Waffenruhe geäußert. ​Kremlberater Juri Uschakow stellte jedoch klar, dass die Feuerpause auf drei Tage angelegt sei und nicht länger ‌dauern solle.

Militärparade in Moskau hat begonnen

Auf dem Roten Platz in Moskau hat die große Militärparade zum Tag des Sieges der Sowjetunion über Nazi-Deutschland mit Tausenden Soldaten begonnen. Kremlchef Wladimir Putin hält eine Rede zum 81. Jahrestag des Sieges im Großen Vaterländischen Krieg, wie der sowjetische Teil des Zweiten Weltkriegs offiziell heißt. Geschützt wird der Präsident bei dem öffentlichen Auftritt vor internationalen Gästen durch ein extremes Sicherheitsaufgebot. Auch das mobile Internet ist abgeschaltet.

An der Parade nehmen auch Soldaten der russischen Invasion in der Ukraine teil. Nordkoreanische Soldaten sind ebenfalls vertreten. Sie hatten in der russischen Region Kursk gegen ukrainische Einheiten gekämpft.

Die Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945 in Berlin fiel in Moskau schon in die frühen Morgenstunden des 9. Mai. Deshalb begeht Russland immer an diesem Datum den Tag des Sieges.
An der Militärparade in Moskau nehmen auch nordkoreanische Soldaten teil.
An der Militärparade in Moskau nehmen auch nordkoreanische Soldaten teil. Foto: Pavel Bednyakov/Pool AP/AP/dpa
Newsdesk
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Moskau reagiert auf Selenskijs „Genehmigung“ der russischen Militärparade – Waffenruhe hält bisher

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij ist in Russland für sein Dekret mit einer „Genehmigung“ der russischen Militärparade auf dem Roten Platz in Moskau kritisiert worden. „Wir brauchen von niemandem eine Erlaubnis“, sagte Kremlsprecher Dmitrij Peskow dem russischen Staatsfernsehen. „Wehe dem, der versucht, sich über den Tag des Sieges lustig zu machen und solche dummen Witze zu reißen“.

Selenskij hatte am Freitag einen Erlass „Über die Ausführung einer Parade in Moskau“ mit den Koordinaten des Roten Platzes veröffentlicht, die von ukrainischen Angriffen ausgenommen werden sollen. Das Dekret ging einher mit der von US-Präsident Donald Trump vermittelten Waffenruhe, die bis 11. Mai gelten soll. Bis zum Morgen gab es keine offiziellen Berichte über Verstöße gegen diese Vereinbarung.

Selenskij "erlaubt" Militärparade auf Rotem Platz in Moskau 

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij "erlaubt" per Dekret die russische Militärparade zum Tag des Sieges über Nazi-Deutschland in Moskau. Zudem sichert er zu, dass keine Waffen auf den Roten Platz gerichtet werden. "Ich ordne hiermit an: die Abhaltung einer Parade in der Stadt Moskau am 9. Mai 2026 zu gestatten", heißt es in dem Erlass. Der Rote Platz werde vom geplanten Einsatz ukrainischer Waffen ausgenommen. 

Trump: Dreitägige Waffenruhe zwischen Ukraine und Russland 

US-Präsident Donald Trump hat nach eigenen Angaben Russland und die Ukraine von einer ab morgen geltenden dreitägigen Waffenruhe überzeugt. Diese werde die Aussetzung aller Kampfhandlungen sowie den Austausch von 1000 Gefangenen jeder Seite umfassen, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. Die Bitte sei direkt von ihm vorgebracht worden. Er sei Kremlchef Wladimir Putin und dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskij sehr dankbar, dass sie zugestimmt hätten, schrieb Trump.

„Hoffentlich ist dies der Anfang vom Ende eines sehr langen, tödlichen und hart ausgetragenen Kriegs“. Die Gespräche für eine Beendigung des Kriegs - „des größten seit dem Zweiten Weltkrieg“ - gingen weiter. Jeden Tag käme man näher ans Ziel, sagte Trump. Tatsächlich mangelte es bei den Verhandlungen zuletzt an sichtbaren Fortschritten.

Nach der Ukraine bestätigte auch Russland die Waffenruhe. Selenskij  dankte Trump für den diplomatischen Einsatz. Russland habe dem Gefangenenaustausch zugestimmt, schrieb er auf dem Portal X. „Ein Waffenruhe-Regime muss für die Tage 9., 10. und 11. Mai eingerichtet werden“, sagte er. Er habe sein Team angewiesen, alles dafür vorzubereiten. Die Ukraine wolle ihre Gefangenen nach Hause bringen. Für den Kreml bestätigte der außenpolitische Berater Putins, Juri Uschakow, laut staatlicher Nachrichtenagentur Tass die Vereinbarung. 

Für den Tag des Sieges in Russland am Samstag galt bereits seit Freitag eine Waffenruhe, die Moskau einseitig ausgerufen hat. Trotzdem griff die russische Armee nach ukrainischer Darstellung weiter so oft an, dass Kiew nach Selenskijs Darstellung bislang keinen Anlass hatte, die Waffen schweigen zu lassen. In Moskau soll am Samstag die traditionelle Militärparade vor Putin auf dem Roten Platz stattfinden.

Am Donnerstag hatte sich der Sekretär des nationalen Sicherheitsrats der Ukraine, Rustem Umjerow, mit US-Vertretern getroffen. Bei dem Treffen ging es nach Angaben Selenskijs um Vereinbarungen zu Sicherheitsgarantien und humanitäre Fragen wie den Austausch von Kriegsgefangenen.

Nach Gesprächen in den USA erwartet Kiew in den nächsten Wochen Gesandte Trumps. Als Termin für den Besuch nannte Selenskij die Zeitspanne bis zum Beginn des Sommers, derzeit liefen die Absprachen dazu, schrieb er in sozialen Medien.

Selenskij: US-Vertreter in der Ukraine erwartet

Nach Gesprächen in den USA über ein Ende des russischen Angriffskriegs erwartet Kiew in den nächsten Wochen Vertreter von US-Präsident Donald Trump. Als Termin für den Besuch nannte der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij die Zeitspanne bis zum Beginn des Sommers, derzeit liefen die Absprachen dazu, schrieb er in sozialen Medien.

Am Vortag war der Sekretär des ukrainischen Nationalen Sicherheitsrats, Rustem Umjerow, zu Gesprächen in den USA. Die Treffen seien inhaltsreich gewesen, sagte Selenskij. Thema waren demnach Vereinbarungen zu Sicherheitsgarantien und humanitäre Fragen wie der Austausch von Kriegsgefangenen.
Laura Otter

Kreml: Putin zu Verhandlungen mit Europäern bereit 

Der russische Präsident Wladimir ​Putin ist nach Angaben des Kremls zu Verhandlungen mit europäischen Staaten über ein Kriegsende bereit. Das sagt Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow mit Blick auf einen Bericht der Financial Times. Die ⁠Zeitung meldete, EU-Vertreter bereiteten sich auf mögliche Gespräche mit Russland vor.

EU-Ratspräsident António Costa sehe „Potenzial“ für Verhandlungen der Staatengemeinschaft mit Putin. ​Die EU ​habe dafür auch die Rückendeckung des ukrainischen Präsidenten ‌Wolodimir Selenskij. Dieser Schwenk geht der Financial Times zufolge auf ‌die Frustration der Europäer über die bisher von US-Präsident Donald Trump geleiteten Verhandlungen zurück. 
 Putin ist bereit, mit jedem zu verhandeln. Das hat er wiederholt erklärt. 
Russischer Präsidialamtssprecher Dmitrij Peskow
Die Europäische Union hat nach Beginn des völkerrechtswidrigen russischen Angriffskriegs auf die Ukraine diplomatische Konsequenzen gezogen: Seitdem gibt es massive politische und wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland. Viele Dialogformate wurden eingestellt. Kreml-Sprecher Peskow behauptet nun, die russische Seite habe den Abbruch der Beziehungen nicht veranlasst und sei zum Dialog bereit. 

Europäische Politiker hatten wiederholt erklärt, Russland dürfe in der Ukraine nicht gewinnen und auf die Gefahr hingewiesen, dass Moskau ansonsten eines Tages auch ein Nato-Mitglied angreifen könnte. Die Regierung in Moskau weist dies zurück. Putin wiederum wirft den europäischen Staaten Kriegstreiberei vor, ⁠da sie die Ukraine mit Milliardenhilfen, Waffen ‌und Geheimdienstinformationen unterstützen.

WHO: Mehr als 3000 Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen in der Ukraine seit 2022

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die anhaltenden Angriffe auf Krankenhäuser und andere medizinische Einrichtungen in der Ukraine angeprangert. Seit Beginn der russischen Invasion gegen die Ukraine im Februar 2022 seien mehr als 3000 Attacken gegen Gesundheitseinrichtungen erfasst worden, erklärte das WHO-Regionalbüro Europa am Freitag in Kopenhagen.

Dabei seien 239 Menschen getötet worden. Weitere 983 Menschen hätten Verletzungen erlitten. Etwa 20 Prozent der registrierten Angriffe richteten sich laut WHO gegen Krankenwagen und andere Fahrzeuge des Gesundheitswesens.

Das WHO-Regionalbüro betonte, dass Gesundheitseinrichtungen unter dem besonderen Schutz des humanitären Völkerrechts stehen. Es forderte ein Ende der Attacken. Laut UN-Mitarbeitern sind für die allermeisten Angriffe in der Ukraine die russischen Streitkräfte verantwortlich. UN-Ermittler werfen den russischen Invasoren schwerste Kriegsverbrechen vor.

In der Ukraine brauchen laut WHO etwa 9,2 Millionen Menschen medizinische Hilfe. Darunter seien auch viele Menschen, die in dem Krieg Verletzungen erlitten hätten. Nach Schätzungen belaufe sich der Bedarf für den Wiederaufbau des ukrainischen Gesundheitswesens in den nächsten zehn Jahren auf 23,6 Milliarden US-Dollar (20 Milliarden Euro).

Moskaus Waffenruhe hält nicht – Ukraine und Russland melden Angriffe

Die von Moskau einseitig ausgerufene Waffenruhe begann um 0 Uhr (23 Uhr MESZ) und sollte – so die Ankündigung Russlands – drei Tage halten. Dennoch gab es bereits am Morgen aus beiden Ländern Berichte über gegenseitige Angriffe. Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij erklärte, russische Truppen hätten ⁠in der Nacht ukrainische Stellungen attackiert. „Alles deutet darauf hin, dass es von der russischen Seite nicht mal zum Schein einen Versuch gab, das Feuer an den Fronten einzustellen“, schrieb er auf Telegram. Seinen Angaben nach hat Russland bis in den Morgen mehr als 850 Drohnen eingesetzt und mehr als 140 Mal ukrainische Positionen beschossen. Kiew werde spiegelbildlich antworten, fügte er hinzu.

Zudem bestätigte Selenskij in einem weiteren Telegram-Beitrag den Angriff ukrainischer Drohnen auf die russische Stadt Jaroslawl. Dort, 700 Kilometer von der Grenze entfernt, sei eine Ölanlage getroffen worden, die für die Kriegsfinanzierung Russlands wichtig sei, schrieb er. Dazu stellte er ein Video, das die brennende Raffinerie zeigen soll.

Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte unterdessen mit, dass das russische Militär lediglich spiegelbildlich auf ukrainische Attacken reagiert habe. Es warf Kiew Angriffe an der Front und auf zivile Objekte in Russland vor. An der Front habe es mehr als 1300 Verstöße der Ukraine gegen die russische Feuerpause gegeben, so das Ministerium. In Russland seien insgesamt 264 ukrainische Drohnen abgeschossen worden.

Wegen der Angriffe stellten 13 Flughäfen im Süden ​Russlands vorübergehend ihren Betrieb ein, wie das Verkehrsministerium mitteilte. Der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin erklärt, auch die Hauptstadt ​sei ins Visier genommen worden. Sobjanin meldete den Abschuss von 25 Drohnen, die Richtung Moskau geflogen seien. Über Folgen der Attacke wurde bislang nichts bekannt. Die Ural-Region Perm wurde Behörden zufolge ebenfalls mit Drohnen angegriffen.

Berichte über ukrainische Angriffe gab es zudem aus der an die Ukraine grenzenden Region Rostow. Der zuständige Gouverneur meldete Zerstörungen durch Drohnentrümmer in mehreren Städten. Tote und Verletzte gebe es nicht, erklärte er. Ukrainische Telegram-Kanäle veröffentlichten derweil zahlreiche Videos aus der Stadt Rostow. Die Aufnahmen zeigen schwere Brände, die bis in den Morgen anhielten. Bei einem der getroffenen Objekte soll es sich um einen Rüstungskonzern handeln. Unabhängig konnten diese Berichte bisher nicht bestätigt werden.

Vor Moskauer Parade: Selenskij warnt Vertreter anderer Staaten 

Vor dem traditionellen Tag des Sieges in Moskau hat der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij Vertreter Russland nahestehender Staaten davor gewarnt, in die russische Hauptstadt zu kommen. Es gebe Meldungen aus einigen dieser Staaten, dass deren Vertreter beabsichtigten, sich in Moskau aufzuhalten, so Selenskij. „Ein merkwürdiger Wunsch in einer Zeit wie dieser. Wir raten davon ab“, schrieb der Präsident auf Telegram.

Moskau feiert traditionell am 9. Mai den Sieg der Sowjetunion über Nazi-Deutschland auch mit einer Militärparade auf dem Roten Platz und hat zu den Feiern einseitig eine Waffenruhe ausgerufen. „Sie wollen die Erlaubnis der Ukraine, ihre Parade abzuhalten, um einmal im Jahr für eine Stunde sicher auf den Platz zu gehen“, sagte Selenskij. Danach wolle Russland weiter Menschen in der Ukraine töten und Krieg führen.

Moskau hatte kurz zuvor seine einseitig ausgerufene Feuerpause bekräftigt. Entsprechend der Entscheidung von Kremlchef Wladimir Putin erkläre Russland über die Tage zum Gedenken an den sowjetischen Sieg über Nazi-Deutschland von 0 Uhr am Freitag (Donnerstag, 23 Uhr MESZ) bis zum 10. Mai eine Waffenruhe, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. In dem Zeitraum würden russische Truppen vollständig die Kampfhandlungen einstellen.

Gleichzeitig wiederholte Moskau seine Drohung, mit einem massiven Angriff auf das Zentrum von Kiew zu reagieren, sollte die Ukraine versuchen, die Feierlichkeiten in Moskau zu stören. Das Ministerium rief erneut ausländische Diplomaten und Zivilisten auf, die ukrainische Hauptstadt zu verlassen.

Wadephul übt scharfe Kritik an russischen Drohungen 

Mit scharfer Kritik hat Außenminister Johann Wadephul (CDU) auf indirekte Drohungen des Kreml gegen diplomatische Vertretungen in Kiew reagiert. Die Drohungen seien „inakzeptabel“, sagte er der Bild.

Wadephul sprach mit Blick auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin von einem „Zeichen der Panik, die in Moskau umgeht, weil die Konsequenzen der endlosen Kette schwerster Fehlentscheidungen Putins nicht mehr zu verstecken sind“. Der Krieg gegen die Ukraine sei ein fortlaufendes Verbrechen gegenüber der Ukraine, mit jedem weiteren Tag aber auch ein Beweis der absoluten „Verachtung gegenüber den eigenen Soldaten, die als Kanonenfutter zu Tausenden in verlorene Schlachten geschickt werden“, sagte der Außenminister. „Das Regime weiß genau, dass seine eigene Bevölkerung die geplante Siegesparade vor diesem Hintergrund nur als Hohn empfinden kann.“

Hintergrund der Auseinandersetzung sind die bevorstehenden russischen Feiern anlässlich des Sieges im Zweiten Weltkrieg am 9. Mai. Präsident Putin hatte hierfür eine zweitägige Waffenruhe im Krieg gegen die Ukraine angekündigt, die am 8. und 9. Mai gelte. Für den Fall ukrainischer Angriffe zu den Siegesfeiern am 9. Mai drohte Russland mit Vergeltung im Zentrum von Kiew. Die Zivilbevölkerung und Mitarbeiter ausländischer diplomatischer Vertretungen sollten dann die Dreimillionenstadt rechtzeitig verlassen, wie es aus dem Verteidigungsministerium am Montag geheißen hatte.

Wadephul betonte: „Wir stehen weiter an der Seite der Ukraine und lassen uns nicht einschüchtern.“ Mit Blick auf die indirekten Drohungen gegen diplomatische Vertretungen in der ukrainischen Hauptstadt sagte der Außenminister, man beobachte die Sicherheitslage genau und stehe in engem Kontakt mit anderen diplomatischen Vertretungen vor Ort. 

Bericht: EU bereitet sich auf mögliche Gespräche mit Putin vor 

Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union bereiten sich einem Zeitungsbericht zufolge auf mögliche Gespräche mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin vor. EU-Ratspräsident António Costa sehe "Potenzial" für Verhandlungen mit Putin, berichtet die Financial Times unter Berufung auf einen hochrangigen Beamten. Die EU habe dafür die Rückendeckung des ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskij, heißt es in dem Artikel. 
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