Bildungspolitik:Wie ukrainische Schüler in Deutschland unterrichtet werden

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Bildungspolitik: In Berlin lernen ukrainische Schülerinnen und Schüler in sogenannten Willkommensklassen Deutsch.

In Berlin lernen ukrainische Schülerinnen und Schüler in sogenannten Willkommensklassen Deutsch.

(Foto: Monika Skolimowska/dpa)

Die Kultusminister rechnen mit bis zu 400 000 geflüchteten ukrainischen Kindern und Jugendlichen an deutschen Schulen. Ein Überblick über die Maßnahmen in einigen Bundesländern.

Von Kathrin Müller-Lancé

Die Bundesregierung geht davon aus, dass eine Million Menschen aus der Ukraine nach Deutschland kommen könnten. Laut der Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Karin Prien, könnte es sich bei knapp der Hälfte, also etwa 400 000, um Schülerinnen und Schüler handeln. Um diese zu unterrichten, bräuchte es 24 000 zusätzliche Lehrkräfte, rechnet die Bildungsministerin Schleswig-Holsteins (CDU) in einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland vor.

Eine kurze Umfrage in deutschen Bildungsministerien zeigt, dass die Länder vor allem auf zwei Maßnahmen setzen, um die ukrainischen Geflüchteten in die deutschen Schulen zu integrieren: Das von Prien angesprochene zusätzliche Personal - und sogenannte Willkommensklassen, in denen die Kinder und Jugendlichen schnell Deutsch lernen sollen. Diese speziellen Klassen für Geflüchtete wurden in einigen Bundesländern schon 2015 eingerichtet. In manchen Bundesländern bestehen sie immer noch, in anderen werden sie gerade neu eingeführt.

Doch die aktuelle Lage ist anders als 2015: Niemand weiß, wie lange die ukrainischen Geflüchteten in Deutschland bleiben werden. Vor einigen Wochen sorgte die ukrainische Generalkonsulin Iryna Tybinka mit einem Auftritt vor der Kultusministerkonferenz für Wirbel: Sie sprach sich gegen "Integrationsklassen" aus und plädierte für Unterricht nach ukrainischen Lehrplänen. Viele Länder halten dennoch an dem Konzept fest - versuchen aber auch, Lehrkräfte aus der Ukraine an den Schulen einzusetzen.

In Schleswig-Holstein, dem Land, in dem Karin Prien das Bildungsministerium leitet, wurden bis Anfang April etwa 2000 ukrainische Schülerinnen und Schüler registriert. Die Schulen integrieren die geflüchteten Kinder und Jugendlichen zunächst in die Regelklassen. In einem nächsten Schritt werden die Deutschkenntnisse ermittelt. Dann werden die Schülerinnen und Schüler einer Gruppe zugeordnet, in der sie Deutsch als Zweitsprache lernen. Das Bildungsministerium in Schleswig-Holstein hat den Schulen zusätzliche Gelder bereitgestellt, mit denen diese Aushilfskräfte einstellen und aufstocken können. Auch geflüchtete ukrainische Lehrerinnen und Lehrer können sich in dem Bundesland bewerben. Bislang wurden in Schleswig-Holstein acht Lehrkräfte aus der Ukraine eingestellt.

In Berlin unterrichten bereits 30 ukrainische Lehrerinnen und Lehrer in sogenannten Willkommensklassen. Bisher wurden in den Berliner Schulen etwa 2000 ukrainische Kinder und Jugendliche aufgenommen, teilt die Berliner Senatsverwaltung für Bildung mit. Etwa die Hälfte davon lerne in Willkommensklassen Deutsch, die andere Hälfte sei bereits in Regelklassen integriert.

Auch in Nordrhein-Westfalen gibt es Willkommensklassen für Geflüchtete. Ob sie diese anbieten oder die ukrainischen Kinder und Jugendlichen direkt in den Regelunterricht aufnehmen, entscheiden die Schulen in dem Bundesland selbst. Um die geflüchteten Schülerinnen und Schüler unterrichten zu können, hat das Land mehr etwa 1000 neue Stellen für Lehrkräfte ausgeschrieben. Um möglichst schnell geeignetes Personal zu finden, hat das Ministerium zum Beispiel bereits pensionierte Lehrerinnen und Lehrer angeschrieben und Teilzeitkräften angeboten, aufzustocken. Geflüchtete Lehrkräfte aus der Ukraine wurden in Nordrhein-Westfalen bisher noch nicht eingestellt. Das Ministerium will aber bald eine Ausschreibung veröffentlichen, auf die sich ukrainische Lehrerinnen und Lehrer bewerben können.

Das Land Bayern setzt zur Integration auf sogenannte pädagogische Willkommensgruppen. Bisher wurden etwa 400 solcher Klassen für ukrainische Geflüchtete eingerichtet. Für den Unterricht in den Willkommensgruppen hat das Ministerium 1400 Willkommenskräfte eingestellt, das seien zum Beispiel pensionierte Lehrerinnen und Lehrer oder Studierende, erklärt ein Sprecher. Etwa 300 der Willkommenskräfte sprächen Russisch oder Ukrainisch. An einigen bayerischen Schulen sind auch schon geflüchtete ukrainische Lehrerinnen und Lehrer im Einsatz.

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