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Ukraine-Konflikt:USA sprechen von russischem Raketenbeschuss

Ukraine Russland Satellitenbild

Von den USA veröffentlichte Satellitenaufnahmen sollen russische Angriffe auf die Ukraine zeigen. Das vorliegende Bild soll hingegen einen Beschuss bereits von ukrainischem Territorium aus aufzeigen.

(Foto: AP)

Washington legt Satellitenaufnahmen vor, die sowohl eine russische Attacke gegen ukrainische Streitkräfte belegen sollen als auch die Unterstützung der Separatisten. Russland wirft den USA indes vor, die OSZE-Mission in der Ukraine zu behindern.

  • Die USA legen Satellitenaufnahmen vor, die beweisen sollen, dass russische Soldaten auf ukrainische Streitkräfte geschossen haben.
  • Russlands Außenminister Lawrow wirft US-Diplomaten vor, die OSZE-Mission in der Ukraine zu behindern.
  • Die Niederlande haben ein Expertenteam in die Ostukraine entsandt. Die Spezialisten sollen menschliche Überreste bergen, die sich noch auf dem weitläufigen Gelände befinden, über dem Flug MH17 vor zehn Tagen abgestürzt war.
  • Zur Zeit bewertet die OSZE den Besuch vor Ort vor als zu risikoreich. Wann die Experten an die Absturzstelle können, ist unklar.

Washington präsentiert Fotos zu Russlands Verantwortung

Die USA werfen Russland vor, ukrainisches Gebiet mit Raketen beschossen zu haben. Das Außenministerium in Washington veröffentlichte am Sonntag Aufnahmen, die nach seinen Angaben belegen, dass russische Streitkräfte über die Grenze hinweg in der vergangenen Woche auf das ukrainische Militär feuerten. Zu sehen seien Abschussrampen sowie Einschlagskrater, die auf einen mehrfachen Beschuss mit Raketenwerfern hindeuteten. Außerdem würden die Aufnahmen belegen, dass prorussische Separatisten ukrainische Truppen mit schwerer Artillerie aus Russland angegriffen hätten.

Russland wirft den USA Behinderung der OSZE-Mission in der Ukraine vor

Russland hat der US-Regierung vorgeworfen, die Aufklärungsarbeit der Organisation für Zusammenarbeit und Sicherheit in Europa (OSZE) an der Absturzstelle von Malaysia-Airlines-Flug MH17 zu behindern. Außenminister Sergej Lawrow habe von seinem US-Kollegen John Kerry in einem Telefonat am Sonntag verlangt, dass "dessen Befehlsempfänger nicht länger die OSZE von ihrer laufenden Arbeit abhalten", hieß es in einer Mitteilung des Außenministeriums in Moskau. Die OSZE-Beobachter konnten bislang nach eigenen Angaben aus Sicherheitsgründen nicht zur Absturzstelle im heftig umkämpften Osten der Ukraine vordringen. Kerry habe Lawrow während des Telefonats im Gegenzug angewiesen, "die Lieferungen schwerer Waffen sowie den Raketen- und Artilleriebeschuss von Russland in die Ukraine zu stoppen", sagte ein ranghoher Vertreter des US-Außenministeriums. Lawrow habe den Vorwurf russischer Waffenlieferungen zurückgewiesen.

Niederländische Forensiker von Unfallstelle abgeschirmt

Die niederländische Regierung rechnet damit, dass sich an der Absturzstelle von Flug MH17 in der Ostukraine noch weitere Opfer befinden. Um die menschlichen Überreste zu bergen, ist ein Team von 30 niederländischen Spezialisten angereist. Die Forensiker wollten im Laufe des Sonntags bei Grabowe ankommen, teilte das niederländische Justizministerium in Den Haag mit. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) strich den Besuch jedoch aus Sicherheitsgründen.

Vorerst will die niederländische Regierung darauf verzichten, eine bewaffnete Schutztruppe zum Schutz der Experten zu schicken. Die neu aufgeflammten Kämpfe zwischen der ukrainischen Armee und prorussischen Rebellen machten einen solchen Einsatz zur Zeit unmöglich, erklärte der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte nach einer Dringlichkeitssitzung seines Kabinetts in Den Haag. Auch ein begrenzter militärischer Einsatz mit dem Ziel, die Bergungsarbeiten an der Absturzstelle zu ermöglichen, könne zu einer Eskalation führen, betonte er.

OSZE-Besuch an der Absturzstelle wurde abgesagt

Am Samstag waren in Charkow bereits 40 unbewaffnete niederländische Militärpolizisten eingetroffen. Sie sollten eigentlich gemeinsam mit australischen Polizisten helfen, die Absturzstelle zu sichern. Ein für heute geplanter Besuch einer Delegation der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) musste jedoch abgesagt werden. "Vor Ort wird weiter gekämpft, wir können das Risiko nicht eingehen", sagte der stellvertretende Leiter der Beobachtermission der OSZE, der Schweizer Alexander Hug. Die Sicherheitslage sei "inakzeptabel für unsere unbewaffnete Beobachtermission".

Berichten zufolge waren sowohl Panzer der ukrainischen Armee als auch der Separatisten in der Nähe. Granateneinschläge waren zu hören, über dem Gebiet standen Rauchwolken.

Kiew will Kontrolle über Absturzstelle erobern

Ukrainische Truppen versuchen nach Kiewer Angaben, die Gegend um die Absturzstelle wieder unter ihre Kontrolle zu bringen. Ein Sprecher des nationalen Sicherheitsrates nannte als Ziel, internationalen Experten für ihre Untersuchungen sicheren Zugang zur Unglücksstelle zu verschaffen. In den Tagen vorher hatte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko eine Waffenruhe im Umkreis von 40 Kilometern um die Absturzstelle bei Grabowo zugesagt.

Die prorussischen Rebellen, die das Gebiet in der Ostukraine derzeit kontrollieren, hatten sich bei der Bergung der Opfer und der Untersuchung der Absturzstelle nicht an internationale Standards gehalten. Sie hatten weder das Gebiet, auf dem die Trümmerteile verteilt sind, abgesperrt, noch Unbefugten den Zugang aufs Gelände untersagt. So konnte beispielsweise ein britischer Reporter Gepäckstücke der Opfer durchwühlen. Außerdem behinderten die Rebellen immer wieder die Arbeit unabhängiger Ermittler.

Separatistenführer trifft Übereinkunft mit malaysischer Regierung

Zuletzt hatten die Separatisten gegenüber der malaysischen Regierung Entgegenkommen signalisiert. So verkündete Ministerpräsident Najib Razak, man habe eine Vereinbarung mit Milizenführer Alexander Borodai getroffen. Dieser sei einverstanden, ausländische Polizisten in das Absturzgebiet zu lassen. "Ich hoffe, dass diese Übereinkunft mit Herrn Borodai die Sicherheit am Boden gewährleisten wird, so dass internationale Ermittler ihre Arbeit durchführen können", hieß es in Mitteilung auf Razaks offiziellem Facebook-Profil.

Australisches Ehepaar besucht Absturzstelle

Erstmals haben Angehörige von Opfern die Absturzstelle nahe des Örtchens Grabowe besucht. Das australische Ehepaar Dyczynski machte sie laut einem Bericht der Nachrichtenagentur AFP trotz Warnungen der australischen Regierung in das umkämpfte Gebiet in der Ostukraine auf. Ihre Tochter Fatima war an Bord von MH17, sie studierte im niederländischen Delft Luftfahrt-Ingenieurwesen.

Jerzy Dyczynski, Angela Rudhart-Dyczynski

Angela und Jerzy Dyczynski an dem Ort, an dem auch die Leiche ihrer Tochter Fatima lag - oder noch liegt.

(Foto: AP)

Die Eltern flogen zunächst in die Niederlande, um dort DNA-Proben für die Identifizierung der Leichen abzugeben. Anschließend ging es weiter nach Kiew und von dort aus im Kleinbus in Richtung Donezk. Das Paar war demnach ohne Begleitschutz unterwegs, Hilfe sollen sie von einem ukrainischen Ehepaar bekommen haben. Am Absturzort wurde die Mutter von ihren Gefühlen übermannt: "Sie war so voller Leben", erinnerte sie sich an ihre Tochter.

Experten identifizieren Opfer der abgestürzten Boeing 777

Unterdessen ist in den Niederlanden ein erster Leichnam des Flugzeugabsturzes identifiziert worden. Wie niederländische Medien unter Berufung auf die Regierung berichteten, handelt es sich um einen niederländischen Staatsbürger. Angaben zu Person und Geschlecht wurden nicht gemacht. Die Angehörigen und der Bürgermeister der Heimatgemeinde seien informiert worden.

Alle bislang gefundenen menschlichen Überreste wurden mittlerweile in die Niederlande ausgeflogen. Die Luftbrücke zwischen der ostukrainischen Stadt Charkow und Eindhoven ist vorerst beendet. Zwei Militärmaschinen aus Australien und den Niederlanden hatten am Samstag weitere 38 Särge nach Eindhoven gebracht. Damit befinden sich nun 227 Särge mit menschlichen Überresten in den Niederlanden. Insgesamt waren 298 Menschen an Bord der abgeschossenen Boeing 777, die meisten waren Niederländer.

Mehr als 200 Experten untersuchen nun die menschlichen Überreste in einer Kaserne in Hilversum und bemühen sich um eine Identifizierung der Opfer.