Süddeutsche Zeitung

Ukraine:Explosion an Gasleitung in Richtung Westen

Bei einer Explosion im Nordosten der Ukraine ist eine Erdgasleitung beschädigt worden, die Gas nach Europa leitet. Kiew zufolge gibt es Hinweise auf einen terroristischen Akt. Nahe Kramatorsk und Lugansk gehen die blutigen Gefechte weiter: Mehrere Menschen wurden getötet, unter ihnen auch ein russischer Journalist.

An einer Gasleitung in Richtung Europa im Nordosten der Ukraine ist es zu einer Explosion gekommen. Bei dem Vorfall in der Region Poltowa sei die Pipeline beschädigt worden, teilte die Polizei mit. Es habe offenbar keine Verletzten gegeben.

Augenzeugen in der Region berichten von einer rund 200 Meter hohen Flamme, die aus dem Rohr geschossen sei. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge handelt es sich um die wichtigste jener Pipelines, die russisches Erdgas nach Mittel- und Westeuropa bringen. Der Leitungsbetreiber Uktransgaz betonte, die Lieferungen nach Europa seien nicht betroffen.

Vor der Detonation sei es aus noch ungeklärten Gründen zu einem Druckabfall gekommen. Es gebe aber Hinweise auf einen terroristischen Akt, sagte der ukrainische Innenminister Arsen Awakow in Kiew. Details nannte er nicht. Die Gasleitung befindet sich weit entfernt von den Kampfschauplätzen in der Ostukraine.

Tote und Verletzte bei Gefechten in der Ostukraine

In der Ostukraine gab es bei blutigen Gefechten nach Angaben der prowestlichen Führung erneut zahlreiche Tote und Verletzte. Im Raum Kramatorsk seien mindestens sechs Separatisten erschossen worden, teilte Armeesprecher Wladislaw Selesnjow am Dienstag in Lugansk mit. Unter den Toten ist auch ein russischer Journalist.

Der Fernsehreporter Igor Kornieljuk war am Dienstag nahe der Rebellenhochburg Lugansk unter Beschuss geraten und schwer verletzt worden, wie ein Sprecher der staatlichen russischen Medienholding WGTRK sagte. Er wurde bewusstlos ins Krankenhaus von Lugansk gebracht und starb nach Angaben eines Arztes noch auf dem Weg in den Operationssaal. Moskau sprach von einem "weiteren Verbrechen der ukrainischen Truppen".

Zwei andere russische Reporter, die für den staatlichen Fernsehsender Swesda arbeiten, wurden nach eigenen Angaben drei Tage lang in der Ostukraine festgehalten und verprügelt. Nikita Konaschenkow und Jewgeni Dawydow sagten, sie seien am Samstag an einem Kontrollpunkt festgenommen und in einem Keller von Mitgliedern des rechtsextremen Prawy Sektor befragt und verprügelt worden.

Armeeberichten zufolge sind zudem viele Aufständische mit Verwundungen in Krankenhäuser gebracht worden. Auch das Militär erlitt demnach Verluste. So seien bei Feuergefechten im Gebiet Donezk mehr als 30 Angehörige der Regierungstruppen verletzt worden. Ihre Stellungen wurden unter anderem im Ort Alexejewskoje attackiert.

Poroschenko setzt Sondergesandte für Donezk und Lugansk ein

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko setzte unterdessen - als Schritt in seinem angekündigten Friedensplan - eine Sonderbeauftragte für die Krisenregionen Donezk und Lugansk ein.

Irina Geraschtschenko solle den Dialog mit den Aufständischen vor allem in der selbst ernannten "Volksrepublik Donezk" suchen, die wie die "Volksrepublik Lugansk" nach Unabhängigkeit strebt. Geraschtschenko ist Parteigenossin des Ex-Boxers und Kiewer Bürgermeisters Vitali Klitschko. Die militanten Gruppen erklärten sich grundsätzlich zu Gesprächen bereit, verlangten aber, dass Vermittler Russlands oder internationaler Organisationen hinzugezogen würden.

EU überweist erste Tranche der Hilfszahlungen

500 Millionen Euro bereits verabredeter Finanzhilfe zahlte die EU der Ukraine aus, wie die EU-Kommission mitteilte. Das Geld könne auch zur Begleichung der Gas-Schulden eingesetzt werden, sagte ein Kommissionssprecher. Die Ukraine schuldet Russland für bereits geliefertes Gas insgesamt 4,5 Milliarden Dollar (3,3 Milliarden Euro).

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