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Ukraine:Eines der größten Waffenlager der Ukraine brennt

  • Eines der größten Munitionslager der Ukraine ist in Brand geraten. Mehrere Explosionen hatten zuvor das Gelände in der Nähe von Charkiw erschüttert.
  • Knapp 20 000 Menschen aus den umliegenden Ortschaften wurden in Sicherheit gebracht. Im Umkreis von 40 Kilometern wurde der Luftraum gesperrt.
  • Das Militär vermutet einen Sabotageakt.

In einem der größten Waffenlager der Ukraine hat es mehrere Explosionen gegeben. Das Depot in Balaklija in der Nähe von Charkiw im Osten des Landes steht seit Donnerstagmorgen in Flammen, teilte das Militär in Kiew mit.

Knapp 20 000 Menschen aus den umliegenden Ortschaften wurden in Sicherheit gebracht. In einem Umkreis von zunächst fünf Kilometern richteten die Sicherheitskräfte ein Sperrgebiet ein. Im Umkreis von 40 Kilometern wurde der Luftraum gesperrt. Mehr als 600 Rettungskräfte sind im Einsatz. Über Verletzte oder Tote gibt es noch keine Informationen.

Wegen der Gefahr andauernder Explosionen konnten die Feuerwehrleute zunächst nicht zu den Brandherden vordringen. Experten schätzen, dass es Tage dauern wird, bis das Feuer komplett gelöscht werden kann.

Militärstaatsanwalt Anatoli Matjos sprach von "Sabotage". In dem Lager in der Stadt Balaklija werden nach seinen Worten vor allem Artilleriegeschosse und Munition aufbewahrt - insgesamt mehr als 138 000 Tonnen. "Das ist nicht der erste Sabotageakt an unseren Objekten von strategischer Bedeutung", sagte Verteidigungsminister Stepan Poltorak.

Aufständische weisen Vorwürfe zurück

Der ukrainische Fernsehsender One Plus One berichtete, die Waffen würden vor allem gegen die prorussischen bewaffneten Regierungsgegner in der Ostukraine eingesetzt. Die prorussischen Separatisten in Donezk wiesen die Vorwürfe als lächerlich zurück. "Wir haben nichts damit zu tun", teilten die Aufständischen mit. Vielmehr vermuteten sie eine Nachlässigkeit der ukrainischen Armee in den eigenen Reihen beim Bewachen des Depots.

Charkiw liegt nordwestlich von Donezk und Luhansk, den Hochburgen prorussischer Separatisten. Dort stehen sich das ukrainische Militär und die von Russland unterstützten Rebellen gegenüber.

Im Konflikt zwischen den prorussischen Rebellen und den militärischen Einheiten der Regierung in Kiew gab es seit Beginn der Kämpfe im April 2014 mehr als 10 000 Tote. Das Minsker Friedensabkommen von 2015 zielte darauf ab, durch den Abzug schwerer Waffen eine Pufferzone zwischen den Konfliktparteien zu schaffen. Die Waffenruhe wird von beiden Seiten immer wieder gebrochen. Politische Bemühungen zur Beilegung des Konflikts kommen seit längerem nicht voran.

© SZ.de/AFP/dpa/fie/bepe

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