Ukraine:Ehemann von Timoschenko erhält Asyl in Tschechien

Tschechien gewährt Alexander Timoschenko, dem Mann der inhaftierten Oppositionsführerin, Asyl. Das bestätigt der tschechische Innenminister. Nun könnten sich die Spannungen zwischen Kiew und Prag verschärfen.

Alexander Timoschenko, der Ehemann der inhaftierten ukrainischen Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko, hat in Tschechien politisches Asyl erhalten. Das bestätigte Innenminister Jan Kubice in Ceske Budejovice (Budweis) nach Angaben der Prager Agentur CTK. Der 51-Jährige habe das Asylgesuch bereits vor mehreren Monaten eingereicht. Aus der Ukraine lag zunächst keine Reaktion vor.

File photo of Oleksander Tymoshenko standing outside the Pecherskiy district court in Kiev

Alexander Timoschenko, Ehemann der ukrainischen Oppostionsführerin Julia Timoschenko, ersucht Tschechien um Asyl. Das könnte die Beziehung der beiden Länder weiter verschlechtern.

(Foto: REUTERS)

Alexander Timoschenko wolle mit dem Schritt verhindern, dass die Führung in Kiew auf die zu sieben Jahren Haft verurteilte Oppositionsführerin "weiteren Druck ausübe". Das teilte Timoschenkos Partei am Freitag in Kiew mit.

Tschechien macht sich oft für die Opposition in Ländern mit Menschenrechtsverletzungen stark - diese Politik ist ein Erbe des im Dezember verstorbenen ehemaligen Präsidenten Vaclav Havel. Im vergangenen Jahr gewährte Tschechien bereits dem ehemaligen ukrainischen Wirtschaftsminister Bohdan Danilischin Asyl, dem in seiner Heimat ebenfalls Amtsmissbrauch vorgeworfen wurde. Das führte zu einem diplomatischen Streit zwischen beiden Ländern und im Mai 2011 zur Ausweisung zweier tschechischer Diplomaten aus der Ukraine wegen Spionagevorwürfen. Nach Ansicht von Beobachtern wird das Asyl für Alexander Timoschenko die ohnehin gespannten bilateralen Beziehungen weiter verschlechtern.

Die seit August 2011 inhaftierte Timoschenko war im Oktober wegen Machtmissbrauchs zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Sie wurde für schuldig befunden, während ihrer Zeit als Ministerpräsidentin ihrem Land beim Abschluss von Gasverträgen mit Russland Schäden in Millionenhöhe zugefügt zu haben. Die Oppositionsführerin sieht sich als Opfer eines politischen Komplotts. Das Urteil wurde auch im Westen als politisch motiviert kritisiert.

Timoschenkos Tochter Jewgenija protestierte am Freitag nach einem Besuch erneut gegen "unwürdige Haftbedingungen". Die Anstaltsleitung wies dies mit den Worten zurück, die Zelle der 51-Jährigen entspreche "europäischem Standard".

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