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Ukip-Führer zu Brexit:Farage: "So gut wie keiner von Ihnen hat je richtig gearbeitet"

Der Brexit-Befürworter frohlockt im Europäischen Parlament, er provoziert - und droht ein bisschen in Richtung Deutschland.

Um 11:26 Uhr ist es so weit. Im Brüsseler Europaparlament erhält Nigel Farage das Wort. Auf sein Pult hat er einen Union Jack gestellt, die britische Fahne. "Good morning", ruft er ins weite Rund und grinst. Die folgende, wenige Minuten dauernde Rede wird ausreichen, um das Plenum in Wallung zu bringen.

Farage genießt diesen Auftritt. Vor ihm haben Parlamentspräsident Martin Schulz und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und andere gesprochen.

Sie alle haben das Referendum der Briten bedauert, bei dem diese vergangenen Donnerstag für den Austritt aus der Europäischen Union gestimmt hatten. Und vor allem Juncker und EVP-Fraktionschef Manfred Weber hatten offen die Wut auf diejenigen gezeigt, die "Brüssel-Bashing" betreiben und Angst vor Europa machen.

Buhrufe - noch mehr Genuss für Farage

Der oberste Angstmacher Farage hat nun Oberwasser, er kostet den Zorn der anderen aus, er provoziert so, dass seine Stimme mehrfach überbuht wird. Noch mehr Genuss für Farage.

Er erinnert daran, wie er als Parlamentsnovize einst behandelt wurde, als er den Austritt des Vereinigten Königreiches aus der EU forderte. "Vor 17 Jahren haben mich alle ausgelacht", sagt Farage. "Jetzt lachen sie nicht mehr."

Trotz der knappen Redezeit streut er neue Desinformationen. Er schmäht den Euro als Währung, die scheitere - erwähnt aber natürlich nicht die historische Talfahrt, die das britische Pfund seit dem Brexit-Votum erleidet.

Er behauptet mit Blick auf die Flüchtlingskrise, Angela Merkel habe gefordert, dass "so viele Menschen wie möglich aus dem Mittelmeerraum kommen sollen". Dass er ein solches Zitat nicht liefern kann, stört Farage ebenso wenig, wie die immer lauter werdenden Zwischenrufe. Der Brite verklärt das Referendum zum Erdbeben, "vielleicht sogar für die Politik weltweit". Es folgen die aus den vergangenen Wochen und Monaten sattsam bekannten Phrasen von Grenzen, Fischereigewässern und dem Land, das man jetzt wieder zurückhabe.

Dann kommt Farage zur wohl einzigen Gemeinsamkeit mit seinen Vorrednern: Der Brexit soll beantragt werden, so schnell es geht, das finden Juncker und Schulz, das findet auch Farage. "Ich finde nicht, dass wir zu viel Zeit verstreichen lassen sollten", sagt der Europafeind.

Allerdings möchte der Ukip-Mann auf keinen Fall eine Einschränkung der Wirtschaftsbeziehungen Großbritanniens mit der Europäischen Union: "Wir werden mit euch Handel treiben, wir werden mit euch kooperieren", sagt er süßlich. "Wir werden euer bester Freund auf der Welt sein." Ein Freihandelsabkommen wäre ganz nach seinem Sinn.

Eine besondere Unverschämtheit

Farage schickt aber eine Warnung hinterher: Sollte es eine solche Vereinbarung nicht geben, wären die Konsequenzen für die EU viel schlimmer als für sein Land. Man solle doch "nicht in den eigenen Fuß schießen, um anderen zu schaden", so Farage. Eine Drohung hat er auch parat und sie gilt Berlin, richtet sich auch an die Kanzlerin, die zur selben Zeit im Bundestag eine Regierungserklärung abgibt. "Zölle gefährden Jobs", ruft Farage in Brüssel und erwähnt, dass davon auch die deutsche Autoindustrie betroffen wäre.

Farage wäre nicht Farage, wenn er nicht auch eine besondere Unverschämtheit in seine kurze Rede gepackt hätte. Zu den Abgeordneten gerichtet, sagt er: "So gut wie keiner von Ihnen hat je einen anständigen Job gehabt oder in seinem Leben richtig gearbeitet." Den folgenden Aufruhr muss Parlamentschef Schulz schlichten. Allerdings gibt der SPD-Mann auch Farage einen mit: "Sie müssen nicht von sich auf andere schließen."

Dann ist Farage schon am Ende seiner Rede. Jetzt ist die französische Rechtsextremistin Marine Le Pen dran. Der Brite setzt sich wieder hin, nur ein Gang trennt ihn vom Kommissionspräsidenten Juncker.

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Persönlich scheinen die beiden sich gut zu verstehen. Vor der Sitzung haben sich Farage und Juncker umarmt. Allerdings gab es auch eine andere Szene zwischen den beiden. Just als ein Fotograf den britischen Rechtspopulisten knipsen wollte, tauchte Juncker auf - und hielt seine Hände vor das Kameraobjektiv.