Süddeutsche Zeitung

Uiguren in China:Ausgespäht und eingesperrt

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Wie China in Xinjiang gegen Uiguren vorgeht - und die Welt dabei zusieht.

Juli 2009 In Urumqi, der Hauptstadt der Region Xinjiang, demonstrieren Hunderte Uiguren gegen Diskriminierung und Ungleichbehandlung. Die Proteste eskalieren, mindestens 197 Menschen kommen ums Leben, Hunderte werden verletzt.

August 2013 Der Autohersteller Volkswagen gibt die Eröffnung eines Werks in der Region Xinjiang bekannt. Die Fabrik in Urumqi ist eine der kleinsten VW-Fabriken weltweit, Experten zweifeln am wirtschaftlichen Nutzen.

Oktober 2013 Auf dem Tiananmen-Platz in Peking rast ein Wagen in eine Menschenmenge und geht nach einer Kollision in Flammen auf, fünf Menschen sterben. Die Islamische Turkestan-Partei, eine uigurische islamistische Separatisten-Gruppierung, bekennt sich zu dem Anschlag.

März 2014 Eine Gruppe maskierter Menschen greift am Bahnhof von Kunming mit Messern Passanten an, etwa 30 Menschen kommen ums Leben. Chinas Behörden machen uigurische Separatisten für die Tat verantwortlich.

April 2014 Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping fordert in einer Rede, gegenüber den Uiguren "keine Gnade" zu zeigen. Die Kommunistische Partei solle die "Mittel einer Diktatur" nutzen. Dies geht aus Dokumenten hervor, die der New York Times zugespielt wurden.

Mai 2014 Die chinesische Regierung ruft in Xinjiang die Kampagne "Hartes Durchgreifen gegen Terrorismus" aus. Immer mehr Uiguren werden festgenommen, erste Internierungscamps entstehen, wie chinesische Projektausschreibungen nahelegen.

August 2016 Chen Quanguo wird zum Parteisekretär von Xinjiang ernannt. Zuvor hatte er den Posten in Tibet inne, wo er wegen seines harten Vorgehens gegen die Einheimischen bekannt wurde. Nach Chens Amtsantritt steigt die Zahl der Inhaftierungen merklich.

Dezember 2016 Chinas Behörden setzen in Xinjiang laut Recherchen von Human Rights Watch erstmals die "Integrationsplattform für gemeinsame Einsätze" ein: Mithilfe dieses Überwachungssystems kann so gut wie jeder Schritt einer Person überwacht werden.

April 2017 Ein Anti-Extremismus-Gesetz tritt in Kraft. Frauen dürfen sich nicht mehr verschleiern, Männer keine langen Bärte mehr tragen. Die Zahl der Inhaftierungen nimmt stark zu. Betroffene berichten von Zwangsarbeit und Folter. Etwa zur gleichen Zeit werden die China-Cables-Dokumente verfasst.

September 2017 Westliche Medien - darunter Radio Free Asia und Buzzfeed - berichten erstmals von Camps zur Internierung von ethnischen Minderheiten. Schätzungen zufolge werden Hunderttausende Uiguren in Lagern eingesperrt.

Juli 2018 EU-Diplomaten reisen nach Xinjiang, um sich ein Bild von der Lage zu machen. In einem vertraulichen Bericht sprechen sie von gezielter Diskriminierung gegenüber den Uiguren. Die Rede ist von "Apartheid".

Oktober 2018 Chinas Behörden bestätigen erstmals die Existenz von Lagern. Es handle sich jedoch nicht um Internierungszentren, sondern um "berufliche Bildungseinrichtungen".

Dezember 2018 UN-Hochkommissarin Michelle Bachelet verlangt von den chinesischen Behörden erfolglos Einblick und freien Zugang in die Region, um die Vorwürfe untersuchen zu können.

April 2019 VW-Chef Herbert Diess erklärt auf einer Automesse in Shanghai, von Internierungslagern in Xinjiang nichts zu wissen. Volkswagen rudert kurze Zeit später zurück: Man sei sich der Lage in der Region durchaus bewusst.

Juli 2019 22 Länder - darunter Deutschland - fordern von China in einem Brief die Einhaltung der Menschenrechte. Russland, Saudi-Arabien und mehrere andere Staaten springen China bei und weisen die Kritik als "Politisierung von Menschenrechtsbelangen" zurück.

Oktober 2019 Örtliche Behörden bestätigen laut Radio Free Asia den Tod von mindestens 150 Menschen in einem Camp nahe der Stadt Kutcha (Kuqa). Die US-Regierung sanktioniert 28 chinesische Firmen und Regierungsorganisationen. Eine der sanktionierten Firmen ist der Überwachungstechnologie-Hersteller Hikvison. Der größte Anteilseigner der Firma ist der Staatskonzern CETC - ein "strategischer Partner" von Siemens.

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