Überteuerte Großprojekte:Skandalbauten mit hohem Kostenfaktor

Egal ob der Bonner Schürrmannbau oder die Hamburger Elbphilharmonie - der Bau öffentlicher Gebäude dauert regelmäßig viel länger als geplant und lässt die Kosten in die Höhe schießen.

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Großbaustelle Bundesnachrichtendienst

Quelle: dpa

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Egal ob der Bonner Schürrmannbau oder die Hamburger Elbphilharmonie - der Bau öffentlicher Gebäude dauert regelmäßig viel länger als geplant und lässt die Kosten in die Höhe schießen. Sechs zeit- und geldraubendste Beispiele.

Geheime Milliarden

Seit fünf Jahren nun schon baut der Bundesnachrichtendienst an seiner neuen Zentrale in Berlin. Die Ausmaße des Gebäudes mit einer Geschossfläche von 26 Hektar sind ebenso beeindruckend wie die Kosten: Als 2003 der Umzug des Geheimdiensts von Pullach in die Hauptstadt beschlossen worden war, schätzte die rot-grüne Bundesregierung die Kosten für den Neubau auf 650 Millionen Euro. Inzwischen ist von 1,5 Milliarden Euro die Rede.

Ein Grund dafür ist der Versuch, die Pläne auch während der Bauphase so weit wie möglich unter Verschluss zu halten - deshalb wurde sowohl auf eine öffentliche Ausschreibung als auch auf die Vergabe an einen Generalunternehmer verzichtet. Bei der Steuerung eines derart komplexen Vorhabens führt dies zwangsweise zu erheblichen Komplikationen.

Dennoch sind offenbar Teile der vertraulichen Pläne verschwunden: Sie betreffen zwar nur Garage, Heizung und Warenannahme. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele fühlt sich in seiner Kritik an dem Projekt jedoch bestätigt: Die Zentrale des BND an der Charlottenstraße entwickle sich immer mehr zum ,,Skandalbau'', sagt er.

Sebastian Beck

Museum MARTa

Quelle: picture-alliance/ dpa

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Der Traum der kleinen Stadt

Die Architektur-Professorin Felizitas Romeiß-Stracke hat es einmal so ausgedrückt: ,,Herford kennt doch keine Sau.'' Die Verwünschung galt dem Versuch der ostwestfälischen Kleinstadt mit 65000 Einwohnern, sich von dem prominenten US-Architekten Frank Gehry ein Museum in den Ort stellen zu lassen, mitten in ein Wohnviertel - und sich so über die Region hinaus bekannt zu machen.

Romeiß-Stracke jedoch hat nicht ganz recht: Herford ist heute vielen Deutschen durchaus ein Begriff. Allerdings nicht unbedingt wegen des 2005 eröffneten Museum Marta für zeitgenössische Kunst, sondern eher wegen dessen Baugeschichte: 15 Millionen Euro hätte das Projekt kosten sollen, knapp 30 Millionen sind es geworden, weil sich die kleine Kommune schlicht übernommen hatte.

Auf den Weg gebracht hatte den Bau eine Gruppe Herforder Unternehmer, unterstützt vom damaligen Wirtschaftsminister von Nordrhein-Westfalen, Wolfgang Clement. Doch dann äußerte der Architekt Gehry, der auch das Guggenheim-Museum in Bilbao entwarf, immer neue Sonderwünsche. Am Ende teilte sich die Stadt die Kosten mit dem Kreis, dem Land und privaten Investoren.

Florian Fuchs

Innenhof im Schürmann-Bau in Bonn, 2002

Quelle: AP

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Abgesoffen im Rhein

Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages haben nie in dem Gebäude gearbeitet, dabei war der Bonner Schürmannbau doch für sie geplant worden. Die Arbeiter rückten 1989 an, die Kosten waren auf 640 Millionen Euro festgesetzt.

Dann fiel die Mauer, 1991 beschloss der Bundestag den Umzug nach Berlin - und kurz vor Weihnachten 1993 trat auch noch der Rhein über die Ufer. Er überflutete die unteren Geschosse des Rohbaus, das Wasser ruinierte die Bausubstanz. Gutachter und Gerichte stellten hinterher Mängel bei der Bauüberwachung fest. Bis zur Fertigstellung 2002 mutierte das Gebäude zum Skandalbau und zum wohl größten Baurechtsfall der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Erst 1997 unterzeichnete der damalige Bauminister Klaus Töpfer einen Vertrag, um das Gebäude fertigzubauen - mehr als tausend Tage nach der Flut, weil sich die Politiker lange nicht einigen konnten, ob der Rohbau saniert oder komplett abgerissen und neu errichtet werden sollte. Am Ende hat der Schürmannbau wohl um die 700 Millionen Euro gekostet. Heute residiert der Rundfunksender Deutsche Welle in dem Gebäude im ehemaligen Regierungsviertel.

Florian Fuchs

Baustelle für das Landesarchiv

Quelle: dpa

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Skandal im Innenhafen

Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Anfangsverdachts der Bestechlichkeit, Untreue und Vorteilsgewährung. Dabei hätte das Landesarchiv Nordrhein-Westfalens ein Leuchtturmprojekt werden sollen.

Ursprünglich war für die Landesakten ein Zweckbau in Düsseldorf geplant, doch dann rückte das Kulturhauptstadtjahr Ruhr 2010 näher, und die schwarz-gelbe Landesregierung entschied sich für einen internationaler Architekturwettbewerb und den Duisburger Innenhafen als Standort. Die landeseigene Baugesellschaft BLB wollte dort 2007 für zwei Millionen Euro ein nicht mehr genutztes Speichergebäude kaufen.

Es kam ein privater Investor dazwischen, der den Grund erwarb - und ihn schließlich wohl für 30 Millionen an das Land weiterverkaufte und in den Preis noch Planungskosten und entgangene Mieteinnahmen für 30 Jahre einrechnete.

Manche behaupten, der Investor habe einen Tipp bekommen, andere schimpfen, es habe ein ,,Koste-es-was-es-wolle''-Klima geherrscht. Jedenfalls werden die Kosten für das Landesarchiv, die anfangs auf 30 Millionen Euro veranschlagt waren, nun auf 140 bis 160 Millionen Euro geschätzt.

Florian Fuchs

Ausschuss untersucht erneut Kostenexplosion bei Elbphilharmonie

Quelle: dapd

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Hamburgs Unvollendete

Gewöhnlich müssen sich Intendanten eher dagegen wehren, dass ihre Theater und Konzerthallen geschlossen werden. Ein Intendant jedoch kämpft verzweifelt für die Eröffnung seines Hauses: Christoph Lieben-Seutter folgte 2007 einem Ruf aus Hamburg und siedelte von Wien in die Hansestadt über, um rechtzeitig alles für die Eröffnung der Elbphilharmonie im Jahr 2009 vorbereiten zu können.

Seitdem hat der neue Intendant schon die Einweihungsfeier und sogar einen Spielplan entworfen. Umsetzen konnte er seine Pläne nicht: Erst verzögerte sich die Eröffnung auf 2011, inzwischen ist offiziell von 2014 die Rede. Auf 77 Millionen Euro war der spektakuläre Glaspalast zunächst veranschlagt gewesen, nun soll das Projekt schon 323 Millionen Euro kosten, Tendenz steigend.

Der Baukonzern Hochtief schimpft, dass die Stadt die Pläne zu spät geliefert habe. Die Stadt klagt, Hochtief baue schleppend. Ein Untersuchungsausschuss konnte seine Arbeit bis zur Bürgerschaftswahl im Februar nicht beenden. Der Vertrag von Intendant Lieben-Seutter läuft noch bis 2015. Er selbst will nicht einmal mehr Wetten darauf annehmen, dass bis dahin der Vorhang endlich hochgeht.

Forian Fuchs

Baustelle City-Tunnel Leipzig

Quelle: dapd

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Das Loch von Leipzig

Bis jetzt scheint die Stadt Leipzig bei diesem Projekt der Gewinner zu sein, zumindest finanziell: In der Rahmenvereinbarung aus dem Jahr 2002 war der City-Tunnel mit 570 Millionen Euro veranschlagt worden, inzwischen schätzt der sächsische Rechnungshof die Kosten auf 960 Millionen Euro.

Von den Mehrausgaben trägt der Freistaat 316 Millionen Euro, auch der Bund und die Bahn müssen tiefer in die Tasche greifen. Nur der Anteil der Stadt bleibt unverändert bei 12,8 Millionen. Sie bekommt dafür einen Tunnel, der den Hauptbahnhof mit dem Bayerischen Bahnhof verbindet.

Ursprünglich sollte das Prestigeprojekt eine schnellere Verbindung auf der Bahnstrecke Berlin-München ermöglichen. Inzwischen ist klar: Nur Regional- und S-Bahnen werden durch den Tunnel fahren, die Bahn will ihn vorerst nicht in ihr Fernverkehrsnetz integrieren. Von Anfang an, beklagt der Rechnungshof, sei zu optimistisch geplant worden.

Nun solle die Landesregierung wenigstens über eine vernünftige Aufteilung der Kosten verhandeln. Bis zur Eröffnung kann aber noch viel passieren: Statt wie geplant Ende 2009 dauern die Arbeiten wohl noch bis Ende 2013.

Florian Fuchs

© SZ vom 02.08.2011/maza
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