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Eröffnung der Beutekunst-Ausstellung:Eklat vor Russland-Besuch der Kanzlerin

Germany's Chancellor Merkel looks through the window of her limousine as she arrives for a European People's Party EPP leaders' meeting in Vienna

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)

(Foto: REUTERS)

Schweigen zur Beutekunst: Kanzlerin Merkel soll in Sankt-Petersburg eine Ausstellung eröffnen. Dazu kommt es nun nicht. Offiziell wegen "Terminschwierigkeiten". Die Hintergründe des Eklats sind noch nicht ganz klar. Laut ihrem Sprecher wollte Merkel in ihrer Rede aber die Rückgabe von Beutekunst ansprechen.

Vor dem Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Sankt Petersburg ist es zu einem Eklat gekommen. Die dort geplante gemeinsame Eröffnung der Beutekunst-Ausstellung mit Merkel und Russlands Präsidenten Wladimir Putin wurde überraschend abgesagt.

Beide wollten in der berühmten Eremitage die Schau "Bronzezeit - Europa ohne Grenzen" eröffnen. Dort wird auch spektakuläre Beutekunst wie der Goldschatz von Eberswalde ausgestellt, den Sowjetsoldaten nach dem Zweiten Weltkrieg nach Moskau brachten.

In einer Pressekonferenz am Vormittag erklärte Regierungssprecher Georg Streiter die Absage mit angeblichen "Terminschwierigkeiten" der russischen Seite. Die deutsche Seite habe "keinen Grund an den Beweggründen zu zweifeln". Die Teilnahme an der Eröffnung der Ausstellung sei "in beiderseitigem Einvernehmen" abgesagt worden.

Regierungssprecher Steffen Seibert hatte bereits zuvor zur Begründung gesagt, dass entgegen der ursprünglichen Planung keine Grußworte mehr vorgesehen gewesen seien. Merkel hätte in ihrem Grußwort die "völkerrechtlich abgesicherte Haltung" zum Ausdruck gebracht, dass die erbeuteten Kunstgegenstände zurückzugeben seien, sagte Streiter am Vormittag in Berlin.

Deutschland hatte mit Blick auf internationales Recht immer wieder auf Rückgabe der Kunst bestanden. Russland dagegen macht deutlich, dass die Schätze mit dem Blut seiner Soldaten bezahlt worden seien.

Eine Sprecherin des Bundespresseamts hatte Süddeutsche.de zunächst gesagt, Merkel habe die Eröffnung abgesagt. Wenig später hieß es aber ebenfalls aus dem Bundespresseamt, die Absage sei von russischer Seite erfolgt.

Anlass der Reise ist die Teilnahme der Kanzlerin an einem Wirtschaftsforum. Zudem sind ein einstündiges Treffen mit Putin und eine anschließende gemeinsame Pressekonferenz geplant. Daran habe sich nichts geändert, hieß es in der Bundesregierung.

Die deutsch-russischen Beziehungen werden seit einiger Zeit von Differenzen geprägt. Unter anderen gibt es unterschiedliche Positionen zum Syrien-Konflikt. Auch das russische Vorgehen gegen ausländische Stiftungen wie die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung hat für Verstimmung gesorgt.

© Süddeutsche.de/dpa/Reuters/jasch/mikö
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