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Twitter:Trump verbreitet Video mit rassistischem Slogan

Der viel beschäftigte US-Präsident Donald Trump findet neben vielen Dingen auch noch Zeit zum golfen

(Foto: AFP)

Donald Trump meldet sich mit martialischen Aussagen zu Wort. Und der US-Präsident findet Zeit, einen rassistischen Slogan auf Twitter zu verbreiten.

US-Präsident Donald Trump hat am Sonntag auf Twitter zeitweise ein Video weiterverbreitet, in dem einer seiner Anhänger einen in den USA weithin als rassistisch betrachteten Slogan brüllt. Das Video zeigt Demonstranten, die gegen den Präsidenten protestieren, während dessen Anhänger in Golfcarts vorbeifahren. Einer von Trumps Unterstützern brüllt den Demonstranten dann entgegen: "Weiße Macht" (Englisch: "White Power"). Dieser Slogan wird in den USA vor allem von rassistischen Gruppen eingesetzt.

Das Video, das Trump mit seinen gut 82 Millionen Followern teilte, war drei Stunden später bereits rund vier Millionen Mal angesehen worden. Nachdem Trump umgehend vorgeworfen wurde, damit Rassismus zu unterstützen und selbst aus den Reihen von Trumps Republikanern Kritik kam, löschte er seinen Retweet vier Stunden später wieder.

Die fragliche Parole "nicht gehört"

Das Video ist gut zwei Minuten lang, der Slogan "Weiße Macht" kommt aber in den ersten zehn Sekunden vor. Trump bezeichnete seine Anhänger, die in dem Video zu sehen sind, als "tolle Leute" und dankte ihnen. Nach dem Löschen erklärte das Weiße Haus dann in einer Stellungnahme, Trump habe die fragliche Parole "nicht gehört". Er habe nur den Enthusiasmus seiner Anhänger gesehen, erklärte Sprecher Judd Deere.

In dem undatierten aus einer Seniorenanlage im Bundesstaat Florida stammenden Video scheinen sowohl die Demonstranten als auch Trumps Anhänger ältere weiße Amerikaner zu sein. Trump wurde auf Plakaten der Demonstranten als "Rassist" bezeichnet, seine Anhänger hatten an ihren Golfcarts Schilder von Trumps Kampagne, auf denen "Trump 2020" und der Slogan "Amerika zuerst" standen. Eine Demonstrantin trug ein T-Shirt mit der Aufschrift "Black Lives Matter" ("Schwarze Leben zählen").

Toter bei Mahnwache für Breonna Taylor

Seit dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz vor gut einem Monat ist es in den USA landesweit zu Massenprotesten gegen Rassismus und Polizeigewalt gekommen. Trump präsentiert sich jedoch vor allem als ein Präsident, der Recht und Ordnung durchsetzen will. Ihm wird daher vorgeworfen, sich nicht klar gegen Rassismus zu positionieren und zu wenig Verständnis für den Zorn über anhaltende Diskriminierung und Ungerechtigkeit zu zeigen.

Bei einer Mahnwache für die von der Polizei getötete Afroamerikanerin Breonna Taylor ist im US-Staat Kentucky ein 27-jähriger Mann erschossen worden. Ein Verdächtiger sei in Gewahrsam, teilte die Polizei in Louisville am Sonntag mit. Das Motiv war zunächst unklar. Polizeichef Robert Schroeder sagte aber, der Verdächtige sei von Anfang an bei den wochenlangen Protesten im Jefferson Square Park dabei gewesen und mehrfach festgenommen worden. Andere Demonstranten hätten ihn immer wieder gebeten, ihr Protestlager zu verlassen, weil er ihrer Sache schadete.

In einem Video, das bei der Pressekonferenz gezeigt wurde, war zu sehen, wie mehrere Menschen den Verdächtigten umringten und plötzlich Schüsse fielen und alle Deckung suchten. Auch der Verdächtige sei bei dem Zwischenfall am Samstagabend verletzt worden und werde im Krankenhaus behandelt, sagte Schroeder.

Der Bürgermeister von Louisville, Greg Fischer, zeigte sich entsetzt. Er sei sehr traurig über die Gewalt und dass ein Ort des friedlichen Protests nun ein Tatort sei. Am Sonntag versammelten sich mehrere Dutzend Menschen in den Park. Die Polizei teilte mit, sie dürften den Tag über dort bleiben aber nicht in der Nacht. Im Park aufgestellte Zelte wurden entfernt.

Nach den Tötungen von Taylor und George Floyd bei Polizeieinsätzen hat sich der Park zu einem Zentrum der Demonstrationen in Louisville entwickelt. Bereits am 28. Mai waren in der Nähe des Gerichtsgebäudes schon einmal Schüsse gefallen, sieben Menschen wurden dabei verletzt. Taylors Mutter rief die Demonstranten danach auf, Gerechtigkeit zu fordern "ohne einander zu verletzen".

Die 26-jährige Schwarze wurde Mitte März von acht Kugeln in ihrer Wohnung in Louisville getroffen. Drei Beamte drangen mit einem sogenannten No-Knock-Warrant wegen eines Drogenverdachts in ihre Wohnung ein. In mehreren US-Staaten ist es Polizisten unter Umständen richterlich gestattet, in Haus oder Wohnung von Verdächtigen einzudringen, ohne vorher anzuklopfen oder zu klingeln. Sie rufen in der Regel, dass sie da sind und brechen dann sofort die Tür auf. Bei Breonna Taylor wurden keine Drogen gefunden. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Krankenschwester.

Nach dem Vorfall wurde gegen Taylors Partner Kenneth Walker zunächst der Vorwurf des versuchten Mordes erhoben, weil er einen Schuss auf einen der Polizisten abfeuerte, der in die Wohnung kam. Er habe gedacht, er verteidige sich vor einem Einbrecher, erklärte Walker danach. Der Stadtrat von Louisville hat die Anwendung des No-Knock-Warrant vor kurzem verboten.

© dpa/AP/lala

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