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Twitter:Falscher AfD-Account: "Schöne Grüße an Herrn Böhmermann"

Fake AfD Account Twitter Screenshot

Zwischenzeitlich zierte das Logo der Satire-Partei Die Partei den falschen AfD-Account auf Twitter.

(Foto: (L) Ole Spata/dpa; (R) Screenshot Twitter @AfD_BremenNord)

Die "AfD Bremen-Nord" twittert seltsames Zeug. Die Partei teilt mit, das Profil sei ein Fake. Wer steckt dahinter? Die Satire-Partei "Die Partei"?

Von Lukas Ondreka

Falsche Accounts gibt es auf Twitter seit der Gründung des Kurznachrichtendienstes vor zehn Jahren. Besonders oft betroffen: Politiker und Parteien. Nun hat es offenbar die Alternative für Deutschland (AfD) erwischt.

Seit Mitte März twittern Unbekannte unter dem Namen "AfD Bremen-Nord" Seltsames, aber auch Inhalte, die der rechten Protestpartei zuzutrauen sind. Die AfD sagt: Der Account sei ein Fake. Und das Netz rätselt: Wer steckt dahinter? Jan Böhmermann? Oder die Satiriker von "Die Partei"?

Viele Journalisten wittern einen Skandal und tappen in die Falle

Doch von vorne: Die Aufregung nahm ihren Lauf, nachdem sich die "heute show" in ihrer Sendung am vergangenen Freitag mal wieder über die AfD lustig gemacht hatte. Nichts Ungewöhnliches so weit. Kurz darauf aber drohte der Twitter-Account "AfD Bremen-Nord", die Sendung absetzen zu wollen. Und als der Tweet in der Welt war, wurde er prompt gelöscht - als habe der Kreisverband eingesehen, dass dies dann doch zu weit ging. Schnell verbreitet sich ein Screenshot.

Viele Journalisten witterten einen Skandal. Das ist wohl nicht ganz aus der Luft gegriffen, fordert doch die AfD in einem Entwurf zu ihrem Parteiprogramm, der vor Kurzem geleakt wurde, die Abschaffung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und die Einrichtung eines Staatsrundfunks. Ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht die Geschichte, als die "AfD Bremen-Nord" auch noch die "Lügenpresse" bezichtigt, den Tweet gelöscht zu haben:

Die Presse zu bezichtigen, Tweets eines Partei-Accounts zu löschen - das erscheint dann doch sehr weit hergeholt. Selbst für eine Partei, die Provokation zum Markenkern ernannt hat. Und es gab weitere Hinweise darauf, dass es sich bei dem AfD-Account um einen Fake handeln könnte: So ließ der Account Nutzer in der Vergangenheit darüber abstimmen, welche Person aus dem öffentlichen Leben verschwinden solle. Mögliche Antworten: Erika Steinbach und Adolf Hitler.

Wer war's? Böhmermann oder Die Partei?

Schließlich erklärte die Bremer AfD den Account für "nicht offiziell". Im Gespräch mit Spiegel Online sagte der Landessprecher, dass die Partei lediglich einen Facebook-Auftritt habe. Dort wies die AfD ihre Unterstützer noch einmal darauf hin, dass es sich bei dem Twitter-Account um einen Fake handle. Die Partei kündigte an, den Account stilllegen lassen zu wollen. "Identitätsbetrug" verstößt gegen die Twitter-Regeln, heißt es in den Richtlinien des Kurznachrichtendienstes. Nutzer dürften zwar Parodie-Accounts erstellen, sie müssten diese aber als solche kenntlich machen. Am Montag schickte die falsche AfD weiter munter Tweets in die Welt.

Dass es sich um einen Fake handelt, zumindest so viel scheint mittlerweile klar zu sein. Der Account trug zeitweilig den Namen "Fake AfD Bremen-Nord". Wer steckt hinter dem falschen Profil? Bei der AfD wird gemunkelt, dass die Satire-Partei "Die Partei" die Verantwortung trägt. Am Montag war von dem falschen AfD-Account zwischenzeitlich eine Version mit dem Logo der Satirepartei zu finden. Ein Logo, das zum gleichen Zeitpunkt auch den Facebook-Auftritt "Die Partei Bremen-Nord" zierte. Auf dem falschen AfD-Account hieß es dazu:

Die Partei: "Schöne Grüße an Herrn Böhmermann"

Freilich gehört zu Fake-Accounts das Spiel mit der Ungewissheit. Die Satiriker beteuerten auf Twitter, nichts mit dem Account zu tun zu haben - "Ehrenwort". Auf eine Anfrage der Süddeutschen Zeitung antwortete Marco Manfredini, "Filialleiter Die Partei Bremen": "Wir können bestätigen, dass wir im Verdacht stehen und haben deshalb herumgefragt. Wir sind uns jetzt zu 60-70 Prozent sicher, dass es möglicherweise keiner von uns war." Und: "Richten Sie Herrn Böhmermann schöne Grüße von uns aus."

Das satirische Spiel des In-die-Irre-führens versteht natürlich nicht nur Die Partei. Der Verdacht fiel deshalb schnell auch auf Jan Böhmermann. Der griff die Steilvorlage bereitwillig auf:

Mit Blick auf seinen #Varoufake-Coup ist auch dieses Dementi mit Vorsicht zu genießen. Böhmermann stammt aus Bremen. Außerdem hatte er im vergangenen Jahr die gesamte Fernsehrepublik an der Nase herumgeführt, in dem er behauptete, den Stinkefinger des damaligen griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis gefälscht zu haben. Tagelang wurde über den Fake oder den Fake des Fakes diskutiert. Dafür bekam er Anfang des Monats den Grimme-Preis.

Dass Twitter-Accounts von Parteien oder Politikern parodiert werden, ist freilich nichts Neues. In den Jahren 2008 und 2009 etwa führte das Blog Metronaut dem Netz einen falschen Franz Müntefering vor. Twitter versucht, mit einem blauen Häkchen echte Accounts zu adeln und hat in den vergangenen Jahren die Möglichkeiten zur Beschwerde über Fake-Accounts verbessert. Aber längst nicht alle Personen des öffentlichen Lebens sind auf diese Art verifiziert.

© SZ.de/gal
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