TV-Runde der Spitzenkandidaten in Hessen:Hahns Liebe zum Plusquamperfekt

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Interessant wird es noch kurz bei der Frage nach einer Leihstimmenkampagne der FDP. Die Liberalen auf Bundesebene haben eine solche Kampagne angekündigt, mit der sie bürgerliche Wähler ansprechen, die eine schwarz-gelbe Koalition wollen. Hahn verteidigt diese Strategie, obwohl sie vielen Unionspolitikern missfällt, und die Bayernwahl, bei der die FDP mit gut drei Prozent gescheitert ist, verlegt er sprachlich weit nach hinten und nutzt das Plusquamperfekt. "Das war eine Schlappe gewesen", sagt Hahn.

Als Bouffier von den Moderatoren gefragt wird, ob er Mitleid mit dem kleinen Koalitionspartner habe, verneint er. "Im Wahlkampf sind die Parteien Konkurrenten", sagt der CDU-Mann. Sein Mitleid beschränkt sich an diesem Abend darauf, eine Krawatte zu tragen, die mit einigem guten Willen leicht ins Gelbe tendiert.

Lange streiten die fünf Kontrahenten um den Frankfurter Flughafen. Wichtig schon deshalb, weil er Zehntausenden Menschen in der Rhein-Main-Region Arbeit gibt und weil er andererseits Zehntausende andere Menschen mit Lärm belastet. Es geht um eine neue Landebahn, um ein neues Terminal und die Frage, ob ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr oder von 23 bis 5 Uhr gelten sollte.

Vor allem aber streiten die fünf Politiker um die Frage, um welche Zielgruppe man sich nach der Wahl am meisten kümmern müsse. Schäfer-Gümbel stellt sich als sozial engagierten Kümmerer dar, weil er neulich "mal nicht die Manager und die Piloten" auf dem Flughafen besucht habe, sondern die "Reinigungskräfte, die maximal 1500 Euro brutto verdienen". FDP-Spitzenkandidat Hahn dagegen findet es gerade gut, "dass der Flughafen auch vielen niedrigqualifizierten Arbeitnehmern einen Job bietet". Und auch die Linken-Vertreterin Wissler wird vom Moderator gefragt, warum sie denn gegen eine neue Landebahn sei, wo sie damit doch nur die Villenbesitzer schone, die ihre Ruhe haben wollten.

Hervorragend? Ganz Okay? Oder für wenige gut, für viele schlecht?

Es werden dann einige Fragen angeschnitten, bei denen die Regierung in Wiesbaden mangels Zuständigkeit wenig ausrichten kann. Das Erneuerbare Energien-Gesetz und die Strompreise zum Beispiel, oder die Pkw-Maut, die Bouffier, entgegen der Ablehnung von Merkel noch einmal verteidigt. Klassisch landespolitische Themen wie die Bildungspolitik oder die innere Sicherheit werden gar nicht oder nur sehr indirekt angesprochen.

Immerhin zanken sich die Politiker dann noch ein bisschen, wie Hessen derzeit wirtschaftlich dasteht. Hervorragend, finden Bouffier und Hahn. Ganz okay, aber nicht weil Schwarz-Gelb an der Macht ist, finden Schäfer-Gümbel und Al-Wazir. Für wenige gut, für viele schlecht, findet Wissler.

Auffällig ist, dass selbst hier die Diskussion relativ sachlich abläuft. Bouffier redet, wie meist üblich, lange und bedächtig, für einen kurzen Moment formen sich seine Hände gar zu einer Merkelraute. Schäfer-Gümbel hält zwar argumentativ dagegen, verkneift sich aber direkte Angriffe - eine Strategie, mit der er diesmal, anders als im direkten Duell mit Bouffier vergangene Woche, relativ gut fährt. Nur Hahn führt eine Mini-Fehde mit Al-Wazir und wirft ihm vor, "in unerträglicher Weise zu polemisieren".

Am Ende versuchen die Moderatoren ein Spiel, das so ähnlich immer bei "Hart, aber fair", der Diskussionsrunde von Frank Plasberg im Ersten gemacht wird. Jeder der fünf Politiker muss einen halb fertigen Satz vervollständigen, und dabei etwas Positives über einen politischen Gegner sagen.

Bouffier soll sagen, worum er Schäfer-Gümbel beneidet. Er beantwortet die Frage nicht richtig, sagt nur, dass er sich freut, "dass Schäfer-Gümbel eine glückliche Familie hat, so wie ich ja auch". Trotzdem kommt er dabei freundlich rüber, ungefähr so, wie der "Onkel", als den ihn Al-Wazir zuvor beschrieben hat.

Vielleicht hätte er der Koalitionsfrage des Journalisten im Anschluss an die Diskussion genauso ausweichen sollen.

Nachtrag: Inzwischen hat Bouffier eine Koalition mit der AfD auch persönlich ausgeschlossen. "Es gibt keine Koalition mit der AfD", sagte Bouffier am Donnerstag im ZDF-Morgenmagazin. Er gebe sein "uneingeschränktes" Ehrenwort, dass in Hessen kein Bündnis mit der eurokritischen Partei geben werde.

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