TV-Runde der Spitzenkandidaten in Hessen:Bouffiers Pointe beim Wer-mit-wem-Spiel

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Fernsehduell vor Hessischer Landtagswahl

Die Diskussion der Spitzenkandidaten in Hessen - vier Tage vor der Landtagswahl. Mit dabei sind (v.l.) Janine Wissler, Linken-Fraktionschefin, Grünen-Landeschef Tarek Al-Wazir, Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), sein SPD-Herausforderer Thorsten Schäfer-Gümbel und FDP-Chef Jörg-Uwe Hahn.

(Foto: dpa)

Hessens Ministerpräsident pflegt in der TV-Spitzenrunde seinen onkelhaften Wahlkampfstil. SPD-Kontrahent Schäfer-Gümbel fährt gut damit, nicht zu attackieren. Nur der Grüne Al-Wazir und FDP-Mann Hahn triezen sich immer wieder mal. Interessanter ist aber, was nach der Sendung passiert.

Von Oliver Klasen

Es kann kein gutes Zeichen für eine TV-Politikerrunde sein, wenn der interessanteste Satz außerhalb der Diskussion fällt. Besonders nicht, wenn sich die Spitzenkandidaten der großen Parteien kurz vor einer Wahl zum Streitgespräch treffen, wie an diesem Abend in Hessen. Aber bei der Diskussion, die am Abend um 20.15 Uhr im Hessischen Rundfunk ausgestrahlt wurde, war es nun einmal genau so.

"Von denen kenne ich nur das Programm, das ist im Rahmen der Demokratie und deshalb schließe ich nichts aus", sagte Volker Bouffier, der Ministerpräsident von der CDU. Bezogen war dieser Satz auf die Alternative für Deutschland (AfD), jene populistische Bewegung, die Deutschland am liebsten vom Euro befreien möchte.

Von einem Journalisten war Bouffier nach Koalitionsmöglichkeiten gefragt worden. Die Linke lehne er ab, weil sie "in Teilen in dieser Verfassung nicht angekommen ist". Von der AfD kenne er die Personen nicht, die in Hessen kandidierten, er kenne nur das Programm. Dann folgte besagter Satz.

Ein Satz, der nicht nur deshalb pikant ist, weil die Bundes-CDU erst vor einigen Tagen jegliche Zusammenarbeit mit den Eurokritikern explizit ausgeschlossen hat. Sondern auch, weil Bouffier ihn ohne jede Not angebracht hat. Ein unbedachter Versprecher offensichtlich. Denn es ist wenig wahrscheinlich, dass Bouffier nach dem 22. September - an dem nicht nur die Bundestagswahl, sondern auch die Landtagswahl in Hessen stattfindet - in Versuchung kommt, über eine Kooperation mit der AfD nachzudenken. Die Eurokritiker stehen letzten Umfragen zufolge bei drei Prozent und würden damit den Einzug in den Landtag in Wiesbaden klar verfehlen.

Das große Thema: Wer mit wem?

"Aber die Frage stellt sich nicht", sagt Bouffier dann noch, aber da ist sein Satz schon in der Welt. Weil die TV-Diskussion bereits am Mittag aufgezeichnet wurde, wird Bouffiers Äußerung bereits publik, bevor die TV-Sendung begonnen hat. Via Twitter verbreitet sie sich schnell. Diesen Kanal nutzt auch Bouffiers Sprecher später, um zu relativieren: "Es gibt keine Koalition mit der AfD", schreibt er.

Wer mit wem? Und wer mit wem auf keinen Fall? Das ist das große Thema im hessischen Wahlkampf, der ansonsten ein eher stiller Wahlkampf ist. Einerseits, weil er von der Bundestagswahl überlagert wird. Andererseits, weil es Ministerpräsident Bouffier - genau wie Kanzlerin Merkel - vorzieht, der Auseinandersetzung möglichst auszuweichen, oder, wie es der hessische Grünen-Chef Tarek Al-Wazir in der TV-Runde mehrfach ausdrückt, "den lieben Onkel" gibt.

Dass die Koalitionsfrage in Hessen ein wichtiges Thema ist, ergibt sich aus der Geschichte. 2008 hatte SPD-Spitzenfrau Andrea Ypsilanti versucht, sich entgegen ihrer Wahlversprechen von den Linken zur Ministerpräsidentin wählen zu lassen. Sie scheiterte, weil ihr vier Abweichler die Stimme verweigerten.

Gemessen daran nimmt die Koalitionsfrage in der Sendung sogar relativ wenig Raum ein. SPD-Spitzenmann Thorsten Schäfer-Gümbel wiederholt seine von Kritikern als zu wenig konkret empfundene Distanzierung von den Linken ("Ich sehe keine inhaltliche Basis für eine Zusammenarbeit") und reduziert die Entscheidung auf ein Duell: "Herr Bouffier oder ich". Der Ministerpräsident selbst redet in der Diskussion fast gar nicht über Koalitionen, sagt nur kurz, dass er Schwarz-Gelb anstrebt und bringt dann die Binsenweisheit, dass alle demokratischen Parteien prinzipiell gesprächsbereit bleiben müssen. Nur FDP-Mann Jörg-Uwe Hahn warnt vor der "postkommunistischen Truppe" von Linken-Spitzenkandidatin Janine Wissler.

So weit, so erwartbar. Garniert wird das Ganze von einigen blumigen Vergleichen. Moderator Thomas Kreuzmann will etwas über angebliche Annäherungsversuche der SPD an die Liberalen wissen und fragt Schäfer-Gümbel, ob er dessen Verhalten mit einem "liebeskranken Stalker" vergleichen könne. FDP-Mann Hahn wirft der Konkurrenz vor, ihn ins "rot-grüne Bett holen zu wollen" und Grünen-Chef Al-Wazir behauptet, wer Linke oder Piraten wähle, könne am Ende der Nacht "mit Herrn Bouffier aufwachen". "Verdammt viele Bett- und Schlafmetaphern", findet der Grüne dann selbst.

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