TV-Duell zwischen Schulz und Juncker:Europa, das sind wir

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Sie wollen beide Präsident der EU-Kommission werden. Warum gehen Jean-Claude Juncker und Martin Schulz trotzdem so freundlich miteinander um? Weil sie ein gemeinsames Ziel verfolgen.

Ein Kommentar von Cerstin Gammelin

Zum ersten Mal in der Geschichte der Europawahlen haben sich dem deutschsprachigen Publikum die beiden aussichtsreichsten Spitzenkandidaten zur Befragung gestellt. Das überraschende Ergebnis nach knapp 90 Minuten: das TV-Duell der beiden europäischen Kandidaten hat sich nicht besonders von den üblichen nationalen Duellen vor Bundestagswahlen unterschieden.

Jean-Claude Juncker und Martin Schulz sind über weite Strecken freundlich miteinander umgegangen. Der Streit darüber, ob ein möglicher Beitritt der Türkei zur Europäischen Union nun vom früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder oder Bundeskanzlerin Angela Merkel zu verantworten ist, war schon einer der wenigen Höhepunkte verbaler Streitkultur zwischen den beiden Kandidaten.

Dass so wenig gestritten wurde, liegt vor allem daran, dass Schulz und Juncker gemeinsam für ein Ziel kämpfen, und das heißt mehr Demokratie in der Europäischen Union. Wer gemeinsam kämpft, teilt zwangsläufig die Interessen. Und ganz zum Schluss brachte der spürbar akribisch vorbereitete Schulz genau dieses Interesse noch einmal ganz klar auf den Punkt.

Nach der Wahl sind die nationalen Regierungen gefordert

Die Wähler müssten jetzt eines wissen: Wer am 25. Mai, dem Wahltag, die SPD wählt, wählt Schulz. Wer CDU wählt, bekomme nicht Merkel, sondern Juncker. Und wenn die Staats- und Regierungschefs meinen, sie müssten nach den Wahlen jemand anderes als einen der Spitzenkandidaten für das Amt des Kommissionspräsidenten vorschlagen, so wäre das Betrug an der ohnehin schwach entwickelten Demokratie. Mit der Folge, dass bei den nächsten Wahlen noch weniger Menschen an die Urnen gehen wurden.

Man mag Schulz oder Juncker inhaltlich nicht immer zustimmen, etwa wenn es um die Ukraine, Flüchtlinge oder Euro-Politik geht. Aber dass Europa weiter an Zustimmung verlieren wird, wenn der Wählerwille von den nationalen Regierungen ignoriert werden sollte, das ist unstrittig.

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