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TV-Duell zur Landtagswahl in NRW:Laschet bemüht die Erzählung vom kleinen Jungen

TV-Duell zur NRW-Wahl zwischen Kraft und Laschet

Mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede: die NRW-Spitzenkandidaten Hannelore Kraft (SPD) und Armin Laschet (CDU).

(Foto: dpa)

Beim TV-Duell vor der NRW-Wahl zeigt sich der CDU-Spitzenkandidat ungewohnt emotional. SPD-Ministerpräsidentin Kraft bringt gute Argumente - aber keine Leidenschaft.

Der Herausforderer hat seinen großen Moment nach 46 Minuten und 58 Sekunden. Die Moderatorin will Armin Laschet ins Wort fallen, aber er lässt sie nicht. "Nein, ich muss das jetzt erzählen. Weil das einfach uuuuunglaublich ist." Das "unglaublich" dehnt er so, dass auch der letzte, möglicherweise schläfrig gewordene Zuschauer die Ohren spitzt. CDU-Spitzenkandidat Laschet erzählt dann die Geschichte eines Sechstklässlers aus Dortmund. Der habe einen Brief an die Schulministerin geschrieben, weil an seiner Realschule wochenlang der Mathe- und der Deutschunterricht ausgefallen sei. Die Geschichte stimmt, und Laschet nutzt sie an diesem Abend gnadenlos für sich.

Er piekst mit dem Finger in die Luft des WDR-Studios, schüttelt Fäuste und Kopf, und zum Schluss sagt er mit Sorgenfalten auf der Stirn: "Das ist der größte Angriff ... (noch mal Kopfschütteln) ... das sozial Ungerechteste überhaupt, wenn ein Kind, wo die Eltern nicht helfen können, keinen Unterricht bekommt." Ein paar Sekunden später, als die Kamera ihn von der Seite zeigt, sieht man: Laschet lächelt zufrieden. Es ist ein Moment, der zeigt: Laschet hat das, was ihm Kritiker lange Zeit vorwarfen, überwunden. Zumindest an diesem Abend.

Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen

Die Angst der NRW-Grünen vor dem Scheitern

Last-Minute-Mobilisierung: Für die Grünen geht es um den Einzug in den Landtag. Umfragen sehen sie nur noch bei fünf bis sechs Prozent. Kurz vor der Wahl will die Partei dann noch eine Aussage zu möglichen Bündnispartnern machen.   Von Jan Bielicki

Das TV-Duell zwischen der nordrhein-westfälischen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und ihrem CDU-Herausforderer war mit Spannung erwartet worden. Viele Bürger im Westen sind Wahlforschern zufolge noch unentschlossen, elf Tage, bevor am 14. Mai der neue Landtag gewählt wird. In den Umfragen ist der Vorsprung der Ministerpräsidentin in den vergangenen Monaten geschmolzen, manche sehen Kraft und Laschet sogar gleichauf. Beide Kandidaten haben im Wahlkampf zwar schon oft gesagt, dass sie nichts auf die Umfragen geben, und nach dem Brexit- und Trump-Jahr 2016 haben sie auch allen Grund dazu. Andere Anhaltspunkte, wer am 14. Mai vorn liegen könnte, haben sie aber auch nicht, und so ist die Nervosität in Nordrhein-Westfalen groß. Zumal die Abstimmung im bevölkerungsreichsten Bundesland als wichtigster Stimmungstest für die Bundestagswahl im September gilt.

Siegesgewissheit im SPD-Stammland sieht anders aus

Die Nervosität spürt man auch an diesem Abend im TV-Studio, zum Beispiel, wenn Kraft selbst betont, dass noch nichts entschieden sei, oder wenn sie mehrmals laut wird und Laschet nahezu anschreit, statt gelassen zu widersprechen. Siegesgewissheit im SPD-Stammland sieht anders aus.

Der Verlauf der Diskussion ist allerdings auch nicht dazu geeignet, die Siegesgewissheit der SPD-Ministerpräsidentin zu stärken. Die moderierenden WDR-Chefredakteurinnen Sonia Seymour Mikich und Gabi Ludwig beweisen ein gutes Gespür bei der Fragenauswahl, es sind die Themen, die die Wähler in NRW tatsächlich bewegen. Innere Sicherheit, soziale Gerechtigkeit, die Staus auf den Autobahnen, Bildung. Auf mindestens zweien dieser Themenfelder, bei Bildung und innerer Sicherheit, geht Armin Laschet an diesem Tag als Sieger hervor. Das liegt weniger daran, was er erzählt, sondern wie er es tut.