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TV-Duell Poroschenko gegen Selenskyj:Der Präsident und der Komiker streiten im Olympiastadion von Kiew

Wahlen in der Ukraine

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko (links) und sein Herausforderer Wolodymyr Selenskyj diskutieren vor Publikum im Olympiastadion in Kiew.

(Foto: dpa)

Tausende Menschen saßen im Publikum, Fernsehsender übertrugen das Duell auch in Russland. Poroschenko wirft seinem Herausforderer Nähe zu Russland vor.

Vor der Stichwahl um das Präsidentenamt in der Ukraine haben sich die beiden Kandidaten eine hitzige Debatte vor Tausenden Menschen im Olympiastadion in Kiew geliefert. Amtsinhaber Petro Poroschenko und sein Herausforderer, der Komiker Wolodymyr Selenskyj, gaben sich auf der Bühne in der Arena mit 70 000 Plätzen am Freitagabend zwar zunächst die Hände. Sie gingen aber prompt zu scharfen Angriffen aufeinander über. Selenskyj sagte zum Auftakt, dass er selbst vor fünf Jahren Poroschenko als Hoffnungsträger gewählt habe. "Es war ein Fehler", sagte der Favorit vor der Abstimmung an diesem Sonntag.

Im Wahlkampf um das Präsidentenamt in der Ukraine jagt eine Kuriosität die nächste. Vor laufenden Kameras hatten sich Poroschenko und Selenskyj etwa Bluttests auf Drogen und Alkohol unterzogen. Der 53 Jahre alte Präsident versucht, den 41 Jahren alten Schauspieler als koksende russische Marionette hinzustellen. Der wiederum wirft Amtsinhaber Poroschenko im TV-Duell nun Korruption vor, was der Präsident selbstsicher und mit einem Lächeln zurückwies.

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Poroschenko warnte vor der Gefahr, dass Russlands Präsident Wladimir Putin die Kontrolle über die Ukraine erlangen könne. "Wir stehen heute vor äußeren Herausforderungen, die vom Präsidenten Mut, Kraft, internationale Erfahrung erfordern", sagte er. Poroschenko bezeichnete seinen Herausforderer als unfähig, den russischen Aggressor zu besiegen. Während Poroschenko nur Ukrainisch sprach, wechselte Selenskyj zeitweise ins Russische.

Viele Menschen sind heute ärmer als vor den Protesten

Der 41-jährige Selenskyj betonte, dass er sich im Gegensatz zu Poroschenko noch nie mit Putin getroffen habe. Er warf dem Staatschef vor, den Krieg im Osten der Ukraine - anders als vor fünf Jahren versprochen - nicht beendet zu haben. "Ich bin nicht ihr Opponent, ich bin ihr Urteil", sagte Selenskyj. Er wolle nur eine Amtszeit regieren und dafür sorgen, dass die korrupte Machtelite verschwinde. Mehrere Fernsehsender übertrugen die Debatte - auch in Russland.

Was den rund 30 Millionen Wahlberechtigten in der krisengeschüttelten Ex-Sowjetrepublik vor der Stichwahl am Sonntag geboten wird, gilt als beispielloses politisches Spektakel.

Der durch ein Süßwarenimperium reich gewordene Poroschenko war 2014 im Zuge der proeuropäischen Proteste auf dem Maidan in Kiew an die Macht gelangt. Das Militär gilt als wichtige Machtbasis für Poroschenko, der die Armee im Konflikt mit Russland wieder zu Stärke geführt hat. Sein Versprechen aber, den vor fünf Jahren begonnenen Krieg zwischen Regierungstruppen und aus Russland unterstützten Separatisten im Industriegebiet Donbass zu beenden, hat er nicht erfüllt. Stattdessen sind viele Menschen ärmer als vor den Protesten.

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hat vor der Stichwahl eine dauerhafte Waffenruhe im Kriegsgebiet im Osten gefordert. Beide Seiten hätten die Pflicht, für die Sicherheit der Menschen zu sorgen, sagte der amtierende OSZE-Vorsitzende, der slowakische Außenminister Miroslav Lajčák. Eine seit 8. März geltende Frühjahrswaffenruhe war zuletzt immer wieder gebrochen worden.

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