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TV-Duell der Präsidentschaftskandidaten:Im Fernsehduell zeigte sich, wie viel Strache in Hofer steckt

Anders Hofer: Der dritte Präsident des Parlaments ist geschmeidig und leiser. Inhaltlich liegt er voll auf Straches Linie, daraus macht er keinen Hehl. Aber sein charmantes Auftreten milderte die Botschaften ab. Hofer wirkte wie ein Teflon-Kandidat, der sich in die Hofburg lächelt. Bis jetzt.

Im Fernsehduell am Pfingstsonntag zeigte sich, wie viel Strache in Hofer steckt. Als es inhaltlich unangenehm wurde, zerstörte der FPÖ-Kandidat das Gespräch. Bemerkenswert offen wandte er eine Technik an, die schon sein seliger Parteifreund Jörg Haider praktiziert hat.

Anstatt zu argumentieren, verlegte sich Hofer auf Attacke: Einzelne Worte Van der Bellens pflückte er heraus und thematisierte sie, einzig, um sein Gegenüber aus dem Takt zu bringen. Hofer verdrehte, er ging Van der Bellen persönlich an. Einmal riet er ihm, sich mit einer Flasche zu unterhalten.

Van der Bellen begibt sich auf Hofers Niveau - eine verschenkte Chance

Van der Bellen hätte punkten können. "Schau an", hätte er sagen können, "da zeigt sich ja ein ganz anderer Norbert Hofer. Sind Beleidigungen das neue Amtsverständnis, für das Hofer auf Plakaten wirbt? Würde er als Präsident auch so aggressiv mit der Bundesregierung und anderen Leuten umspringen, die nicht seiner Meinung sind? Was passiert erst, wenn man ihm auf internationalem Parkett widerspricht?" Van der Bellen hätte, frei nach Helmut Schmidt, Hofer die Frage stellen können: "Haben Sie sich noch unter Kontrolle?"

Hofer lieferte Van der Bellen eine Steilvorlage, sich von ihm abzusetzen. Der Wirtschaftsprofessor hätte im direkten Vergleich zeigen können, wer sich wie ein Präsident verhält und wer nicht. Stattdessen begab sich der Grüne auf Hofers Niveau - eine verschenkte Chance.

Einmal hielt Van der Bellen mit Blick auf den beliebten sozialdemokratischen Noch-Präsidenten dem FPÖ-Mann vor, kein Heinz Fischer zu sein. Van der Bellen ist es auch nicht, wie er an diesem Pfingstsonntag bewiesen hat.

Hofer wiederum sollte vorsichtig sein, dass er im Endspurt seinen gefühlten Vorsprung nicht noch vertändelt. Van der Bellens bohrenden Fragen nach Hofers europäischen Partnern wich er wütend aus. Wer sich so lautstark Antworten verweigert, gibt damit zu, wie wichtig sie wären.

© SZ.de/jobr
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