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TV-Debatte der französischen Republikaner:Ein finsterer Abend mit den französischen Republikanern

Nicolas Sarkozy, Alain Juppé und die übrigen konservativen Anwärter auf die Präsidentschaftskandidatur liefern sich eine TV-Debatte zum Gähnen - bis es um die I-Themen geht: Immigration und Islam.

Der Aufwand war enorm. Sieben Kandidaten, zwei Stunden beste Sendezeit, dazu ein blau-weiß-rot gestyltes Studio, das es hätte aufnehmen können mit dem Glitzer und Glamour amerikanischer TV-Debatten: Frankreichs Republikaner suchten am Donnerstagabend ihren Star, der für sie kommendes Jahr den Élysée-Palast zurückerobern soll. Ende November will die bürgerliche Opposition per Vorwahl ihren Spitzenkandidaten für die Präsidentschaftswahl küren. Der gesuchte Held hat laut allen Prognosen beste Aussichten, die Macht zu gewinnen. Nur war er an diesem Abend nirgendwo zu entdecken.

Das war, einerseits, Taktik. Alain Juppé, der 71-jährige Favorit aller Umfragen, mühte sich nur um eines: Fehler zu vermeiden. Der frühere Premierminister ignorierte Provokationen, mied Sticheleien. In der ersten Hälfte der Debatte, die sich ganz der nationalen Wirtschaftsmisere und Sozialkrise widmete, breitete der Technokrat minutenlang Zahlenreihen aus zu Steuerreform, Schulden, Arbeitslosengeld. Im Detail verstanden hat das kaum jemand. Aber, so sein Kalkül, es wirkt kompetent.

Juppé möchte präsidial wirken. Das gelingt. Er inszeniert, von oben herab, den doppelten Kontrast: zum verzagten Amtsinhaber François Hollande ebenso wie zu seinem Widersacher Nicolas Sarkozy, dem allzeit hyperaktiven Ex-Präsidenten und Wiederkehrer. Es gelte, so setzt Juppé den Ton in seinem Eingangsstatement, "die Autorität des Staates wiederherzustellen und die Würde des Präsidentenamtes".

Allein Nicolas Sarkozy stört die Harmonie

Hunderttausende Franzosen dürften sich schon im Laufe dieser ersten Hälfte der republikanischen Debatte rausgezappt haben. Wirtschaftspolitisch offerieren die Aspiranten kaum Unterschiedliches: Weniger Steuern, weniger Staatsausgaben und weniger Beamte versprechen sie alle. Das meiste klingt wie die Angebotspolitik aus den 80er und 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. François Fillon, auch ein früherer Premierminister, empfindet es als Kompliment, dass man in ihm wegen seines drakonischen Sparprogramms den "Mister Thatcher" der Nation sieht. Juppé räumt ein, seine Rezepte seien notgedrungen "klassisch". Warum? "Niemand hat so etwas bisher in Frankreich angewandt."

Allein Nicolas Sarkozy stört die Harmonie. Er geißelt, dass Fillon und Juppé die Mehrwertsteuer erhöhen wollen (um gleichzeitig andere Abgaben zu senken). Sein Motiv sei, so Sarkozy, nicht ökonomisch, sondern rein politisch: "Ich will das nicht, einfach weil Hollande das auch getan hat. Wir können nicht dasselbe machen." Nathalie Kosciusko-Morizet, die einzige Frau zwischen sechs ergrauten Herren, wird die Debatte eine Stunde später so bilanzieren: "Recycling, das geht mit Müll, aber nicht mit Ideen."

Seinen traurigen Tiefpunkt erreicht der republikanische Siebenkampf dann nach der Werbepause. Bruno Le Maire, der ansonsten nur auffällt, weil er als einziger der Herren keine Krawatte trägt, fordert, dass alle Kandidaten ihre Strafregister offenlegen sollen. Die drei Moderatoren nehmen die Frage auf, es folgt eine Diskussion über Recht und Ehrlichkeit der politischen Klasse. Da wird es schrecklich leise im Saal.

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